Verborgene Schönheit

Verhüllt, versteckt, vergessen? Aber nein! Sechs Hymnen auf ganz besondere Körperteile - und jede Menge Tipps, wie wir sie jetzt extra verwöhnen können.

Liebe Lippen, Brüste, Hände - auf den nächsten Seiten müsst ihr tapfer sein. Denn auch wenn wir euch verehren und immerzu betüdeln und liebkosen: Manchmal müssen selbst Megastars wie ihr die Bühne räumen. Für eine Truppe kaum beachteter Nischenkünstler, die zwar viel bescheidener auftreten als ihr, uns aber mindestens ebenso geschickt betören. Vielleicht, weil sie sich so rar machen? Denkt mal darüber nach...

Sie sehen aus wie MItesser – deswegen dürfen Follikel-Filamente nicht ausgedrückt werden

Die Ohren: Kunstwerk zum Knubbeln

"Herrliche und notwendige Glieder" seien die Ohrmuscheln, jubelten im 17. Jahrhundert die Verfasser vom "Newen Artzney-Buch" - und standen mit ihrer Begeisterung ziemlich allein da. Denn über das, was sich zu beiden Seiten unseres Kopfes unter den Haaren verbirgt, schwieg man in allen Kulturen beharrlich. Welch Versäumnis! Sind die Ohren doch der Fleisch gewordene Beweis dafür, dass das sonst so nüchterne Designprinzip "form follows function" (die Form folgt der Funktion) durchaus barocke Schönheit hervorbringen kann: kunstvoll gewundene Schalltrichter, von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich geformt.

Besonders hübsch: das Ohrläppchen. Weich wie Samt und sensibel wie kaum eine andere Körperstelle, bettelt es geradezu nach zärtlichen Knabber- und Knubbeleien - und wird dennoch seit Jahrtausenden mit Ringen und Steckern malträtiert. Oder sollte man besser sagen: herausgeputzt und ins rechte Licht gerückt? Der Konflikt zwischen Ohrschmuck-Befürwortern und -Gegnerinnen tobt quasi seit dem ersten Ohrnadelstich.

Zum Glück kann man mittlerweile problemlos die Lager wechseln. Ohrlöcher lassen sich vom Arzt recht unkompliziert entfernen. Das Anlegen abstehender Ohren ist aufwändiger. Die gerade bei Kindern häufig durchgeführte Operation dauert fast eine Stunde, danach brauchen die Ohren bis zu drei Wochen, um sich zu erholen. Seine Segelohren ist man dann los - allerdings auch ein Körpermerkmal, das in östlichen Kulturen seit jeher Symbol für Glück und Reichtum ist.

Vielleicht liegt das ja daran, dass den in Akupunktur erfahrenen Asiaten schon immer klar war, wie wichtig Ohrmuscheln fürs allgemeine Wohlbefinden sind. Es verwundert somit nicht, dass der weltweit erste Ohren-Waschsalon 2006 in Tokio öffnete: Zehn Minuten Säubern, Akupunktur und Massage kosten dort 14 Euro. Ein fairer Preis für die schönsten Muscheln diesseits des Meeresspiegels!

Verwöhnen: Minzöl oder -gel (z. B. "Peace of Mind Onthe- spot relief Fitmacher Aromagel" von Origins) auf Zeige- und Mittelfinger geben, mit kreisenden Bewegungen hinterm Ohrläppchen massieren. Reinigen: nie mit Ohrenstäbchen in den Gehörgang eindringen, sonst drohen Entzündungen.

Schmücken: nur nickelfreie Stecker verwenden

Der Hals: Mimose mit Anspruch

Wer eine Ode an den Hals singen möchte, sollte am besten eine Weile bei den Paduang verbringen, einem Volk im Grenzgebiet zwischen Burma und Thailand. Schließlich wenden die Frauen dort seit Urzeiten erhebliche Mühe auf, um ihre Halsmuskulatur mit einem Metallkorsett möglichst stark zu strecken und zu betonen. Je länger das Resultat, desto attraktiver die Frau.

Auch bei chinesischen Geishas hat der frei frisierte Nacken seit Jahrhunderten erotische Symbolkraft. Wieso nur, fragt sich da die Rollkragen tragende Europäerin, packen wir hierzulande so engagiert Stoff um das offensichtlich so reizvolle Körperteil? Weil der Hals nun mal eine schreckliche Mimose ist. Nur wenige Regionen sind so anfällig wie er: Ein paar Minuten Zug und Kälte - schon machen uns Halsweh oder Nackenschmerzen zu schaffen.

Ganz zu schweigen von den Zeichen der Zeit: Im Gegensatz zum Gesicht besitzt die Haut am Hals kaum Unterhaut- und Fettgewebe, sie ist sehr dünn und empfindlich, wird durch ständiges Drehen und Recken aber stark beansprucht. Weil kaum jemand unterhalb des Kinns regelmäßig cremt und massiert, tauchen hier die ersten Trockenheitsfältchen oft auf, bevor man jemals daran dachte, sich einer Anti-Age-Creme zu nähern. Das muss nicht sein. Wer den Hals so sorgfältig reinigt und pflegt wie das Gesicht, wird dort ähnlich lange jung aussehen. Auch eine aufrechte Körper- und Kopfhaltung reduziert den Knautschfaktor erheblich.

Pflegen: "Biofirm Lift Serum" von Biotherm, "Rénergie Morpholift Cou" von Lancôme, "Capture Sculpt 10 Émulsion-Gel Minceur Focus Menton-Cou" von Dior.

Massieren: mit den Händen oder einem Massage-Roller (z. B. "UltraLift Pro-X straffende Anti-Falten Pflege- Massage" von Garnier) von unten nach oben streichen

Schultern und Achseln: verwöhnen statt belasten

Die Last, die sie tragen müssen, ist sprichwörtlich - und seit drei Jahren auch wissenschaftlich messbar. Ein Biomechaniker der Berliner Charité hatte im Mai 2005 erstmals einem Menschen ein künstliches Schultergelenk mit eingebautem Belastungssensor implantiert, die Ergebnisse waren erschütternd: Beim Drehen eines Autolenkrads zerren Kräfte von bis zu 130 Kilogramm am Gelenk! Selbst wer sich nur mal eben die Haare kämmt, belastet die Schultern siebenmal so stark wie beim Schleppen einer vollen Getränkekiste!

Wir werden ihnen diese Bürde nicht nehmen können, das sollte uns aber nicht davon abhalten, die Schultern von Zeit zu Zeit ganz besonders liebevoll zu verwöhnen. Massagen und Fangopackungen entspannen die Muskulatur, Peelings sorgen dafür, dass die Haut gut durchblutet wird und sich keine Unreinheiten und Pickelchen bilden können. So machen selbst die hart geprüften Schultern im luftigen Trägerkleidchen eine grazile Figur.

Weil ein solches Outfit auch den sonst verborgenen Achseln zum besonderen Auftritt verhilft, kann man den Blick auf die zarte, kaum beachtete Haut dort durch Rasieren oder eine Enthaarungscreme freischaffen. Deos sorgen für Frischegefühl statt Schweißgemuffel, die neuesten pflegen sogar rasierte Haut oder passen sich der jeweiligen Körpertemperatur an.

Verwöhnen: z. B. "The Way of The Bath Matcha Tea Scrub" von Dr. Andrew Weil for Origins, "Fango Delicato" von Borghese (Körperpackung).

Enthaaren: z. B. "Venus Breeze" von Gillette (Nassrasierer mit integriertem Rasiergel), "Intuition Plus" von Wilkinson Sword (Rasierklinge mit integrierter Seife), "Haarentfernungs-Creme" von Veet.

Frischmachen: z. B. "Spray Pearl & Beauty" von Nivea (Deospray mit Pflegeeffekt), "Women Biorythm Roll-on" von Rexona (beim Schwitzen setzen Mikrokapseln zusätzliche Wirkstoffe frei), "Deodorant-Roll-On" von Vichy (Deodorantpflege für sehr empfindliche oder epilierte Haut)

Der Po: Pracht unterm Pulli

Der aktuelle Tunika-Trend in allen Ehren: Bei Po-Fetischisten kann man mit solchen formnegierenden Hüllen natürlich keinen Blumentopf gewinnen. Welch rosige Zeiten herrschten dagegen Ende des 19. Jahrhunderts: Da täuschten die Damen der Gesellschaft mit Polstern gewaltige Hinterbacken vor, bis zu 25 Zentimeter soll das Konstrukt namens "cul de Paris" von der eng geschnürten Taille abgestanden haben. Und der Erfolg von Jennifer Lopez oder Barbara Schöneberger beweist auch heute noch: Etwas mehr ist bei diesem Körperteil ausnahmsweise mal kein Fehler. Lopez ließ sich ihre Rundungen sogar für drei Millionen Dollar versichern - pro Backe!

Trotzdem haben die wenigsten Frauen zu ihrem Po ein freundliches Verhältnis. Zu dick, zu flach, zu breit, zu schlaff - die Mängelliste ist lang. Schlabberpullis oder Operationen sollen unsere Hinterseite dann kaschieren oder perfektionieren. Dabei, das haben Umfragen ergeben, finden sich für jede Form, vom Apfel bis zur Birne, begeisterte Liebhaber. Dazu muss das Objekt der Begierde freilich auch ab und an sichtbar und nicht ständig unter Stoffbahnen verborgen sein und, noch wichtiger, von uns selbst für gut befunden werden.

Als Übungsprogramm für den freundlichen Umgang mit der eigenen Hinterseite empfehlen sich Wechselduschen, Peelings und die gute alte Po-Gymnastik. Die hat zudem den angenehmen Nebeneffekt, selbst platteste Formen verführerisch zu wölben.

Verwöhnen: z. B. "Body Spa Luffa-Jojoba Body-Peeling" von Lavera, "Body Activ Drainage" von Lierac.

Trainieren: Sich aufs rechte Bein stellen, Knie leicht beugen, Arme seitlich in Schulterhöhe ausstrecken. Oberkörper nach vorn beugen, linkes Bein nach hinten auf Oberkörperhöhe strecken. 8-mal leicht anheben und senken. Danach Seitenwechsel (mehr Übungen: BRIGITTE-Core-Training, CD für 15,95 Euro im BRIGITTE-Shop oder im Handel)

Die Knie: heikel, aber sexy

Von Coco Chanel ist der böse Satz überliefert: "Das hässlichste Körperteil einer Frau sind die Knie." Interessanterweise schwebt der Rock des legendären Chanel- Kostüms trotzdem genau eine Handbreit darüber. Ganz so unästhetisch kann also selbst die strenge Modedesignerin das Knie nicht empfunden haben.

Nichtsdestotrotz folgt diese Stelle unseres Körpers nicht unbedingt konventionellen Schönheitsvorstellungen: Wie ein nachträglich montiertes Scharnier sitzt das Knie auf halber Beinstrecke zwischen Fuß und Hüfte. Ist der Mensch zu mager, zeichnen sich die Schleimbeutel des Gelenks als unschöne Wülste unter der Haut ab, ist er zu dick, machen sich Fettpölsterchen breit. Im Normalzustand ist das Knie jedoch durchaus ein Symbol subtiler Erotik. Schließlich lässt sich durch Kniekontakt am unauffälligsten körperliche Nähe herstellen. Und gerade weil wir sie vergleichsweise selten zeigen, symbolisieren unsere Knie Intimität und Vertrautheit.

Wer ihnen rechtzeitig vor der anstrengenden Minikleid-Saison noch eine Wellness-Kur gönnen möchte, beglückt sie am besten mit Peelings, Masken und Eincremen. An dem, was danach unter unseren Röcken hervorblitzt, hätte selbst Madame Chanel nichts mehr zu meckern.

Verwöhnen: z. B. "Cremiges Dusch- Peeling" von Nivea, "Ginger Body Scrub" von Origins, "Zart & Gepflegt Beinmaske Intensivpflege" von Allgäuer Latschen Kiefer, "Superknee" von Methode Jeanne Piaubert

Die Füße: pflegen statt verstecken

So selten wir sie im Alltag zeigen, so viele Mythen ranken sich um unsere Füße. Vor allem im China des 19. Jahrhunderts galten Frauenfüße als Inbegriff von Schönheit und Erotik. Allerdings erst, nachdem man sie auf höchst brutale Weise von Kindesbeinen an eingeschnürt und so zu etwa zehn Zentimeter kurzen "goldenen Lotussen" verkrüppelt hatte.

Heute führen die Füße ein wesentlich befreiteres Leben - trotz Highheel- und Turnschuhmode. Was für erstaunliche Leistung man mit ihnen vollbringen kann, beweisen Menschen wie die deutsche Dressurreiterin Bettina Eistel. Als Contergan-Opfer ohne Arme auf die Welt gekommen, gewann sie zahlreiche Medaillen, indem sie ihr Pferd einfach mit den Zehen lenkte.

Doch auch normal trainierte Füße haben erstaunliche Fähigkeiten, schließlich tragen sie uns Tag für Tag durchs Leben, helfen festzustellen, ob der Badesee schon die richtige Wassertemperatur hat, und sind trotz gelegentlicher Blasen und Blessuren höchst robuste - und dabei oft noch sehr hübsche! - Laufwerkzeuge.

Zur Belohnung kann man sie deshalb ab und zu ruhig mal aus dem Dunkel von Socken und Schuhen befreien und so richtig verwöhnen: mit Bädern, duftenden Cremes und Masken, mit Reflexzonen-Massagen oder einer Profi- Pediküre. Wetten, dass sie danach so zart und rosig sind, dass wir sie gar nicht wieder wegpacken wollen?

Verwöhnen: "Fresh Feet Deo Bad" von Sixtus, "Trockene Haut 10 % Urea Fußcreme" von Eubos, "Repair Fußcreme 10 % Urea" von Eucerin, "Lipikar Podologics Rückfettendes Fußpflege-Konzentrat" von La Roche-Posay, "Schrunden Salbe" von Scholl, "Hornhaut-Reduziercreme" (zur Zeit im Aktionspaket: + "Fuß Verwöhnbalsam" gratis) von Dr. Theiss, "Fußpuder" von Gehwol

BRIGITTE Heft 09/08 Fotos: Werner Wallington Produktion: Birgit Potzkai Text: Kristina Marold Haare und Make-Up: Tobias Sagner/close up
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