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Sonnenschutzmittel: 12 Mythen auf dem Prüfstand

Sonnenschutzmittel: Hände halten Sonnencreme
© Lestermann / Shutterstock
Macht UV-Licht das Hautbild besser? Hilft Solariumbräune gegen Sonnenallergie? Zwölf Mythen rund um den Sonnenschutz – welche stimmen, welche nicht?

Mythos 1: Etwas Bräune macht das Hautbild besser

JEIN. "Eine entzündete Haut kann durch UV-Licht verbessert werden, etwa bei Neurodermitis oder Schuppenflechte", sagt Dr. Helger Stege, Chefarzt der Dermatologie Klinikum Lippe. Bei Akne spielt zudem der Anteil an blauem Licht eine Rolle, weil Sauerstoffradikale die Bakterienzahl reduzieren. Aber: Die Sonne sorgt für eine Hautverdickung und baut eine sogenannte Lichtschwiele auf. Dann können die kleinen Ausführungsgänge am Haarfollikel verstopfen, und es bilden sich noch mehr Pickel. "Es kann eine Linderung entstehen, aber eben auch eine verstärkte Akne", sagt Dr. Stege. "Und weil das Immunsystem in der Sonne herunterfährt, haben wir zudem noch ein virales und bakterielles Problem, bekommen Herpes oder bakteriell besiedelte nässende Ekzeme."

Mythos 2: Einmal eincremen reicht für den ganzen Tag

Schön wär's. Durch Aktivität, Reibung von Kleidung, Schweiß oder einfach nur Ins-Gesicht-Fassen trägt sich der Film ab. "Beim Strandurlaub sollten wir spätestens nach zwei Stunden den Sonnenschutz erneuern", sagt Dr. Tamara Steinhauer, globale Produktentwicklerin bei Nivea Sun. Und auch nach dem Baden neu eincremen, denn: "Wasserfest bedeutet, dass die Schutzleistung nach zweimal 20 Minuten baden noch 50 Prozent des ursprünglichen Werts entspricht", so die Chemikerin. "Bei extrawasserfest wird jener Wert nach viermal 20 Minuten erreicht."

Mythos 3: Wenn ich nur kurz draußen bin, reicht die Hälfte an Creme

Klar, das können sie machen. Wichtig ist zu wissen: "Lichtschutzfaktoren halbieren sich nicht, sondern minimieren sich um die Wurzel 2", erklärt Dermatologe Stege. Heißt: Wenn Sie Lichtschutzfaktor (LSF) 50 auftragen, erreichen Sie bei der Hälfte an Produkt gerade mal LSF 7. Die vom Hersteller empfohlene Menge: haselnussgroß fürs Gesicht, 30 Milliliter für den ganzen Körper. Zu viel ist zu klebrig? Hier hilft ein Trick: Mit etwa der Hälfte eincremen und nach einer halben Stunde die restliche Menge nachlegen.

Mythos 4: Im Schatten muss man sich weniger schützen

FALSCH. Die UV-Strahlen streuen durch die Reflexionen in alle Richtungen. Darum brauchen wir auch im Schatten einen ausreichend hohen Schutz. Durch einen Sonnenschirm dringen noch bis zu 50 Prozent der UV-Strahlen. Auch Glas schützt nicht vor Sonnenstrahlen. Zwar wird die für die Bräune zuständige UVB-Strahlung abgehalten, aber UVA-Strahlen landen ungefiltert auf der Haut. Sie dringen tiefer ein und sind für Alterungsprozesse und Allergien verantwortlich. Bei Autos befindet sich ein UV-Schutz häufig nur an der Frontscheibe, und meistens zählt das zur Sonderausstattung. Darum bei längeren Autofahrten bitte immer eincremen.

Mythos 5: Regelmäßiges Cremen ist der beste Schutz

Nein. Experten raten, zwischen 11 und 15 Uhr die Sonne im Hochsommer sogar ganz zu meiden, weil die Strahlen viel zu intensiv sind. Kleidung liefert zusätzlich UV-Schutz, hier gilt die Regel: Je dunkler und dichter die Textilien gewebt sind, umso höher der Schutz, Chemiefasern sind besser als Baumwolle und Viskose. Spezielle UV-Kleidung sollte das Siegel "UV-Standard 801" tragen. Bei allen Sportarten im Wasser ist ein gutes T-Shirt sowieso Pflicht, weil die Schultern sonst sehr schnell verbrennen können.

Mythos 6: weisser Hautkrebs ist kein richtiger Krebs

Doch! Und er ist sogar stärker verbreitet als schwarzer. "Eine Art des weißen Hautkrebses metastasiert, er ist dann ähnlich gefährlich wie der schwarze", so Dr. Helger Stege. Zwar steigt die Zahl der Hautkrebsfälle in Deutschland, die Todesfolgen bleiben jedoch weitgehend ­unverändert. "Das geschieht vermutlich durch ein höheres Bewusstsein im Umgang mit Sonne und Haut." Der Krebs wird schlichtweg früher entdeckt und ist dann meist sehr gut heilbar. Ab dem 35. Lebensjahr übernehmen die Krankenkassen alle zwei Jahre die Kosten für ein Screening beim Hautarzt.

Mythos 7: Bräune aus dem Solarium beugt Sonnenallergie vor.

Ein klares Nein, denn die Haut wird zwar braun, baut aber keine schützende Lichtschwiele auf. "Meiner Einschätzung nach bleiben Sonnenallergien konstant", sagt der Dermatologe. "Sie tauchen nur übers ganze Jahr verteilt auf, weil die Menschen reisefreudiger geworden sind." Sein Rat: sich langsam an die UV-Strahlen gewöhnen und einen hohen Lichtschutzfaktor auftragen.

Mythos 8: Bodylotion reicht als After-Sun-Pflege aus

Jein. Die Bodylotion sollte nicht zu fettreich sein, durch einen sogenannten Okklusiv-Effekt, der die Haut nahezu abdichtet, wird sonst der Feuchtigkeitsaustausch behindert. Wenn aber Inhaltsstoffe wie Aloe vera oder Panthenol in der Creme stecken, wirkt sich das hautberuhigend, entzündungshemmend und feuchtigkeitspendend aus. Spezielle After-Sun-Produkte sind häufig ein bisschen dünnflüssiger, lassen sich darum besser verteilen und wirken kühlend.

Mythos 9: Um Vitamin D zu bilden, sollte man öfter ungeschützt in die Sonne

AUF KEINEN FALL! "Selbst eine intensive 10- bis 20-minütige Bestrahlung in der Mittagssonne über eine längere Zeit würde den Vitamin-D-Speicher nicht ausreichend auffüllen", sagt der Experte. "Für die Vitamin-D-Synthese ist dieselbe Wellenlänge des Lichts notwendig, die auch Hautkrebs erzeugt." Lassen Sie beim Arzt feststellen, ob Sie überhaupt einen Vitamin-D-Mangel haben – und wie gut Ihre Nieren funktionieren. In höheren Dosierungen kann Vitamin D diese Organe dauerhaft schädigen. Sind Sie in der Menopause, fragen Sie nach, ob Sie neben Vitamin-D-Tabletten für die Knochendichte zusätzlich Kalzium oder Magnesium einnehmen sollten.

Mythos 10: Quark hilft bei Sonnenbrand

Ja, aber es geht hier nur um den Kühleffekt. Er hält mit Quark schlicht länger an als mit einem Tuch, das mit kaltem Wasser getränkt ist. Doch Vorsicht: Ein Sonnenbrand ist eine Entzündung der Haut und darf nicht unterschätzt werden. Lassen Sie sich bei einer starken Rötung lieber einmal kurz in der Apotheke beraten, ob zusätzlich eine leichte Kortisoncreme sinnvoll ist.

Mythos 11: Sonnencreme verhindert Spliss

Theoretisch ja. Die chemischen Sonnenfilter für die Haut sind denen fürs Haar ähnlich. Aber wer will schon einen fettigen Schopf? Die meisten Sonnencremes enthalten zusätzlich mineralische Filter, die für stumpfe Haare sorgen würden. Um die Haare vor dem Austrocknen, Abbrechen oder Ausbleichen durch die Sonne zu schützen, sollten Sie im Sommer stets einen speziellen UV-Schutz verwenden. "Vor allem colorierte Haare verlieren schnell die Farbe", sagt Tamara Steinhauer. Sie rät, den Kopf zusätzlich mit einem Tuch oder Cap zu bedecken. Bei spärlichem Haarwuchs oder einem Scheitel schützen transparente Sprays fürs Gesicht vor Verbrennungen der Kopfhaut.

Mythos 12: Korallen sterben durch Sonnencreme

Stimmt leider. Nach Schätzungen der amerikanischen Meeresbehörde Noaa landen bis zu 6000 Tonnen Sonnenschutzmittel in den Riffen und richten bei Korallen und Fischen Schaden an. "Vor allem die chemischen Filter Octinoxat und Oxybenzon stehen im Verdacht, Korallenriffe schädigen zu können. "Die beiden UV-Filter sind offiziell als sicher für den Einsatz in kosmetischen Produkten eingestuft, entsprechen aber nicht unseren zunehmend hohen Standards", sagt Dr. Tamara Steinhauer. "Sie sind daher in unseren europäischen Sonnenprodukten nicht enthalten." Auf Hawaii sind beide Filter ab Januar 2021 verboten.

Schutz und Pflege für einen entspannten Umgang mit der Sonne

HAARSPRAY: Entwirrt und pflegt strapaziertes Sommerhaar. Mit Gurken- und Minzextrakt: "After Sun Feuchtigkeits-Spray" von John Frieda, 150 ml ca. 7 Euro

BADESPASS: Die "UV Dry Protect Creme Gel LSF 30" zieht sofort ein und fettet nicht. Von Nivea Sun, 175 ml ca. 11 Euro

SONNENDACH: Ölfreier Schutz für die Kopfhaut, beugt lichtbedingten Hautveränderungen vor: "Solvinea Liquid AK LSF 30" von Dermasence, 75 ml ca. 16,50 Euro

FRISCH: mit Traubenwasser: "Anti-Falten Sonnencreme für das Gesicht LSF 50" von Caudalíe, 50 ml ca. 21 Euro

FARBECHT: Das "Invigo Sun UV Hair Color Protection Spray" erhält Haarcolorationen. Von Wella Professionals, 150 ml ca. 23 Euro

HAUT-KUR: Beruhigt und kühlt mit Ectoin und Hyaluron: "After Sun Ampullenkur" von Annemarie Börlind, 7x2 ml ca. 17 Euro

SENSIBEL: zu allergischer Haut – und zu Korallen: "Anthelios Shaka Fluid 50+" von La Roche-Posay, 50 ml ca. 20 Euro

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