Parfüm: Ein Hauch von Luxus

"Luxus ist nicht das Gegenteil von Armut, sondern das Gegenteil von Gewöhnlichkeit", meinte einst Coco Chanel. Und sie behielt Recht: Für einen unvergesslichen Auftritt muss man sich nicht von Kopf bis Fuß in teuren Designerklamotten stylen - oft reicht schon ein edler Duft

Interview

Die Parfümerie Meister in Hamburg ist eine der Top-Ten-Parfümerien in Deutschland. Duftflakons von ausgewählten Parfumeuren stehen dicht gedrängt in hohen, dunklen Regalen - eine fast unüberschaubare Auswahl. Doch die Kundinnen werden hier gut beraten: zwei „Maître de Parfumeur“ und weitere Duft-Expertinnen wissen, worauf es bei der Wahl des Parfums ankommt. BYM.de hat mit Duft-Expertin Brigitte Brunner gesprochen.

BYM.de: Parfüms sind Ihre Leidenschaft. Was fasziniert sie an Düften?

Brigitte Brunner : Düfte sind sehr individuell - auf ein und denselben Duft können Leute ganz unterschiedlich reagieren. Beschreibt ein Hersteller einen Duft als frisch, vanillig oder blumig, empfinden das die Kunden möglicherweise ganz anders. Es gibt keine Kausalitäten wie: Diese Frau ist dunkelhaarig, also braucht sie einen schweren Duft. So etwas ist Blödsinn. Es gibt Studien darüber, dass auch blonde Frauen gern zu schwereren Düften greifen. Düfte sind Empfindungssache - diese Individualität macht es spannend, mit ihnen zu arbeiten.

BYM.de: Worin besteht die Macht eines Duftes?

Brigitte Brunner : Nichts bleibt so stark in Erinnerung wie ein Duft. Situationen, die man mit Düften verbindet, Menschen die man an ihrem Duft erkennt. Düfte können auch das Selbstwertgefühl heben, sie können das Gefühl vermitteln, sexy und begehrenswert zu sein. Zudem gibt es Düfte, die bewusst mit Aromatherapie arbeiten. Wenn jemand nervös ist, nimmt man etwa einen Lavendelduft - das wirkt beruhigend. Hat jemand einen Hang zum Depressiven, wirken Düfte wie Citrus oder Bergamotte stimmungshebend. So kann ein Duft auch Teil der Persönlichkeit werden.

Parfüm: Ein Hauch von Luxus

Die Parfumerie Meister am Eppendorfer Baum.

BYM.de: Sie verkaufen Luxusdüfte. Was macht ein Duft zum Luxusduft?

Brigitte Brunner : Zum einen sind es die Essenzen, die einen Duft zu etwas Besonderem machen. Zum anderen sind es die ganz besonderen Kreationen, die auf der Straße oder in der U-Bahn nicht sofort erkannt werden: Trägt man einen Luxusduft, wird gerätselt. Luxusdüfte sind auch nicht überall erhältlich. Somit erwirbt man sich beim Kauf eines solchen Duftes etwas Exklusives, etwas, das nicht jeder hat. Und genau das macht Luxus aus - man hat etwas Besonderes, man hebt sich ab.

BYM.de: Angenommen, für einen Luxusduft reicht das Geld nicht aus. Ist es sinnvoll, ein Duplikat zu kaufen?

Brigitte Brunner : Es gibt ein Gerät, das Düfte nach ihren Inhaltsstoffen aufschlüsselt. Dieses Gerät verrät, welche Zutaten für die Duftkreation verwendet wurden, gibt jedoch keine Auskunft über die Menge dieser Zutaten. Duplikate sind also immer nur ähnliche Produkte. Sind sie frisch aufgesprüht, riechen sie genau wie der Originalduft - doch entweder verfliegen sie schneller oder sie entwickeln sich anders. Vom Kauf solcher Duplikate rate ich ab. Die kosten zwar nur die Hälfte, aber man hat auch nur die Hälfte davon.

BYM.de: Gibt es weitere Parfum-No-Gos?

Brigitte Brunner : Nein, alles ist erlaubt. Es gibt Parfums, die riechen nach Gummi, Autoreifen oder Teer. Auch wenn das wie ein No-Go klingt, gibt es Menschen, die solche Düfte tragen und bei denen das auch wirklich gut riecht. Oder etwa der Duft von Maiglöckchen: Lange galt er als altmodisch, doch im Moment ist er sehr gefragt. Heute gilt es zudem als trendy, Düfte übereinander zu tragen!

BYM.de: Wie muss man sich das vorstellen, sprüht man einfach zwei beliebige Düfte nacheinander auf?

Brigitte Brunner : Düfte von verschiedenen Marken sollte man nicht übereinander tragen, da jeder Duft eine abgerundete Kreation ist. Klar, man kann alles versuchen - doch meistens haut das nicht hin.

BYM.de: Was ist angesagter, einen einzigen, passenden Duft zu tragen oder mit Düften zu spielen?

Brigitte Brunner : Einige lieben es, einen Duft zu haben – es gibt Kundinnen, die kaufen seit 30 Jahren den gleichen Duft. Diese Frauen verkörpern ihren Duft vollends. Es besteht allerdings die Gefahr, dass sie den Duft irgendwann selbst nicht mehr riechen und sie sich dadurch zu stark parfümieren. Dann ist es angebracht, den Duft zu wechseln. Und dann gibt es die, die je nach Gelegenheit wechseln, sie Düfte nach Laune, nach Wetter, nach Gelegenheit tragen - so wie ein Kleid. Es ist beides möglich und nichts ist falsch.

BYM.de: Was raten Sie einer Duftanfängerin?

Brigitte Brunner: Am besten, man wählt zu Beginn einen Duft, der passt, und den man morgens und abends tragen kann. Einen Duft mit dem man sich identifizieren kann. Damit die Leute wissen, wenn ich aus dem Raum gegangen bin, dass ich da war - weil mein Duft noch da ist. Man sollte mit einem Duft anfangen, der zweite Duft kommt dann automatisch.

BYM.de: Verträgt es sich, mehrere Düfte abwechselnd zu benutzen?

Brigitte Brunner: Wenn der Mantel mal nach zwei Düften riecht, ist das nicht schlimm. Die Kleider wechselt man ja sowieso, so dass keine Gefahr besteht, dass sich die Düfte störend überlappen.

BYM.de: Wohin sollte man seinen Duft sprühen?

Brigitte Brunner: Man kann sich einen Duft überall hin sprühen, wenn man nicht an die Sonne geht. Nur nicht aufs Dekolletee - denn hier entsteht Körperwärme und die Düfte steigen in die Nase. Dort setzen sich die Moleküle fest und man riecht nichts mehr. Die klassischen Orte sind Handgelenke und Ohrläppchen - Stellen, an denen der Puls schlägt. Besonders schön ist es, mit einem Zerstäuber einen Duftbogen über den Kopf zu sprühen und sich vom Duft berieseln zu lassen. Ein sehr schöner Duftträger ist auch frisch gewaschenes Haar.

BYM.de: Wieso sollte man mit Parfum nicht in die Sonne gehen?

Brigitte Brunner: Das führt zu Pigmentverfärbungen, die nicht mehr verschwinden. Wenn man in der Sonne unbedingt einen Duft tragen will, sollte man sich das Parfum in die Haare sprühen.

BYM.de: Welche sind im Moment die Stars unter den Düften?

Brigitte Brunner: Im Moment ist Marc Jacobs sehr populär. Außerdem Il Provumo, Bond No. 9, Etro, und Clive Christian - der entwirft die teuersten Parfums der Welt. Er entwickelt Flakons für Elton John oder die Königin.

Interview Cécile Blaser
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