New York Fashion Week: Tagebuch einer Beauty-Redakteurin, Teil 1

BRIGITTE-Redakteurin Stefanie Höfle beobachtet die Trends von der New York Fashion Week aus den ersten Reihen, knipst nebenbei die Hilton-Sisters und lernt beinahe Justin Timberlake kennen.

Ankunft am Bryant Park: Es ist bitterkalt in New York. Während wir in Mäntel und Mützen gehüllt sind, zeigen die New Yorkerinnen, die neben uns die Treppe in das weiße Zeltdorf im Bryant Park hoch trippeln, ihre nackten Beine, die Füße in feinen Riemchensandaletten. Ihr Teint ist beneidenswert perfekt, ihre Lippen wirken irgendwie aufgeplustert. Das müssen sie sein, die Park-Avenue-Prinzessinnen, so genannte Socialites, die hier sind, weil Lifestyle ihr Liebstes ist. Hinter uns schleppen schwarz gekleidete Fotografen ihre Ausrüstung ins Zelt. Sie kommen von überall her, Japaner, Deutsche, Franzosen, Italiener, sind lässig, wollen ihren Job erledigen.

Die Show geht los: Ich gebe gern zu: Carlos Miele sagt mir gar nichts. Dass seine Entwürfe bedeutend sein könnten, er am Ende gar der nächste Marc Jacobs wird, verrät mir die schmale, brünette Frau in der „Frontrow“, zwei Reihen vor uns. Gut, nicht mir persönlich, aber ihre Anwesenheit ist ausschlaggebend: Carine Roitfeld, Chefin der französischen Vogue, interessiert sich für Herrn Miele. Meine Kollegin von der deutschen Vogue neben mir bestätigt meine Vermutung. Nachdem ich meine Brille aus der Tasche gefischt habe, entdecke ich gegenüber auch Fashion-Kritikerin Suzy Menkes – diese beiden entscheiden über Top oder Flop. Die Musik knallt los, die Models stelzen über den Steg in eleganten schwarzweißen Cocktailkleidern und beigen Kostümen mit raffiniert gedrehten Revers. Dazu glänzt ihr Teint – ein bisschen zu sehr, wie ich finde. Das Fashion-Highlight: ein kanariengelbes Seidenkleid, vorgeführt von einer schwarzen Schönheit, vor der sich Naomi Campbell von Stund an in Acht nehmen sollte.

16. Februar, 5 p.m., New York Fashion Week, Show von William Rast (Modelabel von Justin Timberlake)

Vor der Show backstage: OK, nach einem Tag Fashionweek habe ich’s verstanden: Models müssen rauchen und entweder sehr abwesend oder recht böse gucken. Ich vermute, dass sie wegen der Kälte und wegen des steten Hungers so böse schauen. Vor der Justin-Timberlake-Show stehen solche zerbrechlichen, dünnbeinigen Wesen, saugen an ihren Zigaretten, ihre dürren langen Beinchen stecken in schottisch karierten Strumpfhosen, den flachen Po bedeckt ein Jeansmini in Moonwashed-Optik. Sie warten darauf, dass Charlotte Willer, Global-Make-up Artistin bei Maybelline Jade, ihnen das Make-up für den Lauf auf dem Steg verpasst. „Frisch sollen sie aussehen, ganz natürlich wie sunkissed“, sagt Charlotte und tupft Rouge auf die Wangen des Mädchens vor ihr. Die Stylistin selbst trägt knallrote Lippen und nie Mascara. Sehr konsequent, sehr cool. Steven Waldberg, der Global-PR-Manager von Maybelline kommt rein, grinst und raunt uns drei deutschen Journalistinnen ins Ohr: „Nebenan im Raum ist Justin.“ Ja, bitten wir das modische Kerlchen doch einfach rüber, würde ich vorschlagen! Nee, der Herr Timberlake muss noch ein paar Interviews an amerikanische Kollegen geben. Jammerschade. So wird es also nichts mit dem Bild von Justin und Steffi.

Die Show startet Das ist mir jetzt wirklich peinlich..., aber ich finde es absolut aufregend, dass die barbiehaften Hilton-Schwestern in der ersten Reihe hocken, zum Greifen nahe. Ich springe schnell nach vorne und will die Mädels gerade knipsen, doch ihr unfreundlicher Bodyguard schirmt sie ab – Mist. Als Beweis halte ich ihre Hinterköpfe fest – frisch frisiert von der Privatstylistin.

Paris und Nicky tragen beide silbrige Paillettenfummel. Glitzer scheint übrigens mega angesagt – nicht nur bei den Hiltons. Als die Models in ihren Nietenlederjacken mit Schulterpolstern und Stretchminis losmarschieren (so Achtziger!), springt mich von gegenüber aus der ersten Reihe ein unfassbares Dekolletee an – ein krasser Kontrast zu den schmalbrüstigen Mädchen und Jungs auf dem Catwalk, ich muss das fotografieren.

Und sehe erst hinterher, dass Jessica Joffe (berühmte deutsche Socialite in New York) neben dem Busen sitzt. Das Fashion-Highlight: nietenbesetzte Jeansminis, die allerdings definitiv schlanke Beine fordern.

Text: Stefanie Höfle

Wer hier schreibt:

Themen in diesem Artikel
Mode- & Beauty-Newsletter

Beauty-Newsletter

Euer wöchentliches Style-Update mit den wichtigsten Modetrends, neuen Frisuren, spannenden Make-up-Looks und Inspirationen!