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Vaginalverjüngung Muss das wirklich sein?

Vaginalverjüngung: Rosa Blume
© Katya Havok / Shutterstock
Scheidentrockenheit, Blasenschwäche und andere "intime" Probleme sind weitverbreitet. Laser-Therapien versprechen Linderung. Was genau steckt hinter dem Behandlungstrend?

Sie heißen "MonaLisa", "Juliette" oder "Petit Lady", wohlklingende, feminine Namen, die mehr an Wellness denken lassen denn an Hightech-Medizin. Und tatsächlich hat die vaginale Lasertherapie in anderen Ländern bereits einen ähnlich alltäglichen Stellenwert. "In Italien gehen die Frauen zwischen ihren Einkäufen zur Laserbehandlung wie zur Zahnprophylaxe", sagt Dr. Bettina Rümmelein, Präsidentin der schweizerischen Gesellschaft für medizinische Laseranwendungen. Vor fünf Jahren war die Dermatologin auf einem Kongress in Hongkong staunend dem Vortrag eines indischen Kollegen gefolgt, der bereits mehrere Tausend Frauen behandelt hatte. Seitdem bietet sie die Behandlung selbst in ihrer Züricher Praxis an.

Deutschland hinkt diesem Trend bis heute hinterher: Zwar sind in den vergangenen zwei Jahren allein mit dem CO2Laser "MonaLisa Touch" weit mehr als 5000 Frauen behandelt worden, aber viele Gynäkologinnen und Allgemeinmediziner haben noch nie etwas von der Methode gehört. Selbst in deutschen Großstädten gibt es häufig keine einzige Praxis, die sie anbietet.

Fast die Hälfte der Frauen ist betroffen

Dabei ist die potenzielle Zielgruppe riesig. Wenn die Östrogenwerte sinken, werden die Vaginalschleimhaut und das äußere Genitalgewebe dünner und empfindlicher. Diese sogenannte vulvovaginale Atrophie betrifft schätzungsweise fast die Hälfte der Frauen nach der Menopause. Sie verursacht Juckreiz und Brennen, beim Sex schmerzt es, oft entstehen sogar kleine Risse. Es kann zu Blasenschwäche und wiederkehrenden Harnwegsinfekten kommen. Auch junge Frauen können unter einer Atrophie leiden, zum Beispiel nach Geburten oder als Nebenwirkung der Pille. Doch die Scham ist groß. Selbst bei ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt sprechen viele ihr Problem nicht an.

Und selbst wenn, stehen die ihren Patientinnen oft eher hilflos gegenüber. Beckenbodentraining, Entspannungsübungen oder frei verkäufliche Cremes, Gels oder Zäpfchen zur Befeuchtung helfen eben nicht jeder. Und die Hormontherapie, die Mediziner:innen oft immer noch für den Goldstandard halten, ist, zum Beispiel nach Brustkrebserkrankungen, oft kontraindiziert und von vielen auch gar nicht gewünscht.

Retter in Not?

Da klingt die Werbung für vulvovaginale Lasertherapie ziemlich märchenhaft: kurze Behandlung – die Sonde des Lasers wird nur wenige Minuten in die Vagina eingeführt –, noch dazu nahezu schmerzfrei. Aber ist die Lösung wirklich so einfach? Und zwar nicht nur bei Trockenheit, Juckreiz und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, sondern bei einer ganzen Reihe intimer Beschwerden wie Lichen Sclerosus (eine entzündliche Hauterkrankung), einer Fehlfunktion der Eierstöcke, Neigung zu Entzündungen, erweitertem Scheideneingang nach einer Geburt und leichter Harninkontinenz?

"Der CO2-Laser beim ,Mona-Lisa Touch‘ gibt Lichtimpulse auf die betroffenen Gewebebereiche ab und verursacht damit Mikroverletzungen. Als Folge dieser Verletzungen soll sich das Gewebe neu aufbauen. Dieses neue Gewebe hat den Vorteil, dass es wesentlich elastischer und unempfindlicher gegenüber äußeren Reizen ist und auch weniger Nervenzellen enthält", erklärt der Hamburger Gynäkologe Professor Dr. Kai Bühling, der sich das Lasergerät vor fünf Jahren angeschafft hat. Dieses Wirkprinzip funktioniere selbst noch im Alter.

Bekannte Technologie

Brandneu ist es genau betrachtet dabei nicht. Diese Mini-Verletzungen bewirken ja auch den Anti-Age-Effekt bei kosmetischen Laserbehandlungen im Gesicht. Daher wird häufig auch von Vaginalverjüngung gesprochen. Ein Begriff, der an Schönheitsoperationen und andere Luxusanwendungen denken lässt und vor dem Experten wie Dr. Christian Ratz, Autor der ersten deutschsprachigen Übersichtsarbeit zum Thema, warnen. Das minimalinvasive, ambulante Verfahren habe sehr wohl das Potenzial zur Therapie der ersten Wahl bei ernst zu nehmenden und behandlungsbedürftigen Diagnosen. Operative Eingriffe könnten reduziert oder zumindest herausgezögert, Medikamente mit Nebenwirkungen oder Hormontherapien vermieden werden.

"Über 95 Prozent meiner Patientinnen würden die Behandlung weiterempfehlen", sagt Kai Bühling. Insgesamt ist mit drei bis fünf Anwendungen in Abständen von vier bis sechs Wochen zu rechnen, aber bereits nach dem ersten Mal würden die meisten eine deutliche Verbesserung spüren. Danach sei eine "Auffrischung" einmal im Jahr empfehlenswert.

Allerdings weigern sich die gesetzlichen Krankenkassen bisher, die Kosten zu übernehmen. Auch bei den privaten ist es nicht sicher, dass die Arztrechnung akzeptiert wird. "Es fehlen unabhängige Langzeitstudien, die die bisherigen positiven Ergebnisse bestätigen", sagt Bettina Rümmelein.

Ein unbedenklicher Eingriff?

Aber gibt es tatsächlich keine Risiken? In der Einwilligung, die vorher zu unterschreiben ist, heißt es, da diese Behandlung erst seit Kurzem angewendet würde, könnten langfristige Nebenwirkungen noch nicht absehbar sein. Hingewiesen wird auf bekannte Risiken von anderen Laserbehandlungen auf der Haut, wie eventuelle Narbenwucherungen, Schmerzen im Bereich der Vulva oder Gefühlsstörungen. "Es muss zwar immer auf diese Risiken hingewiesen werden, aber bei der vaginalen Lasertherapie hat sie noch nie jemand zu Gesicht bekommen", sagt Bettina Rümmelein.

Allerdings gibt es durchaus Umstände, bei denen die Lasertherapie nicht zum Einsatz kommen darf: bei akuten Entzündungen, bösartigen Gewebeveränderungen, Infektionen, Herpeserkrankungen, in den ersten drei Monaten nach einer Geburt, Fehlgeburt oder Unterleibsoperation, bei Netzoperationen (ein synthetisches Netz, das den Becken stützt), oder wenn eine Hormon- oder Kupferspirale angewendet wird. Bei Lichen Sclerosus ist eine Sicherung der Diagnose durch eine Gewebeentnahme erforderlich.

Das kostet die Behandlung

Dass die vaginale Lasertherapie immer noch so wenig bekannt ist, liegt sicher auch daran, dass sie fast immer aus eigener Tasche bezahlt werden muss. Etwa 400 Euro kostet eine Sitzung. Doch der Markt ist mittlerweile in Bewegung, da hört man auch schon mal von "nur" 300 Euro. Neben gynäkologischen bieten immer öfter auch dermatologische Praxen, die meist schon mit Lasermedizin vertraut sind, Vaginallaser an; Radiofrequenztechnik kommt ebenfalls zum Einsatz. Außerdem soll der Medizintourismus nach Polen schon längst begonnen haben: uro-vaginale Wiederherstellung mit Hotel-Rundumversorgung. Die Nachfrage wächst also auch hierzulande.

Oft wird Frauen dazu geraten, die Kostenübernahme bei ihrer Kasse zumindest anzufragen. Schließlich sind sie dort auch Kundinnen und, wie die Übernahme homöo- oder osteopathischer Behandlungen zeigt, bestimmen auch Nachfrage und Konkurrenz unter den Krankenkassen, was in deren Leistungskatalog aufgenommen wird. Aber es fehlen nicht nur Studien, es mangelt auch an offener Kommunikation – interdisziplinär unter Mediziner:innen und auch unter den Frauen selbst. Schließlich kann es doch nicht sein, dass es in einem offenen und emanzipierten Land wie unserem immer noch ein Tabu ist, über Frauengesundheit zu sprechen.

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BRIGITTE 08/2021 Brigitte

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