Liv Tyler - die bessere Kosmetikerin?

Sie wird ständig geschminkt, darf aber kaum selbst mal Leute verschönern. Eigentlich Schade, findet Liv Tyler: Sie wäre, meint sie, nämlich auch eine erstklassige Kosmetikerin geworden. Als Promi dagegen sei sie "überhaupt nicht zu gebrauchen".

BRIGITTE: Sie haben mal behauptet, dass es Ihr Traum sei, ein Spa zu eröffnen und dort höchstpersönlich Gesichtsbehandlungen anzubieten. Das war aber nur ein Scherz, oder?

Darum solltet ihr braunen Lippenstift tragen!

Liv Tyler: Keineswegs. Ich werde oft gefragt, was ich noch gern machen würde, abgesehen von Schauspielern und Modeln, und das ist meine Antwort. Nämlich einfach einen Platz zu haben, wo Frauen zusammenkommen können, um ein bisschen Sport zu machen, sich verwöhnen und verschönern zu lassen. Ich war als Mädchen eher burschikos, immer mit aufgeplatzten Knien vom Rumtoben, überhaupt kein "girly-girl". Aber meine Mutter und meine Großmutter waren sehr feminine Frauen. Und ich habe es damals geliebt, sie bei ihrem täglichen Schönheitsritual vor dem Spiegel zu beobachten. Daher hatte ich schon mit zwölf Jahren jede Menge Beauty-Tricks auf Lager, die ich dann meinen Freundinnen gezeigt habe. Und das macht mir auch heute noch Spaß. Wenn meine beste Freundin Victoria zu Besuch ist und klagt: "Oh, meine Haut", setze ich sie ins Badezimmer, mache ihr eine Maske und drücke ihr sogar die Pickel aus . . .

BRIGITTE: Wirklich?

Liv Tyler: . . . und behandle ihr komplettes Gesicht. Und ich weiß nicht, warum, aber meist hilft es sogar.

BRIGITTE: Meist sind allerdings Sie diejenige, deren Gesicht sozusagen behandelt wird, schließlich sind Sie die Werbe-Ikone für Kosmetik und Parfüms von Givenchy. Was für eine Beziehung haben Sie eigentlich zu dem Mann, der Sie immer schminkt? Es ist ja doch ein recht privater Akt, wenn einem jemand immer wieder so nah kommt . . .

Liv Tyler: Ja, das stimmt, es ist recht intim. Ich arbeite nun schon seit sechs Jahren mit Nicolas Degennes zusammen, dem Visagisten von Givenchy. Allerdings sehe ich ihn dann doch nur etwa vier- bis fünfmal im Jahr. Er ist sehr freundlich und hat ein enormes Einfühlungsvermögen in Frauen. Ich finde, das ist eine unglaubliche Qualität an einem Mann. Das ist bei ihm auch kein oberflächliches Beauty-Ding. Man merkt bei ihm, dass er Frauen liebt - und zwar richtige Frauen, nicht nur Models.

BRIGITTE: Es heißt, dass Sie auch gern Beauty-Tipps mit Ihrem Vater austauschen. Was hat denn Aerosmith-Frontmann Steven Tyler so für Tricks auf Lager?

Liv Tyler: Ich habe einmal erzählt, dass mein Vater und ich gemeinsam Gesichtsmasken aufgelegt haben. Seitdem fragen mich die Journalisten immer wieder danach, weil sie eben möchten, dass ich über meinen Vater rede. Aber natürlich habe ich alles über Schönheit von meiner Mutter gelernt. Obwohl mein Vater tatsächlich seine Haut sehr sorgfältig und gut pflegt. Er sieht doch toll aus, finden Sie nicht? Und das, ohne jemals was an sich gemacht haben zu lassen!

BRIGITTE: Nicht nur Ihr Vater ist Rockstar, auch Sie selbst können sehr gut singen. Aber abgesehen von einer kleinen Passage im Film "Jersey Girl" tun Sie es nicht. Sehr viel weniger talentierte Schauspielkolleginnen nehmen ein Album auf, warum nicht Sie?

Liv Tyler: Ich habe gerade ein Duett mit meinem Freund Evan Dando aufgenommen . . .

BRIGITTE: . . . dem Sänger der amerikanischen Indieband The Lemonheads . . .

Liv Tyler: Ja, wir haben mal zusammen in einen Film gespielt, "Heavy"; da war ich 16. Seitdem ist er einer meiner besten Freunde. Er hat jetzt eine Platte mit Coversongs aufgenommen ("Varshons", erschienen im Juni), und er hat Kate Moss und mich gefragt, ob wir nicht mit ihm jeweils ein Duett singen wollen. Daher singe ich nun auf der Platte mit ihm einen Leonard-Cohen-Song. Das hat mir Spaß gemacht. Aber ich weiß nicht, ein ganzes Album? Ich liebe das Schauspielern sehr. Am allerliebsten würde ich mal ein Musical machen, einen Film, in dem ich singen und tanzen kann.

BRIGITTE: Sie haben schon mit 14 zu modeln angefangen, sind dann aber sehr schnell auf die Schauspielerei umgestiegen. Die Filmkritiker waren am Anfang nicht alle nett zu Ihnen. Hatten Sie da manchmal das Gefühl, dass Schönheit auch eine Last sein kann?

Liv Tyler: Ich habe mich ja nie als besonders schön empfunden. Als ich mit dem Beruf anfing, war ich ein Teenager. Wenn ich damals irgendwas gefühlt habe, dann war es Unsicherheit, weil ich so groß war. Ich war mit 11, 12 Jahren ja fast schon so groß wie jetzt (das sind 1,78 Meter). Die Jungs aus meiner Klasse reichten mir maximal bis an die Brust, und ich war überhaupt nicht ihr Schwarm. Ich fühlte mich sehr gehemmt und wollte viel lieber klein sein wie andere Frauen. Als ich älter wurde, habe ich es dann irgendwann akzeptiert und sogar Spaß daran gefunden, Highheels zu tragen. Aber ganz losgeworden bin ich den kleinen Komplex nie. Ich fühle mich immer noch am schönsten, wenn ich in einer Gruppe bin und nicht besonders hervorsteche. Aber Sie hatten mich ja eigentlich nach der Schauspielerei gefragt. Also, niemand sagt zu mir: Du siehst zu gut aus, um diese Rolle zu spielen. Sie sagen vielleicht: Du hast nicht den richtigen Look. Aber das ist keine große Sache, ich würde mich von so etwas nie entmutigen lassen.

BRIGITTE: Sie haben in sehr unterschiedlichen Filmen mitgespielt: Da gab es die Blockbuster "Hulk", "Armageddon" und "Herr der Ringe", aber zwischendurch auch immer wieder kleine Filme mit niedrigem Budget. Wie wählen Sie Ihre Rollen aus? Gibt es da irgendeine Strategie, die Sie verfolgen?

Liv Tyler: Nein, ich habe keinen fixen Plan. Ich weiß, einige Mädchen sind ganz toll darin, immer wieder beispielsweise in romantischen Komödien zu spielen, so dass es ihr Markenzeichen wird. Aber für mich funktioniert das nicht. Ich muss dazu sagen, ich lebe nicht in Kalifornien unter Filmstars, sondern hatte immer nur mit Musikern zu tun. Die nehmen ganz konzentriert eine Platte auf, gehen auf Tournee, und dann kommen sie nach Hause und ziehen sich auch mal für ein, zwei Jahre ganz zurück, das ist normal. Filmschauspieler dagegen müssen immer "da" sein, immer auf dem roten Teppich, immer präsent. Mir liegt das nicht so. Während eines Projektes arbeite ich sehr hart, aber wenn es vorbei ist, nehme ich mir gern eine Auszeit, um ein normales Leben zu führen und einfach nur Mutter zu sein. Ich bin sozusagen eine "crap celebrity" (etwa: ganz miese Berühmtheit), als Promi echt nicht zu gebrauchen.

BRIGITTE: Noch eine Frage zur Schönheit: Sie waren nie dürr, sondern immer ein bisschen kurvig, was wir toll fanden. Es hieß, Sie würden Cheeseburger lieben und sich nicht allzuviel aus Sport machen. Und dann haben Sie doch ein knallhartes Diät- und Sportprogramm mit dem bekannten Personal Trainer David Kirsch durchgezogen . . .

Liv Tyler: Es gab eine Zeit in meinem Leben, da war ich gerade verheiratet, hatte ein Baby, eine Familie gegründet, und ich wollte mich nicht unbedingt auf meinen Körper konzentrieren. Aber jetzt, wo ich ein bisschen älter bin, genieße ich es wieder sehr, trainiert zu sein. Und ich genieße es auch sehr, zu essen - obwohl ich zugeben muss, dass es wirklich nicht sehr oft Cheeseburger sind. Ich laufe gern, schwimme, fahre Rad. Und ich habe einen Sohn! Jeden Morgen, wenn ich in der Küche Frühstück mache, fährt er mit seinem winzigen Fahrrad um mich rum und zwingt mich dazu, auch darauf zu fahren. Haben Sie das schon mal probiert, auf so einem winzigen Ding? Das ist das härteste Training der Welt!

Liv Tyler

Die New Yorkerin Liv Tyler, 32, begann mit 14 ihre Modelkarriere, machte sich dann aber schnell als Schauspielerin einen Namen. Einen ihrer ersten Auftritte hatte sie 1994 in einem Video von Aerosmith, der Band ihres Vaters Steven Tyler. (Dass Tyler ihr Vater ist, erfuhr sie übrigens erst mit neun Jahren, mit 12 nahm sie seinen Nachnamen an.) Nach einigen Rollen in Independent-Filmen gelang ihr 1997 mit "Armageddon" der weltweite Durchbruch. Zuletzt war sie bei uns in "Der unglaubliche Hulk" sowie in dem Horrorfilm "The Strangers" zu sehen. Seit 2003 ist sie das Gesicht der französischen Luxusmarke Givenchy. Liv Tyler lebt in Trennung von dem Rockmusiker Royston Langdon. Ihr gemeinsamer Sohn Milo ist vier Jahre alt.

Interview: Sonja Niemann Ein Artikel aus der BRIGITTE 16/09
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