DSDS-Stylistin Sina Velke im Porträt

Zum Finale von DSDS plaudert Stylistin Sina Velke aus dem Frisierkästchen. So stylt sie die Models und die Stars.

Gibt es ein Styling-Gen? Im Fall von Sina Velke scheint es so. Wenn die 29-Jährige Haare zwischen die Finger bekommt, kann sie nicht anders als zu kämmen, zu glätten, zu zerstrubbeln, zu schneiden und zu stecken. "Ich saß schon als Kind auf dem Schoß unserer Stammkunden und hab Ponyhaare gekämmt." Ihr Vater, ihr Großvater, ihr Urgroßvater - alle wuschen, schnitten und föhnten sie. Bleibt einem da überhaupt eine freie Berufswahl? Oder verpflichtet die Familienprofession? "Das war schon mein eigener Wunsch. Nach dem Abi dachten zwar alle, dass ich Physik oder Mathe studiere. Aber ich hatte das Bedürfnis, meine Familie zu unterstützen, weil mein Vater schwer verunglückte, als ich 16 war. Er ist seitdem schwer behindert."

Halloween Totenkopf Make up

In Mailand beginnt ihre Bilderbuchkarriere - sie stylt die Models und die Stars

Als Abiturientin war Sina Velke dann die Älteste in ihrer Berufsschulklasse und wollte so schnell wie möglich mehr erreichen. Also legte sie den Turbo ein: Mit 21 hatte Sina Velke Friseurlehre und Intensivseminar beim Haar-Experten Dieter Keller absolviert plus ein halbes Jahr Berufserfahrung im elterlichen Salon gesammelt. "Ich hatte viel kreativen Freiraum und konnte mich ausprobieren."

So weit, so solide. Der Grundstein für Sinas "mehr" war gelegt. Ihre ersten Auslandserfahrungen sammelte sie in der Modestadt Mailand. Sina Velke nahm am Studienprogramm der Sinne (Sicht, Geschmack, Gehör, Geruch, Gefühl) an der Mailänder Universität teil, und bald wurde der renommierte italienische Fotograf Fabrizio Ferri auf das deutsche Talent aufmerksam.

"Das war Wahnsinn. Mit 22 habe ich durch die Zusammenarbeit mit Fabrizio zum Beispiel Isabella Rossellini die Haare machen dürfen. Eine wahnsinnig tolle Frau", schwärmt Sina Velke. Der Startschuss war gefallen: Die Kasselerin stylte Models und Stars für Modenschauen und Zeitschriften-Shootings. Eigentlich der Beginn einer Bilderbuchkarriere. Wenn da nicht ein kleines Problem gewesen wäre: das Alter und Sinas sehr jugendliche Erscheinung. "Am Telefon war der Auftrag professionell abgesprochen. Aber wenn ich ans Set kam, wurden die Leute unsicher, ob denn so ein junger Hüpfer schon Routine haben kann." Erst wenn Sina Velke losstylte, entspannten sich ihre Auftraggeber. "Ich musste mich häufig mehr beweisen als andere aufgrund meines Alters. Aber das schult ungemein, und man gewinnt von Job zu Job an Sicherheit."

Der Erfolg in Italien war zwar groß, brachte der Haare/Make-up-Stylistin aber nicht automatisch die "Big Deals". Außerdem suchte Sina Abenteuer. So wechselte sie erst mal den Kontinent - und wanderte mit ihrem damaligen Freund nach Australien aus. "Da stand ich dann mit meinem Mailand-Buch in Sydney und dachte: 'Leute, hier bin ich.'" Immerhin waren in Sinas Arbeitsbuch Shootings für die italienische "GQ", die "Cosmopolitan", die "Elle".

"Plötzlich war ich die international gebuchte Stylistin"

Nicht zu vergessen Filmdiven wie Monica Bellucci und eben Kollegin Rossellini. Nur: Name- Dropping funktioniert nicht bei den Australiern. Sina musste sich erneut beweisen. Und auch wenn das Netzwerken in Down Under ein wenig länger dauerte als in Europa, so traf Sina Velke schließlich doch die richtigen Leute, die sie mit 26 zum "Senior Stylist für Pure Escape Aveda" machten. "Plötzlich war ich die international gebuchte Stylistin, auf deren deutsche Zuverlässigkeit sich jeder gern verließ." Sina machte sich selbständig, wurde von Chanel und Hugo Boss für die großen Modenschauen gebucht. Und siehe da - jetzt horchten auch deutsche Firmen auf. Gerade entdeckte der Kosmetikkonzern Garnier ihr Talent und engagierte sie exklusiv als Haar-Expertin. Eine ihrer ersten Aufgaben dort: "Head of Hairstyling & Care" für die Kandidaten von Dieter Bohlens Gesangstalent- Show "Deutschland sucht den Superstar". "Eine spannende Aufgabe", findet Sina.

Bei der Arbeit trägt Sina Velke stets einen ihrer stylishen Hüte - ihr Lieblings-Accessoire. Mehr als 500 Modelle besitzt sie mittlerweile. "In Australien habe ich damit angefangen", sagt sie, wegen der hohen UVStrahlung dort. "Sonnencreme reicht bei Shootings, die draußen stattfinden, nicht." Hier, im deutschen Frühling, schützt der graue Sinatra-Hut weniger, als dass er Sinas Alter vergessen macht. Das ist mit 29 zwar nicht mehr "zu jung für den Job", aber eine international erfahrene Stylistin mit Hut beeindruckt offenbar mehr als einfach eine welterfahrene Friseurin aus Kassel. Wenn's hilft!

Text: Stefanie Höfle Foto: Garnier Ein Artikel aus der BRIGITTE 10/09

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