Make-up-Schule

Models sehen gut aus - nicht zuletzt durch die Kunst der Visagisten. Die schminken aus schmalen Lippen einen Divamund und lassen kleine Augen strahlen. Hier sind sie, die Profi-Tricks gegen die sechs häufigsten Schönheitsfehler.

1. Zu wenig Profil

Rouge wirkt wie ein künstlicher Schatten, es gibt zum Beispiel runden Gesichtern sofort eine Kontur und lässt sie schmaler erscheinen. Ein warmer Braun-Rosé-Ton ist ideal. Diese Farbe passt sich jedem Hautton an, und nebenbei sieht's aus wie leicht gebräunt.

Und so findet man die Ideallinie fürs Rouge: Einen Schmollmund machen, den Rougepinsel am oberen Wangenknochen ansetzen und entlang der Vertiefung pinseln, die durch den Schmollmund entsteht. Danach etwas Rouge in Richtung Schläfen und Augenbrauen verteilen. Noch mal Farbe aufnehmen ist nicht nötig, meist reicht die, die noch im Pinsel ist.

Rougepinsel sind kürzer als Puderpinsel und oft leicht angeschrägt - die hohe Kante zeigt beim Auftragen nach oben, das macht alles supereinfach. Und Echthaar ist am weichsten.

Wer sich vollere Gesichtszüge wünscht und gleichzeitig ein bisschen Frische ins Gesicht bringen möchte, greift zu apricotfarbenem Rouge und dieser Technik: Lächeln und dabei mit dem Rougepinsel direkt auf die Wangenrundung einen Tupfer Farbe setzen. Zu den Seiten hin ausstreichen.

2. Kleine Augen hinter Brillenglas

Korrekturgläser mit Minus-Dioptrien (bei Kurzsichtigkeit) machen kleine Augen. Keine Sorge, mit hellen Farben werden sie optisch geöffnet.

So kommen die Augen ganz groß raus: Für einen Aufhell-Effekt zuerst eine Highlighter-Creme (weißer Cremelidschatten) mit dem Schaumstoff-Applikator auf die Lider und in die inneren Augenwinkel tupfen. Das Unterlid bekommt zusätzlich innen eine Linie mit weißem Kajal. Mit einem vorn abgerundeten Lidschattenpinsel (so genannte Katzenzunge) dann einen hellen Lidschattenton aufs bewegliche Lid auftragen. Die äußeren Augenwinkel oben und unten mit einer dunklen Braun-Nuance weich betonen, also "schattieren". Allerdings nur bis zur Mitte der Lider, ein komplett dunkel gezeichnetes Unterlid verkleinert die Augen. Deshalb gibt's auch oben keine durchgehende schwarze Eyeliner-Linie, sondern nur dunkle Punkte, die zwischen die Wimpern gesetzt werden.

Puderlidschatten in einer Hell-Dunkel-Kombination sind optimal für alle Kurzsichtigen.

Besonders ausdrucksstark wird der Blick, wenn mit einem dunklen Lidschattenton ein Bogen direkt in die Lidfalte gepinselt wird, immer entlang der Augenhöhle. Zum Schluss die Wimpern dick schwarz tuschen - und gleich trennen! Tipp: Beim Optiker gibt es spezielle Schminkbrillen in der passenden Dioptrien-Stärke, deren Gläser beim Schminken jeweils heruntergeklappt werden können (z. B. von Fielmann).

3. Schmale Lippen

Schmale Lippen sind leider vererbt, können aber auch entstehen, wenn die Zähne nach innen stehen oder mit den Jahren das Bindegewebe der Oberlippe schwächer wird. Gut, dass Profis mit Hell-Dunkel-Effekten ausgleichen können: Alles, was optisch hervortreten soll, wird hell geschminkt.

Für volle Lippen mit einem hautfarbenen Stift genau über der kleinen Oberlippen-Kerbe, dem Lippenherz, entlangmalen. Auch in die Mitte des unteren Lippenrandes eine helle Mini-Linie setzen und mit dem Finger leicht verwischen. Dann kommt Farbe ins Spiel: Mit einem Konturenstift in hellem Rosé die Form des Mundes im schönen Bogen nachzeichnen - und zwar immer über (!) der Lippenkontur. Tipp: Mit der Mine vorher auf dem Handrücken hin und her malen. So wird die Farbe warm, der Stift gleitet leichter über die Haut, und die Linie wird nicht zu dünn.

Selbst ein sinnlich roter Kussmund ist bei schmalen Lippen möglich. Auch hier wird über den eigentlichen Lippenrand gemalt. Damit's perfekt aussieht, die Konturen rot vorstricheln und die Linien miteinander verbinden. Die Farbe dann mit dem Lippenpinsel nach innen ausstreichen. Zuletzt alles mit knallrotem Glanzlippenstift auspinseln. Wer möchte, tupft noch etwas Gloss in die Mitte.

Grundausstattung bei schmalen Lippen: Der Lippenpinsel, fest und vorn gerade, zeichnet die Konturen exakt. Ein heller Stift fürs optische Highlight, zwei Konturenstifte (einer im Hautton, der andere exakt in der Nuance des Lippenstiftes). Zum Schluss kommt noch ein bisschen Gloss auf den Mund, fertig.

4. Schlupflider

Von einem Schlupflid spricht man, wenn man das bewegliche Lid kaum oder gar nicht sehen kann - reine Veranlagungssache und auch ein bisschen Schwerkraft. Damit die Augen nicht wie verschluckt wirken, muss das bewegliche Lid hell betont werden.

Der Schaumstoff-Applikator bringt die halbfeste Highlighter-Creme aufs Lid. Gut eintupfen und anschließend mit Transparentpuder oder einem hellen Lidschatten fixieren.

Jetzt wird das Lid mit Farbe geliftet: Geradeaus blicken und mit dem angefeuchteten Lidschattenpinsel dunkelbraunen Lidschatten direkt auf dem Knochen der Augenhöhle entlangzeichnen - von außen nach innen. Profis nennen das eine "Banane" malen. Die Linie anschließend mit dem Pinsel sanft nach oben zu den Brauen hin verwischen. Zum Abschluss die Wimpern pechschwarz tuschen.

Weiße Highlighter-Creme, noch unter dem hellen Lidschatten aufgetragen, lässt die Augen strahlen. Die Puderlidschatten werden am besten mit dem halbrunden "Katzen-Zungen"-Pinsel aufgemalt.

Für Spezialeffekte, oder wenn das Schlupflid besonders ausgeprägt ist und knapp überm Wimpernrand endet, heißt es aufs Ganze gehen: Das gesamte Lid mit Foundation grundieren, etwas Transparentpuder mattiert. Anschließend das komplette bewegliche Lid mit Schwarz oder Dunkelbraun ausfüllen. Man kann dazu Eyeliner benutzen, sparsamer ist allerdings Puderlidschatten, der feucht mit dem Pinsel aufgetragen wird.

5. Dünne Augenbrauen

Brauen professionell stylen und geschickt verdichten, das funktioniert ganz leicht mit mittelbraunem Lidschatten - die Farbe einfach mit einem feinen spitzen Pinsel in Wuchsrichtung zwischen die Härchen stricheln.

Wird der Lidschatten feucht aufgetragen, fällt das Ergebnis dunkler aus. Wer mit einem Augenbrauenstift besser zurechtkommt: Ganz feine Linien stricheln und mit einer Brauenbürste die Farbe verteilen.

Weil schummrige Partybeleuchtung Kontraste schluckt, kann man abends ruhig ein bisschen dicker auftragen. Dafür mit dem Augenbrauenstift eine dünne Konturlinie zeichnen und so die Brauenränder begrenzen. Mit einem Augenbrauen-Pinsel den Rahmen nach innen verwischen.

Lidschatten und Brauenstift in Mittelbraun - diese Farbe steht auch Blonden. Wer Lidschattenpuder für die Brauen nimmt, braucht einen extra feinen Pinsel, günstig sind die 0,5 mm starken Zeichenpinsel aus dem Künstlerbedarf. Anschließend in Form bürsten. Praktisch für unterwegs: Brauen-Sets mit Farbe, Pinsel und Bürstchen (z. B. von Yves Rocher, Lancôme, Christian Dior).

6. Dunkle Augenschatten

Eine Abdeckfarbe, "Concealer" genannt, ist bei Augenschatten die Allround-Lösung. Sie enthält besonders viele gelbe Pigmente, und die neutralisieren Braun. Damit's natürlich wirkt, sollte der Tarnton eine Nuance heller als die Grundierung sein.

Am besten flüssige Farbe am inneren Augenwinkel mit einem flachen Pinsel auftragen. Den Concealer auch zur Nase hin ausstreichen, die Reste mit den Fingerspitzen einklopfen.

Ein transparent schimmernder Teint sieht edel aus und reicht manchen als Make-up. Nur ein bisschen Concealer gegen die Schatten, fertig. Wenn die mal besonders tief sind: Concealer in fester Konsistenz decken stärker als flüssige. Bei sehr dunklen Augenringen kann eine spezielle gelbliche Camouflage-Creme helfen, die vor der Foundation auf die Haut getupft wird.

Fotos: Alan Ginsburg (stills), Caroline Marti Produktion: Birgit Potzkai Haare/Make-up: Steffen Zoll Text: Angela Schöneck
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