Wo ist meine Lieblingscreme?

Der sanfteste Make-up-Entferner, der beste Duft der Welt, die ultimative Creme oder das schönste Lipgloss: raus, weg, einfach vom Markt genommen. Was tun? Wir haben da ein paar Vorschläge!

"Lotion Demaquillante Yeux" von RoC

Christa Möller, BRIGITTE-Beauty-Ressortleiterin, vermisst ihre Augenabschmink-Lotion

"Ich habe empfindliche Augen, die schnell tränen und brennen sobald ich Augen-Make-up- Entferner ins Auge bekomme. Besonders unangenehm sind fetthaltige. Wunderbar vertragen habe ich bisher nur einen, und mit dem ließen sich auch stark getuschte Wimpern reinigen: Der ,Hypo-Allergénique' von RoC. Als er vom Markt genommen wurde, bekam ich noch fünf Lotions aus dem Lager. Jetzt sind sie aufgebraucht - und ich habe noch keinen Ersatz gefunden, der so sanft und gründlich ist. Dabei verlasse ich nie ohne Mascara das Haus."

Sehen Sie auch unser Video vom Making-of der Fotos für BRIGITTE.de. Film ab unter: www.brigitte.de/lieblingsprodukt

"Lauren" von Ralph Lauren

Kathrin Behrens, Leiterin des BRIGITTE-Leserservice, vermisst ihr Lieblingsparfüm

"Die Beziehung zu meinem Lieblingsduft ist ein kleines bisschen wie die zu einem guten amerikanischen Freund, mit dem man ein paar schöne gemeinsame Jahre hatte, und der dann wieder zurück in seine Heimat geht. Ich lernte 'Lauren' auf einer USA-Reise Anfang der achtziger Jahre kennen. Zu der Zeit mochte ich ohnehin alles von Ralph Lauren, dieses lässig Souveräne. Und als ich den Duft probierte, war klar: Das wird meiner! Feminin aber nicht zu blumig-pudrig, gepflegt aber nicht clean - lässig eben.

Den ersten Flakon kaufte ich gleich noch in Amerika, kurz darauf gab es ihn auch bei uns. Vor 15 Jahren jedoch kehrte ,er' in seine Heimat zurück - 'Lauren' war vom deutschen Markt verschwunden. Doch zum Glück bleiben wir in Kontakt: Keiner meiner Freunde kehrt von einer USA-Reise zurück, ohne ein Fläschchen davon für mich mitzubringen."

"Juicy Tubes No. 16" von Lancôme

Sona Kazemi, Architektin, vermisst ihren Lipgloss-Favoriten

"Jeder, der ins Ausland oder in entlegene Winkel Deutschlands fährt, weiß: Für Sona nach noch vorhandenen ,Lancôme-Juicy- Tubes'-Lipglosses, Farbnummer 16, forschen und kaufen! Es ist ein Violett und deshalb so genial, weil es einen leichten Blaustich hat. Letztes Jahr hatte mir mein Freund Robbi aus Madrid fünf Stück mitgebracht. Er war mit seinem Freund unterwegs, und die Verkäuferinnen sollen wie Autos geguckt haben: Zwei Jungs, die zielstrebig Gloss-Namen und -Nummer nennen und dann den Restbestand aufkaufen . . . "

"Labello Sensitive" von Labello

Julia Reiss, Redakteurin, vermisst ihren Lippenpflegestift "Seit ich Teenie war, benutze ich Labello. Immer verschiedene Sorten. Und der mit Kamille hatte mir auf Anhieb gefallen: Die frisch-frühlingsgrüne Hülle - und dann waren meine Lippen tatsächlich viel länger angenehm weich als bei allen anderen Labello-Sorten zuvor. Als es ihn nicht mehr gab, habe ich schließlich über ein Kontaktformular auf der Hersteller- Homepage um eine Alternative gebeten. Der Vorschlag: ,Labello sensitive protect'. Er ist gut. Aber an den grünen kommt er nicht ran."

"Maximeyes" von Dior

Petra Hülsmann, Fremdsprachenkorrespondentin, vermisst ihre Mascara "Lange, dichte, gut getrennte Wimpern - wie vermisse ich die! Meine Lieblingsmascara ,Maximeyes' von Dior hatte das spielend hinbekommen. Mit anderen Volumenmascaras habe ich leider nicht so gute Erfahrungen: Sie verkleben die Wimpern."

"Jil" von Jil Sander

Sina Teigelkötter, BRIGITTE-Autorin, vermisst ihren Duft "Seit 'Jil' vom Markt genommen wurde - und wirklich nirgends aufzutreiben ist - rieche ich nicht mehr nach Zuckerwatte. Und finde auch einfach kein anderes Parfüm, das es nur annähernd damit aufnehmen kann! Keinen anderen Duft habe ich öfter als ein Mal an mich herangelassen!"

Weg ist es, das Lieblingsstück. Aber warum nur?

Produkte verschwinden, weil die Nachfrage leider nun mal das Angebot bestimmt. Ganz drastisch unterscheiden Parfümeriebranchen- Insider in "Renner und Penner", Bestseller und Referenzen, bei denen die Abverkäufe nicht stimmen. Denn Lagerund Regalflächen in den Parfümerien kosten Geld. Egal, ob Duft oder Bodylotion: Läuft das Produkt über längere Zeit nicht, werden die Bestände noch verkauft - aber der Hersteller liefert nicht mehr nach. Bei Düften, die mit Stars oder Modehäusern in Verbindung stehen, gibt es noch andere Goodbye-Faktoren - hier müssen Aroma und Image zueinander passen. Ein Grund, weshalb sich die Luxusparfüm-Sparte des größten Duftanbieters Coty Prestige von "Chloé" trennte: Der pudrig-schwere Duft der achtziger Jahre passte nicht zur jetzigen leichten, femininen Chloé-Modelinie.

Doch nicht immer ist ein Duft oder eine Creme vom Markt. Manchmal riecht das gute Stück nur ein bisschen anders. Wie die "Bamboo"-Reihe aus der Duft-und Körperpflegeserie von Kenzoki. Die verkaufte sich auffallend schleppend. Das Unternehmen befragte daraufhin Konsumentinnen und fand heraus, dass spritzigere Noten gewünscht werden. Der Duft wurde angepasst - und die Verkäufe stiegen. Veränderungen stehen aber auch an, wenn sich bestimmte Inhaltsstoffe als reizend oder sogar gesundheitsgefährdend(u. a.Moschus Ambrette) erweisen. Der betreffende Stoff wird ersetzt, den Gesamteindruck soll das jedoch nicht beeinflussen.

Und was ist passiert, wenn sich eine Bodylotion völlig neu, vielleicht reichhaltiger anfühlt? Auch hier gilt: Weil Frauen das so wollen. Große Kosmetikunternehmen wie zum Beispiel Beiersdorf (u. a. Nivea, Labello, 8x4) erkundigen sich in regelmäßigen Verbraucherumfragen nach Pflegegewohnheiten und -vorlieben. Gibt es Wünsche ans Testprodukt, wird es entsprechend verändert. Und sind Produkte mit neuen Wirkstoffen auf den aktuellen Stand der Technik gebracht oder mit mehr Pflegeölen angereichert, steht oft ein Hinweis auf der Verpackung (z. B. "verbesserte Formel").

In einigen Beauty-Bereichen ist der Mangel Strategie - wie in der dekorativen Kosmetik. Die Farben der Lippenstifte, Lidschatten oder Nagellacke sind Bestandteil so genannter saisonaler Looks. Es gibt je einen für Frühjahr/Sommer und Herbst/Winter. Ihr sechsmonatiges Dasein bestimmen aktuelle, teils von internationalen Scouts ermittelte Farb- und Modetrends. Die saisonalen Looks teilen sich ihr kurzes Schicksal mit so genannten Starprodukten. Das sind häufig in der Stückzahl limitierte und besonders hochwertig aufgemachte Exemplare der Saison. Und die entwickeln manchmal sogar Sammlerwert (z. B. "Lotus Splendor"-Lid- und Lippenfarbe im Metall-Objekt von Lancôme und der "Dior Play"-Würfel mit Lipgloss von Dior).

Manchmal ist alles auch eine Sache des Weltmarktes. Wenn es etwa bei Rohstoffen durch Ausfälle jeglicher Art zu Lieferengpässen kommt - zum Beispiel bei Lavendelöl in Bioqualität. Eine Geduldsprobe für kleine Firmen wie etwa Primavera Life, die sich auf ätherische Öle spezialisiert haben und zu festen Lieferanten halten. Schwierig wird es auch, wenn der Run auf ein Produkt nicht vorhersehbar war. Beispiel: "Rouge Noir" von Chanel, ein schwarzroter Nagellack - die Farbe, die Uma Thurman in "Pulp Fiction" trug. Chanel brachte den mittlerweile zum Bestseller aufgestiegenen Lack kurz nach dem Filmstart als limitierte Edition heraus, die im Nu ausverkauft war. Parfümerien führten Wartelisten. Auch hier hieß es: "Gibt's nicht." Zum Glück aber nur für kurze Zeit.

Manchmal geht doch noch was... 10 Tipps für die Fahndung

Einen generellen Rat vorweg: Lassen Sie sich vor Ort, in einer Parfümerie oder Drogerie, nicht abwimmeln. "Gibt's nicht mehr": Das kann auch heißen, dass nur dort das Produkt nicht mehr im Sortiment ist. Viele Parfümerieunternehmen wie Douglas fragen einfach bei anderen Filialen nach - und fordern auf Wunsch die Ware an. Selbst die Aussage "vom Markt genommen" kann sich manchmal nur auf die Region beziehen. Unter Umständen ist Ihr Liebling in einem anderen Bundesland noch erhältlich. Oder in einem Nachbarmarkt wie Österreich. Um das herauszufinden können Sie:

1. Hotlines anrufen Die Nummer steht meist auf den Verpackungen der Beauty- Produkte, ist aber auch über die Auskunft oder das Internet herauszufinden. An den Apparaten sitzen vom Unternehmen geschulte Mitarbeiter, zuständig für die jeweiligen Marken. Sie können Ihnen zum Beispiel ein Alternativprodukt nennen. Einige Services recherchieren für besonders Verzweifelte auch schon mal in Marketingabteilungen nach Mustern. Oder Sie mailen: Das Parfümerieunternehmen Douglas etwa lässt auf Wunsch in einer der 1200 Parfümerien in weltweit 23 Ländern stöbern (E-Mail: service@douglas.de).

2. Einen eigenen Ländercheck machen Alternative zur Endverbraucher- Hotline: Im Internet selber auf den Sites der betreffenden (internationalen) Herstellerfirmen gucken, ob es den Duft, den Lippenstift noch in anderen Ländern gibt (bei internationalen Firmen mit .com-Endung versuchen).

3. Im Internet einkaufen Sehen Sie sich in Online-Shops der Hersteller um: So können Fans der Schwarzkopf- Haarstyling- und Pflegemarke "Got 2Be" auf www.shop.got2b.de neben dem Standardsortiment auch Produkte kaufen, die es nicht mehr im Handel gibt.

4. Google-Fischen Gehen Sie auf Stichwortsuche. Allerdings ist Vorsicht geboten beim Betteln in Chatrooms, Surfen durch virtuelle Auktionshäuser oder Ordern bei No-Names aus Übersee. Duft- bzw. Produktpiraten sind im Netz bevorzugt unterwegs. Und viele der Kopienhändler arbeiten oft bedenklich unhygienisch oder verwenden billige Inhaltsstoffe, die bei uns längst auf dem "Nicht zugelassen"-Index stehen.

5. Auf Sites internationaler Kaufhäuser shoppen gehen Übers Internet ordern können Sie zum Beispiel bei Saks (USA, www.saksfifthavenue.com), Harrods oder auch Harvey Nichols (beide England, www.harrods.com und www.harveynichols.com). Die meisten Produkte sind, vorausgesetzt sie lagern originalverpackt, kühl und trocken, einige Jahre haltbar - selbst Cremes und Lippenstifte. Ausnahme: Parfüms. Nach rund zwei Jahren ist bei zitrischen Düften die Kopfnote meist erheblich verändert. Einigermaßen stabil sind süße, schwere Noten.

6. "Maisons" besuchen Einige Dufthäuser und Kosmetikfirmen wie Guerlain oder auch Lancôme in Paris unterhalten "Maisons" - das sind die Renommierläden der Hersteller. Dort werden meist alle Düfte und Farben des Hauses auch zum Verkauf angeboten. Einfach mal einen Versuch starten: mit dem Geschäft in Kontakt treten, fragen, ob es Mittel und (Versand-) Wege gibt, an seinen kleinen Liebling zu kommen. Persönliche, freundliche Ansprache ist ein enormer Türöffner. Adressen zum Beispiel: L'Institut Lancôme, 29 rue du Faubourg Saint-Honoré, 75008 Paris (alle, auch alte Lancôme-Düfte, sämtliche Farben). La Maison Guerlain, 68 Avenue des Champs-Élysées, 75008 Paris (alle Düfte, auch Sonderserien, Pflege).

7. Urlaub machen Auf der nächsten Reise in den großen Kaufhäusern und Maisons vorbeischauen. Auf Flughäfen Duty-Free-Shoppingzeit einplanen! Keine Ferienzeit in Sicht? Freunde bitten, Produkte mitzubringen.

8. Nach dem "Maître des Parfums" fragen Einige Luxus-Parfümerien mit breitem Duftsortiment leisten sich diese Meister der Parfümkunde. Die besitzen neben einer feinen Nase auch ein exquisites Wissen und können einen ähnlichen Duft für Sie herausfischen - oder einen neuen empfehlen. Infos: Bundesverband Parfümerien e.V.; www.first-in-beauty.de (Unterpunkt: "Wo Sie uns finden").

9. Nachmixen lassen Sie Vermissen einen Duft? Wenn Sie noch einen (nicht zu stark gealterten!) Rest haben, können Sie das Parfüm auch neu mischen lassen. Einige freie Parfümeure tun dies. Unter anderem die Hamburger Duftexpertin Kim Weisswange. Eine Replik könne das Original zwar nicht zu 100 Prozent ersetzen, dem aber sehr wohl recht nahe kommen, sagt Weisswange. Der Preis: 50 ml wiederbelebter Lieblingsduft ab ca. 1000 Euro. Preiswertere Alternative: Lassen Sie sich einen ganz persönlichen von der Parfümeurin anfertigen (www.weisswange.de, ab ca. 150 Euro). Bei Farben heißt es: Reste als Muster aufheben, sich dann bei den Marken umschauen, die viele Profis benutzen (z. B. Nars, Bobbi Brown, MAC) und farbmäßig an den Wunschton herantasten. Internet- Tipp: Bei www.threecustom.com werden eingestellte Lippenstift- oder auch Concealer- Favoriten recherchiert beziehungsweise nachgebaut. Kosten: ab ca. 37 USDollar. Und wer zu www.giella.com einen Lippenstift-Rest schickt, bekommt für ca. 27 US-Dollar einen Nachbau.

10. Bei Verwandten suchen Konzerne wie Procter & Gamble (u. a. Wella, Olaz, Gilette), Henkel (u. a. Schwarzkopf, Diadermine, Aok) oder L'Oréal (u. a. Vichy, Biotherm, Maybelline Jade) geben auf der Homepage einen Überblick über ihre Produkte. Vielleicht findet sich in der Unternehmensfamilie ein Pendant zur vermissten Abschmink-Lotion.

Sehen Sie in unserem Making-of-Film wie...

. . . aus Architektin Sona Kazemi Winnetous kleine Schwester wird, sich Leserservice-Leiterin Kathrin Behrens in eine Saloon-Managerin verwandelt und wie Beauty-Chefin Christa Möller mit Colt, Schnauzer und Hut den Sheriff in sich entdeckt. Film ab unter: www.brigitte.de/lieblingsprodukt

Fotos: Gerd Ladebeck Produktion: Brigit Potzkai Text: Angela Schöneck Haare und Make-up: Tobias Sagner/Close up Ein Artikel aus der BRIGITTE 08/09
Themen in diesem Artikel
Mode- & Beauty-Newsletter

Beauty-Newsletter

Euer wöchentliches Style-Update mit den wichtigsten Modetrends, neuen Frisuren, spannenden Make-up-Looks und Inspirationen!