New York Fashion Week: Tagebuch einer Beauty-Redakteurin, Teil 2

Stefanie Höfle im Rausch der New York Fashion Week: Nach einer Woche Fashionshows und New-York-Socializing hat die BRIGITTE-Redakteurin herausgefunden, wo R.E.M.-Sänger Michael Stipe sich so rumtreibt und wie man neben Topmodel Julia Stegner besteht.

17. Februar, 5th Avenue, von Tiffany zum Century 21 Heute machen wir eine Fashion-Pause. Und nach dem Frühstück einen Ausflug in die 727 Fifth Avenue. Nicht zum Shoppen, zum Schwärmen. Gerade so wie Audrey Hepburn, die als Holly Golightly voller Sehnsucht Diamanten anschmachtet, weil sie weiß, dass sie sich die Funkelsteine niemals wird leisten können. Wir, das sind meine Kollegin Marion von der Zeitschrift "Joy" und ich, schmachten auch. Aber Klischee hin, Klischee her, Tiffany muss sein, findet Christine Balke, unsere Gastgeberin im Big Apple und PR-Managerin von Maybelline Jade Deutschland. Sie hat kurzerhand eine Führung im bekannten Juwelierhaus auf der 5th organisiert. Und dann, in der klassischen Ringabteilung im zweiten Stock, dort, wo Romantikerinnen liebend gern hin entführt werden wollen, dort infiziert mich gerade dieses Romantikvirus, von dem ich immer dachte, ich sei resistent dagegen. Doch als Allen Nissim, unser Mann bei Tiffany, mir einen Diamantring an den Finger schiebt und flüsternd verkündet "It’s half a Million Dollars", beschleunigt sich mein Puls. Ich will raus aus der Romantikfalle. Bitte Kontrastprogramm!

Heidi Klum und Tom Kaulitz

Century 21, 22 Cortland Street Meine Kolleginnen steuern das "Century 21" an, ein schrabbliges Riesenkaufhaus am Ground Zero. Hier shoppt man das, was man sich auf der Fünften nicht erlauben kann: Schuhe von Chloé, Kleider von Marchesa, Lederhandschuhe von Moschino – alles vom Grabbeltisch, alles mehr als die Hälfte reduziert. Schwere Tüten rechts, schwere Tüten links, stiefeln wir zurück in die Hotellobby. "Da sitzt Heidi", raunt Christine in mein Ohr. Ah, die Model-Mama zeigt ihren Modelmädchen vermutlich das echte Laufstegleben. Sie werden sich warm anziehen müssen gegen den eisigen Wind, der in New York weht. Aber die schöne Frau Klum hat ihnen sicher ein paar Ohrenschützer eingesteckt.

17. Februar, Internationales Presse-Dinner von Maybelline Jade NY im Restaurant Vento, 675 Hudson St at 14th St Beauty-Journalistinnen aus 22 Ländern fachsimpeln über Mode und Make-up. Wir erfahren Spannendes von Schauen, die wir nicht besucht haben. Bei der "Rodarte Show" (Label der Schwestern Laura und Kate Mulleavy, die derzeit als hottest Fashion bei Insidern gehandelt werden) saß die teuflische Anna Wintour in der ersten Reihe und trug einen sensationellen Pelzmantel in Petrol. Als Vogue-Kollegin Regina gerade die ganzbeinigen Stiefel von Rodarte beschreibt, kommt Julia Stegner an unseren Tisch gestöckelt (auf mörderhohen Plateaustiefeletten). Das Topmodel kommt direkt von daheim, sie wohnt hier um die Ecke mit ihrem Freund Steven. Mit Julia kommen auch die Maybelline-Models Erin Wasson und Jessica White zum Shake-Hands mit der Presse vorbei. Ihr Style: Julia trägt einen schwarzen Hosenanzug, die Haare zum Dutt im Nacken zusammengenommen, feuerrote Lippen, die Augen dazu ungetuscht. Erin hat ihr Haar oben rechts auf ihrem Kopf zu einem ungeordnet schrägen Achtziger-Zopf gebunden und präsentiert ihren sehr schlanken, aber zum Glück nicht dürren Körper, in einem schwarzen Minikleid. An Jessica Körper fließt ein schwarzes langes Kleid zum Boden herab.

Alle 22 Journalistinnen wünschen sich ein Foto mit den Catwalk-Beautys - geduldig lächeln die drei Schönen für Spanien, Dubai, Australien und schließlich auch für Deutschland in die Kamera. Um ehrlich zu sein: Neben einem Topmodel fotografiert zu werden, fühlt sich nicht so gut an. Als ich das Bild sehe, muss ich mich dann doch schlapp lachen. Julia ist so groß und super dünn und ich so klein und super normal, dass wir aussehen wie zwei unterschiedliche Wesen aus unterschiedlichen Galaxien. Bitte sehr, das Beweisbild.

18. Februar, Michael Angel Backstage, Twelve 21, 12 West 21st St Wieder schminkt Maybelline-Expertin Charlotte Willer die Models, diesmal färbt sie ihnen knallig pinke Lippen und gesunde Apfelbäckchen für die Show von Michael Angel. Der Designer kommt rein und begrüßt uns, das deutsche Presse-Grüppchen, höchst persönlich. Wir dürfen sogar ein Foto mit ihm machen. Das ist total "Wow" versichert uns PR-Chef Steven.

Die Show Es muss nicht immer Catwalk sein. Michael Angel drapiert seine Mädchen als Standbild, ab und an drehen sie leicht den Kopf Richtung Blitzlicht, verlagern das Federgewicht von einem High Heel auf den anderen im Takt der Loungemusik. Die Mode: Super enge Bleistiftröcke und Kostüme in Grau, Schwarz und Pink, dazu rote Lackpumps und korallrote Fingernägel - "fancy" findet Make-up-Profi Charlotte. Die Besucher: Gaaanz anders als am Bryant Park bei Justin und Co. Lässige Uptown-Frauen, die schwarze Leggings und Stiefel tragen, dazu Puschelpelze und rockige Tücher und Schals – gegen den schneidenden Wind, der durch die Blocks vom Big Apple peitscht. Die Männer tragen Bart, lange Haare und gern Hüte. Als wir rauskommen, regnet’s, kein Yellow Cab zu ergattern. Als uns tropfnass endlich ein Fahrer mitnehmen will, diskutiert er erst die Wegstrecke, bevor wir einsteigen dürfen. Taxifahrer sind in dieser Stadt eine eigenwillige Spezies, in etwa genauso unfreundlich wie in Berlin und sehr ungehalten, wenn man auf dem Kreditkarten-Touchscreen bloß 15 Prozent Tipp antippt, statt der möglichen 30.

18. Februar, 9 p.m. Backstage vor der Show von Topmodel Erin Wasson, Milk Studios Penthouse, 450 West 15th St Wie hippe New Yorkerinnen die Haare tragen? UNDONE heißt das Stichwort. Die Haare müssen lang sein, leicht gewellt und irgendwie einen Hauch ungebürstet wirken, nicht verfilzt, sondern sexy durcheinander. So ist zumindest Topmodel Erin gestylt, so lässt sie ihre Models frisieren. Sie zieht die kleinen, sehr zerbrechlich wirkenden Mädels sogar selbst mit an. Achtet drauf, dass alle ihre Klamotten finden, sie richtig kombinieren. Der Look ihre Modelinie "x RVCA": Abgerissene Jeansshorts zu bauchfreien Tops, Fransenblusen und Fransenröcke, dazu hier und da ein Hut auf dem ungeordneten Haarstyling.

Die Show startet... ... und zwar im Penthouse. Und wieder muss ich was Peinliches zugeben: Was die Abkürzung "PH" im Fahrstuhl heißt, weiß ich erst, seit ich den Film „Sex and the City“ geschaut habe. Und zwar die Szene, in der Big Carrie die frisch gekaufte Wohnung oder besser gesagt das Penthouse zeigt. Als sich der Fahrstuhl zum loftartigen Penthouse öffnet, wummern uns rockige Beats entgegen, sehr laut und mitreißend. Erin, das modemachende Model aus Texas tanzt durch das Loft, immer wieder muss sie in Mikrofone sprechen, für Kameras posieren, ihren Job als coole Designerin machen. Ihre Models stehen derweil auf der Bühne und wippen minimalistisch zum Takt. Es gibt pinke Wodkamixgetränke, der Fahrstuhl spuckt immer mehr Menschen aus. Einige Männer mit sehr langen Locken, die aussehen wie Kopien vom neuen deutschen Super-Künstler Jonathan Meese. Männliches Must-Have: Bart, und zwar sehr viel mehr als bloß drei Tage gezüchtet. Frauen, die wie Erin Wasson sind und ihre Pos mit sehr knappen Minis bedecken, während die Füße in offenen (wir haben immer noch um die null Grad) Pumps oder lässigen Stiefen stecken. "It's a very cool Crowd", urteilt New York-Kenner Steven. Ich glaube er hat recht, gerade kommt Michael Stipe rein, der Sänger von R.E.M.

19. Februar, Backstage auf der Show von Kai Kuhne, Eye Beam Studio 540 West 21st St Franzose und Chef-Schminker Max Delorme kneift die Augen zu, checkt kritisch das Make-up des frisch geschminkten Models. Die Look-Vorlage, so der Make-up Artist von Maybelline Jade, ist Jane Birkin: leicht müde Augen, aber sehr sexy, keine Farbe auf die Lippen, die Haare aller Models verschwinden unter Birkin-artigen Kurzhaarperücken. Es fehlt noch was, findet Max – und sprüht zwei Spritzer Thermalwasser auf das Modelgesicht.

"So sieht es natürlicher aus, nicht wie frisch geschminkt". Kai Kuhne rennt rein, hängt überall neben die Schminktische Bilder von Jane Birkin. "It might help you with the Make-up", kommentiert er. Als der Showstart immer näher rückt, rennt der deutsche Modemacher hin und her, gibt Anweisungen, welches Model wann zum Dressing soll, Schweiß läuft ihm von der Stirn.

Die Show startet: Eine echte Herausforderung ist Kuhnes Catwalk: Die Jane-Birkin-Models müssen in ihren mit schwarzem Samt bezogenen Pumps einmal den Laufsteg hoch auf die Kameras zu laufen, u-förmig von ihnen weg, einmal herumgekreiselt und den ganzen langen Weg wieder zurück. Ich habe Glück, der Besitzer der Frontrow-Platzkarte ist wohl im New Yorker Verkehr stecken geblieben... Als es dunkel wird und die Mädchen zu französische Chansons lostraben, schlüpfe ich in die ERSTE REIHE. Und habe freie Sicht auf die kleinen Schwarzen, die manchmal schwarz sind, manchmal aus silbriger Seide oder weiß mit avantgardistischen Kragenaufnähern. Dann kommen viele klassische Kostüme in Schwarz, Grau oder Anthrazit. Bis auf einige Mäntel in eigenartig formloser XXL-Größe alles sehr sexy und irgendwie klassisch. Mein Resümee nach der für uns letzten Show: Das Kostüm kehrt zurück - und zwar sehr feminin und figurbetont.

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