DKMS Life: Schminkseminare für Krebspatientinnen

In den Seminaren der DKMS Life lernen Krebspatientinnen, sich richtig zu schminken. Für die nun erscheinende Anzeigenkampagne der gemeinnützigen Organisation wurde auch die krebskranke Hanna fotografiert. Wir waren beim Fotoshooting dabei.

Hanna wird für die Anzeigenkampagne der "DKMS Life" geschminkt.

Hanna könnte auch ein ganz normales Model sein, das hier für Werbeaufnahmen mit Starfotografin Gabo ins Studio kommt. Sie hat blaue Augen, ein strahlendes Lächeln, eine zierliche Figur, lange blonde Haare. Doch dann nimmt Hanna ihre blonden Haare ab. Und es wird klar: Dies ist kein gewöhnliches Fotoshooting für eine Anzeigenkampagne. Weder für Hanna noch für Fotografin Gabo.

Hanna, 25 Jahre alt, stand kurz vor dem Ende ihrer Ausbildung als Logopädin, als bei ihr am 21. Mai Brustkrebs diagnostiziert wurde. Nie hätte sie damit gerechnet: "Ich war mir sicher, das sei eine Fehldiagnose. Ich dachte, ich bin ja noch jung, keiner in meiner Familie hat jemals Krebs gehabt, das kann gar nicht sein." Dann fiel das Wort Chemotherapie: "Und mein erster Gedanke war: Oh Gott, ich verlier meine Haare." Als Hanna die Haare büschelweise ausfielen, entschloss sie sich bald, sie ganz abzurasieren.

Anzeigenkampagne der DKMS Life

Das Anzeigenmotiv: Hanna mit und ohne Perücke. Sie sagt: "Ich habe Krebs. Aber ich bin immer noch ich."

Im Krankenhaus entdeckte Hanna ein Plakat, das die Schminkseminare für Krebspatientinnen der "DKMS Life" bewarb, eine Schwesterorganisation der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Hanna meldete sich an und wurde während des Seminars angesprochen, ob sie als eine von vier Frauen an einer Anzeigenkampagne teilnehmen möchte, die auf die Ziele der "DKMS Life" aufmerksam macht. Und so steht sie nun hier in einem Studio in Berlin-Kreuzberg, kaum geschminkt und mit Glatze, vor einem Spiegel, und Fotografin Gabo gibt ihr freundlich Anweisungen: "Jetzt den Kopf ein bisschen mehr zu mir drehen!"

Die gemeinnützige Organisation "DKMS Life" bietet seit 15 Jahren kostenlose Schminkseminare für Krebspatientinnen in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen an, mittlerweile finden jährlich über tausend statt. Den Teilnehmerinnen soll geholfen werden, sich trotz der sichtbaren Nebenwirkungen der Therapie schön zu fühlen: "Es sind nicht nur die Haare an sich. Man wird durch die Chemotherapie sehr blass, bekommt Augenränder, und wenn die Haare weg sind, fällt das besonders auf. Ich habe in dem Seminar gelernt, das gut zu kaschieren", sagt Hanna. Unterstützt werden die Seminare von Douglas und mehreren großen Kosmetikfirmen. Das Shooting für die Anzeigenkampagne, die auch in BRIGITTE kostenlos gedruckt wird, wurde beispielsweise vom Henkel-Konzern (u. a. Schwarzkopf ) bezahlt.

Nicht nur für Hanna, auch für Gabo ist der Job heute etwas Besonderes. Die Fotografin, die mit bürgerlichem Namen Gabriele Oestreich-Trivellini heißt, ist vor allem durch ihre Prominentenporträts bekannt geworden: Sie fotografierte Kevin Costner, Joschka Fischer, Eric Clapton, Götz George, Herbert Grönemeyer, vor ihrer Kamera wurde Boris Becker vom Milchbubi zum Mann, Veronica Ferres wirkte geheimnisvoll und sexy. Auch mit Laienmodels hat Gabo durchaus Erfahrung, unter anderem produzierte sie einen Bildband mit erfolgreichen Frauen über 40. Und jeder, der von ihr fotografiert wurde, sah auf den Bildern sensationell gut aus.

Diesmal ist es etwas anders: "Es ist eine Herausforderung, jemanden ohne Haare zu fotografieren. Mit Haaren kann man den Typ sehr verändern: Man kann sie sich verwegen ins Gesicht fallen lassen, man kann sich ein bisschen dahinter verstecken. Hier dagegen kann man nichts verstecken. Die Persönlichkeit ist ganz pur da. Ich merke jetzt, was für eine Eleganz und Anmut das auch hat."

Während der Aufnahmen wird viel gelacht, Hanna posiert vor dem Spiegel ("Ich weiß aber nicht, ob ich mehr als einen Gesichtsausdruck hinkriege"), Gabo sorgt für eine entspannte Atmosphäre ("Aber ich erzähl keine Witze, ich versau immer die Pointen"). Die Idee ist es, Hanna zweimal zu fotografieren, einmal mit Glatze vor dem Spiegel, einmal mit Haaren im Spiegel, die Überschrift dazu lautet: "Ich habe Krebs. Aber ich bin immer noch ich." Nach rund fünf Stunden ist Hanna fertig. Nora, ebenfalls Krebspatientin, ist schon da und wartet darauf, als Nächste fotografiert zu werden. Gabo gibt Hanna noch ein paar Abzüge von den Fotos mit, als erste kleine Erinnerung an den Tag. Es sind die Fotos, auf denen Hanna geschminkt ist, ihre blonde Perücke aufhat und in die Kamera lacht.

Hanna sagt: "Es war mir sehr wichtig, gute Bilder von mir aus dieser Zeit jetzt zu haben, denn die gehört zu meinem Leben. Und später, wenn ich wieder gesund bin, will ich sie angucken und sagen: Ich bin stolz, dass ich trotzdem schön sein kann. Auch mit Glatze." Dann geht sie zu Gabo und bittet sie auch um ein paar Abzüge von den Fotos, auf denen sie keine Perücke trägt.

Die Bilder aller vier Frauen, die Gabo für die DKMS-Life-Kampagne fotografiert hat, sind auch ab dem 30. November eine Woche lang im NRW-Forum Düsseldorf zu sehen.

Max Factor: Partner der DKMS Life

"Germany's Next Topmodel"-Finalistin Anni Wendler (links) und Make-up Artist Stephan Schmied geben jungen Krebspatientinnen Schminktipps.

Neben verschiedenen anderen Unternehmen unterstützt auch Max Factor die Schminkseminare der DKMS Life. Und die Kosmetikfirma hat sich etwas ganz besonderes für die Teilnehmerinnen überlegt: In einem Jugendseminar, das sich speziell an junge Frauen zwischen 15 und 21 Jahren richtet, verriet Make-up Artist Stephan Schmied persönliche Tricks rund ums Make-up und schminkte die jungen Krebspatientinnen. Verstärkung erhielt er dabei von der ehemaligen "Germany's Next Topmodel"-Kandidatin Anni Wendler. Gemeinsam beantworteten sie Fragen, gaben Tipps und standen mit Rat und Tat zur Seite.

Eine Schminkschule für Krebspatientinnen finden Sie unter www.brigitte.de/schminkschule-fuer-patientinnen.

Interview: Vier Fragen an Fotografin Gabo

Fotografin Gabo porträtiert Hanna mit und ohne Perücke.

BRIGITTE: Haben Sie einen Moment gezögert, als die Anfrage kam, ob Sie Fotos von Krebspatientinnen machen wollen?

Gabo: Nein, keine Sekunde. Meine einzige Bedingung war, dass ich den Frauen gerecht werden und ausreichend Zeit wollte, um sie ins rechte Licht zu rücken. Das Thema ist toll und wichtig.

BRIGITTE: Was ist schwieriger: Prominente zu fotografieren oder Laien?

Gabo: Im ersten Moment sind Laien schwieriger, weil sie nicht wissen, wie sie sich vor der Kamera bewegen sollen. Andererseits haben sie dafür auch eine Natürlichkeit, die Prominente gar nicht mehr hinkriegen. Die wissen dann schon: Das hier ist meine bessere Profilhälfte, und ich will nicht, dass das Licht von da kommt . . . viele Sachen lassen Stars oder deren Manager gar nicht mehr zu.

BRIGITTE: Können Sie jemanden fotografieren, den Sie unsympathisch finden?

Gabo: Nein, und ich versuche das auch zu vermeiden, obwohl man es natürlich nicht immer vorher weiß. Es gibt aber zum Beispiel so ein paar Politiker, die ich nie fotografieren würde. Auch Leute, die gebotoxt sind bis zum Geht-nicht-mehr, möchte ich nicht fotografieren. Ich brauche ausdrucksstarke Gesichter, in geliftete bekomme ich keine Persönlichkeit reingezaubert.

BRIGITTE: Gibt es Menschen, die wirklich unfotogen sind?

Gabo: Ja, mein Sohn. Der kommt in den Raum, und alle sagen: Mann, sieht der gut aus. Er hat ein unheimliches Charisma, aber wenn ich ihn fotografiere, ist das irgendwie weg. Er sieht zwar immer noch toll aus, aber nie so toll wie in Wirklichkeit. Ich verstehe das nicht. Vielleicht liegt es daran, dass, wenn man jemanden so doll liebt wie sein Kind, es nie schafft, dass diese ganze Liebe und Aura mit im Bild ist?

Fotos: Dirk Schmidt Text: Sonja Niemann Ein Artikel aus BRIGITTE 20/10
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