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Wundermittel


Falten weg in 14 Tagen, straffe Oberschenkel ohne Sport, Schönheit per Pflaster ... Manche Beauty-Produkte versprechen Unglaubliches. Experten haben sie für uns begutachtet und festgestellt: Alles kein Wunder!

Kosmetische Eiskugeln

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... warten bis zu ihrem Einsatz im Gefrierfach und werden eiskalt nach dem Eincremen übers Gesicht gerollt. "So bleiben die Wirkstoffe in der Haut, da sich die Poren durch Kälte schließen", argumentiert der Hersteller. "Durch die Kälte kann es schnell zu Hautschäden, ja sogar zu regelrechten Erfrierungen kommen", hält die Kosmetikerin Beatrix Isabel Lied dagegen. Und Wirkstoffe, die einmal in die Haut eingedrungen sind, bleiben auch ohne coole Hilfe da. Es sei denn, sie werden nach dem Auftragen sofort wieder abgerubbelt oder abgewaschen.

Pocket-Softlaser

Laser stellen sich als wahre Allround-Talente vor: "Endlich kann sich jeder selbst behandeln", prahlen die Hersteller der so genannten Pocket-Softlaser. Das Licht, das die "magischen" Stifte verstreuen, soll die körpereigene Abwehr stärken, Lippenbläschen, kleine Wunden oder Blutergüsse schnell zum Abklingen bringen, Erkältungen vorbeugen, Falten glätten, Narben ausgleichen und sogar Stress und Müdigkeit vertreiben. Das Behandlungsspektrum scheint riesig, die Handhabung kinderleicht. Und je öfter der Laser zum Einsatz kommt, desto besser? "Schaden können diese so genannten Softlaser nicht, weil sie vollkommen wirkungslos sind. Da könnte man das zu therapierende Körperteil ebenso gut unter ein Laser-Gerät halten, das an Supermarktkassen steht", sagt Dr. Wolfgang Niederdorfer, Dermatologe und Laser-Experte aus München. Medizinisch wirksame Laser dagegen sind immer aggressiv, sie zerstören gezielt Gewebe oder verschweißen Gefäße. Sie können nicht beliebig oft angewendet werden und sind hoch spezialisiert. Einer kann also nie gleichzeitig die Wundheilung beschleunigen, Pigmentflecke entfernen, Falten reduzieren und Stress abbauen. Laut Hersteller versorgen die Softlaser die Körperzellen aber auf jeden Fall mit neuer Energie, die die Selbstheilungskräfte des Körpers anregen soll. "Bio-Stimulation" nennen sie dieses kleine Wunder. Dr. Niederdorfer: "Unsinn. Es kommt damit ja noch nicht einmal zu einer durchblutungsfördernden Wärmeentwicklung. Jede Wechseldusche bringt mehr."

Antifalten-Pflaster

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...kommen mit dem Werbeslogan "Kleben Sie sich schön" daher. Die speziell für Stirn, Augenpartie und Oberlippe geformten Pflaster sollen über Nacht oder zwei bis drei Stunden vor dem Ausgehen getragen werden und die Muskulatur ruhig stellen. So sollen Mimikfältchen gemildert werden. "Der Trainingseffekt ist bereits nach einigen Klebetagen, längstens nach 14 Tagen sichtbar", schwärmt der Vertreiber. Das sieht Prof. Martina Kerscher, Dermatologin an der Uni Hamburg, anders: "Es stimmt, dass Mimikfältchen verschwinden, wenn man den darunter liegenden Muskel lähmt. Dazu benutzen Hautärzte das Nervengift Botulinumtoxin (Botox). Mit Pflastern, die nur stundenweise getragen werden, ist das nicht zu schaffen." Außerdem: Pflaster können Allergien auslösen.

Elektrolyse-Epilierer

...sollen lästige Härchen nach vier bis sechs Wochen endgültig entfernen. Über kleine Elektrodenpads wird Strom in die Haarwurzel geleitet. Die Spannung soll die Zellen zerstören, die das Haar mit Nährstoffen versorgen, und die Wurzel absterben lassen. "Das kann im Prinzip funktionieren. Ich sehe aber eine Gefahr, besonders für sensible Haut. Die behandelten Stellen könnten sich entzünden", sagt Prof. Martina Kerscher. Frauen, die Haare im Gesicht loswerden wollen, sollten das daher auf jeden Fall von einem Hautarzt machen lassen.

Anti-Falten-Bügeleisen

Ein Anti-Falten-Bügeleisen soll Gesichter glätten. Es sieht aus wie eine große Computermaus, die - aufgeheizt - über Stirn, Hals und Dekolleté gerollt wird. Zehn bis 15 Minuten massieren, "und Ihre Haut ist wieder strahlend und frisch", heißt es. Dazu gibt es Pflegeprodukte, die "durch das Mini-Bügeleisen in tiefere Hautschichten gebügelt werden". Prof. Martina Kerscher ist anderer Meinung: "Kosmetika kann man mit Wärme zwar besser verteilen, aber nicht tiefer einschleusen." Und was die Massage-Wirkung anbelangt: Eine spezielle Zupfmassage mit den Fingern ist auf jeden Fall effektiver.

Akupunktur-Laser

...sollen (wie die traditionelle Nadel-Akupunktur) Schmerzen lindern. Und sind, laut Hersteller, "ideal bei Kopf-, Zahn-, Rücken- und Gelenkschmerzen". Ein in der Laserspitze integrierter "intelligenter Punktfinder" soll dabei die Widerstände auf der Haut messen und an den so genannten "Hotspots" grünes Licht geben. "Selbst wenn diese Geräte die Akupressur-Punkte tatsächlich finden sollten, endet die Mission an dieser Stelle. Es gibt nämlich keinen Laser, der Schmerzen beseitigen kann", erklärt Dr. Frank-Matthias Schaart, Hautarzt und Laser-Spezialist in Hamburg.

Aufheizbare Gesichtsmasken

...funktionieren wie eine Heizdecke. Das weiße Frotteetuch mit Aussparung für Nase und Mund erwärmt sich auf 40 Grad, wird dann aufs Gesicht gelegt und soll die Wirkstoffe von vorher aufgetragenen Ampullen besser in die Haut schleusen. Allen voran Anti-Age-Stoffe wie Kollagen und Hyaluronsäure, verspricht der Hersteller. "Mit Kollagen klappt das schon mal nicht. Das Molekül ist zu groß und kann nicht von außen in die Haut transportiert werden", sagt Prof. Martina Kerscher. Und mit der Wärme ist das auch so eine Sache. Wer zu erweiterten Äderchen neigt, kann sie mit heißen Masken nur verschlimmern. Alle anderen erzielen mit einer warmen Kompresse oder Dampf den gleichen Effekt - nämlich eine bessere Durchblutung der Haut.

Elektrische Porenreiniger

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...sehen aus wie Rasierer, haben aber statt des Scherkopfs einen Saugnapf. Der soll durch Unterdruck Unreinheiten aus den Poren ziehen. Feuchtwarme Tücher bereiten die Haut auf die Behandlung vor. "Mit so einem Gerät könnte man in der Tat Eiter aus Pusteln holen. Wegen des Entzündungsrisikos und möglicher Narbenbildung würde ich Laien aber nicht empfehlen, damit im Gesicht herumzuexperimentieren", rät Beatrix Isabel Lied. Die medizinische Kosmetikerin aus Hamburg rät statt dessen, sich Pickel und Mitesser von einem Profi entfernen zu lassen.

Trainings-Shorts

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...für Frauen verheißen beinharte Oberschenkel und einen knackigen Po, ohne dass die Trägerin aus der Puste kommt. Die Shorts erinnern an Radlerhosen, sind von innen mit Elektroden bestückt und sollen täglich getragen werden - beim Bügeln, Lesen oder vor dem Fernseher. Die Elektroden geben winzige Stromimpulse an die Muskeln, die sich in schnellem Wechsel anspannen und entspannen und so trainiert werden sollen. "Nach acht Wochen freuen sich neun von zehn Anwenderinnen über festere Oberschenkel", lockt der Prospekt. Dr. Knud Heinert, Orthopäde und Sportmediziner in Hamburg: "Bodybuilding mit Strom ist gefährlicher Quatsch. Die Muskeln werden dabei nur optisch aufgeblasen, aber nicht gekräftigt. Sie brauchen natürliche Bewegungsabläufe, um sich richtig zu entwickeln." Ein weiteres Problem bei den Hosen: Sie sind nicht auf den individuellen Körperbau zugeschnitten. Selbst bei gleicher Kleidergröße sitzen die Elektroden bei jeder Frau anders. "Es kann sich überhaupt nur dann etwas tun, wenn die Strompads an den Endpunkten eines Muskels angesetzt werden. Stimuliert man den Muskel über längere Zeit falsch, kann man ihn sogar zerstören", so Dr. Heinert.

Akupressur-Matten

...bestehen aus rund 1800 spitzen Mini-Kegeln auf einer Fläche von 30 mal 40 Zentimetern. Tägliches Auf-der-Matte-Treten soll über die Fußreflexzonen die Durchblutung fördern und das Immunsystem anregen. Dr. Knud Heinert hält das Fakir-Training für kein Spitzenerlebnis: "Das hat denselben Effekt wie barfuß über einen Kiesweg zu laufen. Es piekst allerdings wie verrückt, trifft die Reflexzonen höchstens zufällig und ist deshalb von geringem therapeutischem Nutzen." Nach der empfohlenen Marschdauer von zehn bis 30 Minuten gibt?s nur noch den einen Gedanken: schön, wenn der Schmerz nachlässt.

Fotos: Alan Ginsburg; Haare und Make-up: Steffen Zoll; Produktion: Bettina Evers; Text: Faust/Lockstein

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