Auf welche Öko-Siegel ist wirklich Verlass?

Viele grüne Produktlinien haben ihre eigenen Gütezeichen. Aber auf welche Öko-Siegel ist wirklich Verlass? Hier sind die wichtigsten Prüfzeichen.

Das Geschäft mit der Naturkosmetik läuft bestens - die Verkaufsorte werden immer weiter ausgebaut: Waren früher Reformhäuser, Bio-Läden und die Kosmetikerin um die Ecke Anlaufstelle Nummer Eins, sind es heute Drogerien, Parfümerien, Apotheken und Day Spas. Sogar Kaufhäuser denken um und richten spezielle Naturkosmetik-Counter ein. Was viele Verbraucher nicht wissen: Der Begriff Naturkosmetik ist nicht geschützt. Grundsätzlich kann jeder Hersteller eigene Richtlinien für Naturkosmetik entwickeln und seine Produkte zertifizieren lassen.

BDIH - Kontrollierte Naturkosmetik

Es ist das bekannteste und weit verbreiteste Öko-Siegel in Deutschland für "Echte Naturkosmetik". Eingeführt wurde es im Jahr 2001, der Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel (BDHI) vergibt das Öko-Siegel. Bei Produkten mit dieser Kennzeichnung können Sie sich sicher sein, dass es sich um reine Naturkosmetik handelt. Die Rohstoffe sind "so weit möglich" aus biologischem Anbau oder kontrollierter Wildsammlung. Verzichtet wird auf synthetische Farb- und Duftstoffe, Silikone, Paraffine und andere Erdölprodukte, sowie auf Tierversuche. Der Einsatz von Rohstoffen toter Wirbeltiere (z. B. Nerzöl, tierische Fette oder Collagen) ist nicht gestattet. Erlaubt sind einige naturidentische Stoffe zur Konservierung.

EcoCert

Dahinter steckt Europas größter Kontroll- und Zertifizierungsverband im Bereich Umwelt, gearbeitet wird weltweit in 80 verschiedenen Ländern. Der Verband vergibt zwei Öko-Siegel, auf die Sie sich verlassen können: "ökologische und biologische Produkte" müssen mindestens 95 Prozent Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs haben, 95 Prozent der Pflanzenstoffe aus dem biologischen Anbau. Für das "ökologische Garantiezeichen" muss das Bio-Produkt 95 Prozent natürliche Inhaltsstoffe enthalten, aber nur 50 Prozent davon aus Bio-Anbau.

NaTrue

Aufklärungsarbeit in Sachen Naturkosmetik streben die führenden deutschen Naturkosmetikunternehmen an (Laverana/Lavera, Logocos/Logona, Primavera, Santaverde, WALA/Dr. Hauschka und Weleda Lavera, Logona, Weleda, Dr. Hauschka, Santaverde und Primavera). Die Interessengemeinschaft NaTrue hat im Mai 2008 einen verbindlichen Anforderungskatalog an Natur- und Biokosmetika veröffentlicht und bietet drei Qualitätsstufen. Für jede Stufe sind die Mindestgehalte an Naturstoffen und die Höchstgehalte an naturnahen Rohstoffen sowie der Bio-Anteil exakt geregelt. NaTrue-Naturkosmetik mit einem Stern erfüllt alle strengen Grundanforderungen an natürliche Inhaltsstoffe. Naturkosmetik mit Bio-Anteil bekommt das NaTrue-Label mit zwei Sternen, wenn Naturstoffe zu 70 Prozent aus kontrolliert biologischer Erzeugung und/oder kontrollierter Wildsammlung enthalten sind. Das NaTrue-Label mit drei Sternen erhält echte Biokosmetik mit mindestens 95 Prozent Rohstoffen aus kontrolliert biologischer Erzeugung. Start der Zertifizierung: September 2008. Als Partner für Deutschland steht der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e. V. (IKW)

NCCO - Certified Natural Cosmetics

Anders als beim BDIH oder NaTrue wird dieses Gütesiegel nur an Hersteller vergeben, deren komplettes Sortiment zu 100 Prozent den NCCO-Richtlinien entspricht. Diese besagen, dass die Produkte aus pflanzlichen Rohstoffen aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA), zertifizierter Wildsammlung oder besser (Bioland, Naturland, Demeter) stammen müssen. Einzig wenn der Pflanzenrohstoff nicht in kbA-Qualität erhältlich ist, sind auch Qualitäten aus anderem Anbau zugelassen. Auch tierische Rohstoffe wie z. B. Milch, Honig und Bienenwachs müssen aus kontrolliert biologischem Anbau stammen. Alle Rohstoffe sind in 6 einsehbare NCCO-Gruppen eingeteilt und in einer eigenen NCCO-Positivliste nach Anwendungsbereichen eingeteilt. So soll für möglichst viel Transparenz gesorgt werden.

USDA Organic

Das Öko-Siegel aus Amerika bietet eines der strengsten Zertifizierungsprogramme für organische Produkte. Über die Qualität wacht ein staatliches Gremium, das bei Kosmetika dieselben Anforderungen stellt wie bei Lebensmitteln. Ein Produkt, das dieses Siegel erhält und als "organic" ausgelobt wird, muss zu mindestens 95 Prozent aus organisch produzierten Inhaltsstoffen (ausgenommen Wasser und Salz) bestehen.

Soil Association

Dieses Öko-Siegel stammt aus Großbritannien und wird von der führenden privaten Zertifizierungsorganisation für organische Produkte vergeben. Es müssen 95 Prozent der aus Landwirtschaft stammenden Inhaltsstoffe als organisch zertifiziert sein (exklusive Wasser). Die internationale Marke Origins z.B. lässt seine Organics-Linie gleich mehrfach zertifizieren, und unterstreicht damit seine besonders hohe Bio-Qualität.

Demeter

Der biologische Anbauverband Demeter wurde 1954 gegründet und entwickelte schon früh eigene, sehr strenge Richtlinien. Die Kennung "Demeter-Kosmetik" wird nur vergeben, wenn ein Produkt die namensgebende Zutat in Demeter-Qualität beinhaltet (z. B. Demeter-Rosenöl), und zudem über 90 Prozent der gesamten Zutaten Demeter-Qualität aufweisen. Die Kosmetikfirma Tautropfen war 1989 der erste Hersteller von Demeter-Köfperpflegemitteln aus 100 Prozent kontrolliert biologisch-dynamischen und biologischem Anbau. Rohstoffe aus Demeter-Anbau stecken auch in der Naturkosmetik von Martina Gebhardt.

Eco Control

Mit diesem unabhängigen Siegel bürgt das Familienunternehmen Annemarie Börlind für seine Naturkosmetik. Die Börlind-Produkte bestehen bis zu 100 Prozent aus Naturstoffen, vorwiegend aus ökologischem Anbau. Mineralöle und synthetische Öle werden prinzipiell nicht verwendet. Seit jeher lehnt Annemarie Börlind die Durchführung von Tierversuchen ab.

frei Bio + Reinheitsgebot

Die Hautpflegeprodukte mit dem frei+ Bio Prüfsiegel enthalten natürliche Rohstoffe wie pflanzliche Öle, Fette und Wachse, Kräuterextrakte und Blütenwässer, oder ätherische Öle und Aromen, soweit möglich aus kontrolliert biologischem Anbau. Außerdem sind die Produkte frei von synthetischen Zusätzen oder chemisch behandelte Inhaltsstoffen und Konservierungsmittel. Es wird auf umwelt- und ressourcenschonende Herstellungsverfahren, die optimale Abbaubarkeit von Rohstoffen sowie den sparsame Einsatz recycelbarer Verpackungsmaterialien geachtet. Bei der Entwicklung und Herstellung wird vollständig auf Tierversuche verzichtet. Das Unternehmen wählt Rohstoffe aus, die schon lange bewährt sind und deshalb nicht im Tierversuch getestet werden müssen.

Vegan Society England

Das Siegel der Vegan Society England, der ältesten und angesehensten veganen Gesellschaft, garantiert, dass der gesamte Produktionsprozess tierversuchsfrei sein muss. Zusätzlich dürfen bei der Herstellung und Entwicklung von gentechnisch veränderten Organismen keine Tiergene oder Derivate tierische Substanzen enthalten sein. Immer mehr Kosmetikmarken wie unter anderem auch CD, Lavera und Alverde haben sich dem Verbund angeschlossenen, arbeiten unter den tierstofffreien Konditionen und haben dementsprechend das Siegel mit der Sonnenblume auf ihrem Produkt abgebildet.

Foto: Petr Vaclavek/Fotolia.com
Themen in diesem Artikel
Mode- & Beauty-Newsletter

Beauty-Newsletter

Euer wöchentliches Style-Update mit den wichtigsten Modetrends, neuen Frisuren, spannenden Make-up-Looks und Inspirationen!