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Mikroplastik Wie bekommt man eigentlich Mikroplastik aus Produkten heraus?

Mikroplastik: Kosmetikprodukt mit Plastikteilchen versehen
© zatevakhin / Adobe Stock
Mikroplastik ist in vielen Kosmetikprodukten enthalten, dabei ist es biologisch nicht abbaubar und somit schädlich für Mensch, Umwelt und Tiere. Brigitte.de hat mit Katrin Steinbach von der Kosmetikmarke cosnova gesprochen, wie die Umstellung auf mikroplastikfreie Rezepturen gelingt und welche Mission das Unternehmen in puncto nachhaltige und umweltschonende Kosmetik verfolgt.

Brigitte.de: Wie kommt Mikroplastik überhaupt in Kosmetikprodukte?

Katrin Steinbach: Mikroplastikpartikel sind verschiedene Kunststoffe, die Kosmetikprodukten absichtlich zugegeben werden, um eine bestimmte Wirkung im Produkt zu erzielen. Einige sind wichtig für die Sensorik – sprich, wie weich oder cremig ein Produkt ist –, andere für die Haltbarkeit und bestimmte Effekte, wie Schimmereffekte oder einen Soft Fokus Effekt, um Falten zu kaschieren. Das war der letzte Schrei auf dem Kosmetikmarkt, als man feststellte, wie viele verschiedene Bereiche man mit Mikroplastikpartikeln zu einer ganz tollen Performance bringen konnte. Damals wusste man allerdings noch nichts über die schädlichen Folgen für die Umwelt

Brigitte.de: Warum ist Mikroplastik so schädlich für die Umwelt?

Katrin Steinbach: Mikroplastik gelangt vor allem über das Abwasser in unsere Umwelt und somit in unsere Atmosphäre. Durch das Abschminken von Kosmetikprodukten gelangen kleinste Partikel in den Kreislauf und können durch Kläranlagen kaum vollständig rausgefiltert werden. So besteht die Gefahr, dass Mikroplastik in unser Trinkwasser, in Böden und die Luft gelangt. Das kann letztendlich für Menschen und Tiere gefährlich werden, wenn sie zu viel davon in ihren Körpern aufnehmen.

Brigitte.de: Wie seid ihr darauf gekommen, dass sich Mikroplastik in euren Produkten befinden könnte?

Katrin Steinbach: Ich habe 2017 im Nachhaltigkeitsteam von cosnova gestartet. Durch die intensive Arbeit und das Beschäftigen mit den Inhaltsstoffen unserer Produkte sind die Mikroplastikpartikel ans Licht gekommen. Wir haben dann auch eine Studie durchführen lassen, um herauszufinden, wie unsere Konsumenten die Produkte verwenden. Dabei kam heraus, dass 50 Prozent der Konsumenten ihre Produkte mit Wasser abschminken. Das wiederum bedeutete, dass unsere Produkte im Abwasser landen. Aus diesem Grund haben wir uns mit dem Thema Mikroplastik eingehender beschäftigt und wollten sicherstellen, dass unsere Kosmetik keine Mikroplastikpartikel mehr enthalten.

Brigitte.de: Wie erkenne ich als Konsument:in, ob Mikroplastik in meinem Produkt enthalten ist?

Katrin Steinbach: Also tatsächlich kann man sie nur über die Liste der Inhaltsstoffe erkennen und dazu muss man natürlich wissen, welche der Inhaltsstoffe zu Mikroplastikpartikeln gehören. Das ist mitunter schwer für die Konsumenten. Das wissen wir auch und loben deswegen zur besseren Übersicht unsere plastikfreien Produkte explizit aus.

Brigitte.de: Was tut cosnova konkret, um Mikroplastik aus den Kosmetikprodukten heraus zu bekommen?

Katrin Steinbach: Wir haben ein fünfköpfiges Nachhaltigkeitsteam, in dem ich mich vorrangig mit genau diesem Thema beschäftige. Konkret sieht das so aus, dass ich für die Beschaffung der Rohstoffe zuständig bin und mich auf Messen und Konferenzen nach neuen Inhaltsstoffen umgesehen habe. Allerdings kann man bei Mikroplastikpartikeln nicht einfach einen eins-zu-eins-Austausch vornehmen. Man muss immer mit einer Mischung aus verschiedenen Stoffen arbeiten und dann auch die ganze Textur am Ende anpassen. Und wir haben quasi so gestartet, dass ich mit meinen Ideen an unsere Projektpartner herangegangen bin und wir gemeinsam die ersten Texturen überarbeitet haben.

Brigitte.de: Wird Mikroplastik im Prozess der Produktion im Vorfeld vermieden oder nachträglich herausgezogen?

Katrin Steinbach: Um ein Produkt mikroplastikfrei herstellen zu können, muss man die Rezeptur erneuern. Das geht nicht im Nachhinein, sondern muss direkt im Produktionsprozess stattfinden. Wenn man einfach nur das Mikroplastik herausnehmen würde, würde die Rezeptur gar nicht mehr funktionieren. Also haben wir ein Pilotprojekt gestartet, um zu schauen mit welchen Inhaltsstoffen wir gut in die richtige Richtung kommen. Das sind hauptsächlich natürliche Stoffe wie z.B. Stärke aus Reis, Mais oder Tapioka. Und da muss man wirklich jede einzelne Rezeptur "in die Hand nehmen" und noch mal komplett überarbeiten und richtig neu entwickeln.

Brigitte.de: Bei welchen Produkten ist es leichter, bei welchen schwerer Mikroplastik zu vermeiden?

Katrin Steinbach: Dekorative Kosmetik wie Puder zum Beispiel würde ich als "leichtes" Produkt einsortieren. Wohingegen Emulsionen wie flüssiges Make-up oder wasserfeste Produkte, etwa waterproof Mascaras, immer sehr schwer umzuarbeiten sind. Denn man muss darauf achten, dass die Performance weiterhin stimmt, die verschiedenen Bestandteile am Ende zusammenbleiben und sich keine Pigmente absetzen.

Brigitte.de: Was tut cosnova noch, um nachhaltiger und umweltschonender zu werden?

Katrin Steinbach: cosnova hat ein fünfköpfiges Team, das sich um die Nachhaltigkeit im Unternehmen kümmert. Dieses ist in unterschiedliche Themenbereiche aufgeteilt: Inhaltsstoffe (Thema Harmlessness), Verpackungen, Arbeitsbedingungen bei unseren Geschäftspartner:innen, Klimaschutz und soziale Projekte. Wir kümmern uns zum Beispiel gemeinsam darum, den Verpackungsmüll zu reduzieren oder Verpackungen recyclingfähig zu machen, wir schauen uns die Arbeitsbedingungen unserer Geschäftspartner an, führen Audits in den Produktionsstätten vor Ort durch und unterstützen soziale Projekte an den Standorten entlang unserer Lieferkette und an unserem Standort in der Region Frankfurt. Über all diesen Themen steht dann unser großes Projekt für die Klimastrategie. Das bedeutet, dass alle Veränderungen, die ich gerade angesprochen habe, auch alle auf den Klimaschutz einzahlen. Zum Beispiel die Reduktion von Emissionen durch die Umarbeitung von Verpackungen.

Brigitte.de: Ist geplant, langfristig jegliche Kunststoffe aus Kosmetik herauszuziehen?

Katrin Steinbach: Wir haben eine offizielle Guideline aufgesetzt, die besagt, dass neue Produkte grundsätzlich mikroplastikpartikelfrei sein müssen. So haben wir seit Januar 2020 kein Produkt mit Mikroplastikpartikeln mehr in die Produktentwicklung einfließen lassen. Und gleichzeitig haben wir natürlich auch angefangen, die Bestseller-Produkte aus unserem Sortiment ebenfalls umzustellen. Unser Ziel ist, bis März 2023 die kompletten Produkte mikroplastikpartikelfrei zu machen.

Brigitte.de: Findest du, dass in der Kosmetikindustrie generell ein Wandel stattfindet und mehr Unternehmen ihren Fokus auf eine nachhaltige Produktion und umweltfreundliche Produkte legen?

Mikroplastik: Katrin Steinbach
Katrin Steinbach aus dem Nachhaltigkeitsteam von cosnova.
© cosnova

Katrin Steinbach: Wir würden uns wünschen, dass noch mehr mitmachen würden. Das Thema Mikroplastik hat seine Berechtigung. Deswegen arbeiten wir daran. Es macht einfach keinen Sinn, einen Stoff ins Produkt einzubringen, wenn man genau weiß, die Stoffe sind biologisch nicht abbaubar, und dass man sie austauschen kann. Ich finde schon, dass wir an einem Punkt angekommen sind, wo wir verstehen, dass wir der Umwelt etwas Gutes tun müssen. Und das gilt nicht nur für Verbraucher, sondern vor allem für die großen Konzerne. Da sollten eigentlich alle mitmachen.

Herzlichen Dank für das Gespräch, liebe Katrin!

Brigitte

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