Schönmacher: Hefe für die Haut

Sie geht, wenn man sie lässt und steckt jetzt immer öfter auch in Cremes: Hefe für die Haut.

Hefe ist ein winziger Pilz, kleiner als ein Sandkorn, der sich gern und schnell vermehrt. Das merkt man zum Beispiel beim Brotbacken, wenn der Teig in der Backschüssel überquillt. Für Biologen oder Biochemiker ein Geschenk der Natur, da Hefe sich bestens züchten und - bisher noch wichtiger - auch gleichzeitig mit anderen Wirkstoffen beladen lässt. Die teilen sich zusammen mit den Hefezellen und werden dann einfach abgeerntet, wenn die gewünschte Menge erreicht ist. Kein Wunder, dass Hefekulturen auch in der Kosmetikforschung beliebt sind, um Feuchtigkeitsbinder oder Hautberuhiger im Labor herzustellen. Mittlerweile sind die Chemiker weiter und wissen, dass besonders die so genannte Bier- oder Bäckerhefe nicht nur als Nährlösung ideal, sondern selber ein toller Wirkstoff für die Haut ist.

Sauerstoffschub

Im Laborversuch mit Zellkulturen konnte Hefe die Versorgung der einzelnen Hautzellen mit Sauerstoff steigern. Die lässt nach, wenn man zu wenig schläft. Oder wenn mit den Jahren immer mehr feine Gefäße verkümmern, die frischen Sauerstoff in die Haut bringen sollen. Beides sieht man der Haut an: Sie wirkt grau und fahl. Hefe schafft es nun, müden Hautzellen einen ordentlichen Sauerstoffschub zu verpassen. Gleichzeitig wird die Zellteilung angekurbelt, die ab 40 ebenfalls nur mit gedrosselter Kraft abläuft. Dadurch wachsen in der Oberhaut verstärkt neue Zellen nach, die Haut sieht rosiger und glatter aus.

Radikalfänger

Freie Radikale, aggressive Moleküle, greifen Zellwände und Zellkerne an. Hefe produziert deshalb höchst wirksame Radikalfänger, um sich selbst vor dem Verderben zu schützen. Diese Fänger können aber auch Attacken in der Haut erfolgreich abwehren. Zum Beispiel, wenn langwellige UVA-Strahlen auf die Haut treffen und Radikale sich blitzschnell milliardenfach vermehren. Das passiert ziemlich häufig, denn UVA strahlt immer vom Himmel, egal, ob Sommer oder Winter, im Süden (fast) genauso stark wie im Norden. Ohne Unterstützung würden Hautlipide (Fette) und Bindegewebe zerstört, und die Haut kann schneller altern. Damit das nicht passiert, lösen Kosmetikchemiker die Radikalfänger aus den Kulturen und stecken sie in schützende Cremes.

Besserer Schutz

Impft man den Hefe-Extrakt mit Enzymen, stimuliert er die hauteigene Fettproduktion und stärkt dadurch ihre Schutzschicht (die Barriere). Die wird aus Fett und nachwachsenden Zellen gebildet, um die Haut vor Keimen und Feuchtigkeitsmangel zu bewahren. Gut für angegriffene Haut, die im Winter unter Kälte und Heizungsluft leidet und schnell spröde und rau werden kann.

Glattere Haut

Hefe-Botenstoffe senden auch Signale in tiefere Hautschichten aus: Sie fordern die Bindegewebszellen auf, mehr stützende Fasern (Kollagen) zu bilden, um Fältchen aufzupolstern. Und sie sorgen dafür, dass mehr so genannte Ankermoleküle gebildet werden, die das Bindegewebe wie ein Klettverschluss mit der obersten Hautschicht verbinden. Dadurch klappt der Austausch zwischen den beiden Schichten besser, es kommen oben in der Haut mehr Nährstoffe an. Sie ist besser durchblutet und wirkt praller.

Immunabwehr

Sehr interessiert sind Kosmetikforscher im Moment an den Zellwänden der Hefe: Daraus werden nämlich Zuckerverbindungen (Beta-Glucane) gewonnen, die es in sich haben. Sie aktivieren die Immunzellen in der Haut (die Langerhanszellen), so dass sie Allergieauslöser besser abfangen können. Und die Rohstoff-Firma Dragoco arbeitet bereits an einer Weiterentwicklung. Sie hat herausgefunden, dass im Hafer noch wirksamere Beta-Glucane stecken - die demnächst wohl in vielen Cremes für empfindliche Haut zu finden sind.

Produkte mit Hefe

Biotherm Densité Lift (Anti-Age-Serum und -Creme) Chanel Précision Ultra Correction (Anti-Age-Pflege jeweils für normale oder trockene Haut, Nachtcreme mit Anti-Age-Massageanleitung) Clarins Sérum Tenseur Raffermissant (Anti-Age-Serum) Estée Lauder Light Source Transforming Moisture Creme SPF 15 (Tagespflege wahlweise für normale oder Mischhaut) und Advanced Night Repair (Augenpflege gegen dunkle Schatten) Helena Rubinstein Collagenist (Serum oder Creme) Juvena Moist on! (Feuchtigkeitsmaske) Lancome Réenergie Lift (Anti-Age-Serum und Augenpflege) Marbert Profutura 2000 (Anti-Age-Nachtcreme) Méthode Jeanne Piaubert Hydroscience Masque (Feuchtigkeitsmaske)

Nuxe Phytochoc (Anti-Age-Fluid und Creme für die Haut ab 25) Sothys Lift Defense (Anti-Age-Serum) Versace Repairing Eye Zone Treatment (Anti-Age- Augenpflege) Anti-Age-Pflegeserie von Transvital (mit Beta-Glucanen, nur in der Schweiz)

Text: Christa Möller Foto: Fuse/Thinkstock Produktion: Birgit Potzkai
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