Die besten Kräuter aus dem Klostergarten

Kräuter aus dem Klostergarten werden seit Jahrhunderten von den Nonnen für pflegende Cremes und heilende Tees verwendet. Wir haben uns im Klostergarten umgeschaut und die besten Kräuter für Schönheit und Wohlbefinden zusammengestellt.

Heute kennt fast jeder die indische Heillehre Ayurveda oder hat schon einmal von TCM, der Traditionellen Chinesischen Medizin, gehört. Die europäische Klostermedizin dagegen, die im Mittelalter entstand, ist relativ unbekannt. Eigentlich schade, denn gerade zu jener Zeit wurden viele spannende Entdeckungen gemacht, von denen wir noch immer für unsere Schönheit und unsere Gesundheit profitieren können. Hier kommen die Stars unter den Kräutern aus dem Klostergarten.

Bereits im 6. Jahrhundert legte der Heilige Benedikt in der "Regula Benedicti" fest, dass sich in jedem Kloster eine Person mit Heilkunde beschäftigen musste - zudem sollte es Krankenstation und Arzneigarten geben, nur so war seiner Meinung nach ein unabhängiges Leben möglich. Da Klöster oft auch Zentrum der Wissenschaft waren, wurde ihnen später sogar häufig die Aufgabe übertragen, die Bevölkerung der Umgebung medizinisch zu versorgen.

Viele Nonnen arbeiteten als Ärztinnen und Klosterapothekerinnen - allein in Neapel waren zwischen 1270 und 1410 insgesamt 24 Chirurginnen tätig, die vermutlich aus Ärztefamilien stammten und bereits zu Hause ausgebildet wurden. "Man kann von einem Zeitalter der Frauen sprechen", so Dr. Johannes Gottfried Mayer, Medizinhistoriker der Forschungsgruppe Klostermedizin an der Universität Würzburg. Eine der wenigen Frauen, die man heute noch kennt, ist Hildegard von Bingen: Sie untersuchte die Heilkräfte der Pflanzen und schrieb ihre Erkenntnisse auf. Neben Arzneimitteln findet man in der Klostermedizin aber auch viele Rezepte für die Schönheit: So nahmen die Frauen zum Beispiel Limonensaft für glänzendes Haar oder Kräuter wie Thymian gegen dunkle Pigmentflecke. Hier ein Überblick über die wichtigsten Beautystoffe aus dem Klostergarten.

Kamille - die Schmerzstillerin

Ihr lateinischer Name Chamomilla leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet "Apfel der Erde". Das "Leipziger Kräuterbuch" von 1435 lobt sie als " verfeinernde, fließend machende und schmerzstillende Kraft". Genau wie damals kommen die weißen Blüten heute als beruhigendes Dampfbad bei Hautausschlag oder Erkältungen sowie als reizmildernder Tee bei Magenproblemen zum Einsatz. Zudem fand man heraus, dass das ätherische Öl verkrampfte Muskeln lockert - vermutlich, weil es die Kalziumzufuhr in die Muskelzellen hemmt.

Produkte mit Kamille: "Kamillenblütenwasser" von Sanoflore, "Culture Bio Belebende Augenpflege" von Yves Rocher, "Baby Balsam" von Tautropfen

Rezept zum Selbermachen: Gesichtsmaske für schuppige Haut 10 g getrocknete Kamillenblüten (z. B. aus der Apotheke) in einem Mörser zermahlen, die Stiele entfernen und mit ca. 6 EL Honig zu einer streichfähigen Paste verrühren. Mit einem Löffel auf dem Gesicht verteilen, nach ca. 15 Minuten abnehmen, die Reste mit lauwarmem Wasser abspülen.

Hopfen - Hüterin des Schlafs

Der Regensburger Bischof Albertus Magnus schreibt in einem Aufsatz, dass die zapfenförmigen Früchte "einen schweren Kopf machen", und lobt gleichzeitig ihre beruhigende Wirkung: Nachdem die Dolden zu Beginn des Mittelalters zunächst nur zum Konservieren von Getränken genutzt wurden, stellte man nun auch Hopfenkissen gegen Schlafstörungen her. Heute kann man die entspannende Wirkung in Schlafkammertests wissenschaftlich nachweisen. Darüber hinaus hat sich der Pflanzenextrakt als echtes Beauty-Talent entpuppt: Seine Gerbstoffe und Vitamine kräftigen das Haar und pflegen die Haut - einige Wellnesshotels bieten sogar Bierbäder oder Körperpackungen an. Zudem fand man heraus, dass neben dem Effekt für die Schönheit, der Hopfen östrogenähnliche Phytohormone enthält: Während sie die Haut vor frühen Fältchen bewahren, senkt eine zu hohe Dosis gleichzeitig die Lust am Sex. Ein Nebeneffekt, den die Mönche damals als wohltuend empfunden haben sollen.

Produkte mit Hopfen: "Basis Kräftigung Bier Shampoo" von Guhl, "Badekristalle Träumschön" (mit Baldrianöl und Hopfenextrakt) von Kneipp, "Lift Anti- Rides Jour" von Clarins

Zum Selbermachen: Tinktur gegen unreine Haut 2 EL Hopfenzapfen in ein Teesieb geben, mit zwei Tassen kochendem Wasser übergießen, zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen. Den noch warmen Aufguss auf die betroffenen Partien tupfen.

Kastanie - der Glücksbringer

Wer drei Kastanien in der Hosentasche trägt, ist vor Krankheiten geschützt: Das glaubte man im frühen Mittelalter. Buchbinder stellten lange Zeit aus dem bitter schmeckenden Samen einen Klebstoff her, der das Papier vor Insekten schützen sollte. Dass Kastanien-Extrakte die Venen kräftigen, die Durchblutung fördern und Juckreiz lindern, wurde dagegen erst viel später entdeckt. Heute werden die Wirkstoffe aus Blättern, Schale und Samen in Kosmetikprodukten für die Schönheit eingesetzt, die das Gewebe festigen und schweren Beinen vorbeugen. Da die Extrakte UV-Strahlen abwehren können, sind sie außerdem in einigen Sonnenschutzprodukten zu finden.

Produkte mit Kastanie: "Sonnencreme Gesicht LSF 8" von Dr. Hauschka, "Kastanien Entlastungsbad" von Weleda Zum Selbermachen: Maske für schwere Beine 4 EL geschälte Rosskastanien mit 100 ml Wasser etwa 30 Minuten lang kochen lassen, bis sie so weich sind, dass sie zu einem Brei verarbeitet werden können. Diesen dünn auf den Unterschenkeln verteilen, mit einem alten Küchenhandtuch umwickeln, Beine hochlegen und etwa 20 Minuten lang einwirken lassen. Danach mit kaltem Wasser abspülen.

Melisse - das berühmte Heilelixier

Im Mittelalter galt sie als "Elixier ewiger Jugend": Mit dem Tee wuschen die Frauen ihre Gesichter, um Unreinheiten schneller abklingen zu lassen. Aber auch bei Kopfhautproblemen, Schlafstörungen, Herz- Kreislauf-Beschwerden und Depressionen wurden die nach Zitrone duftenden Blätter bereits eingesetzt. Den berühmtesten Heiltrank fertigte die 1805 in Brüssel geborene Nonne Maria Clementine Martin an: Für ihre Arbeit als Pflegerin bei der Schlacht von Waterloo erhielt sie eine jährliche Rente von 160 Goldtalern - mit diesem Geld gründete sie 1826 in Köln ein Unternehmen, welches noch heute den "Klosterfrau Melissengeist" herstellt. Er besteht aus Alkohol, Melisse, Enzian, Ingwer, Zimt und hilft unter anderem bei Erkältungen, Wetterfühligkeit sowie innerer Unruhe.

Produkte mit Melisse: "Melissengeist" von Klosterfrau, "Acqua di Melissa"- Gesichtswasser von Santa Maria Novella, "Sensitiv Waschgel" von Lavera

Zum Selbermachen: Wickel gegen unreine Haut Bringen Sie 6 TL getrocknete Melissenblätter mit 2 EL Olivenöl und einem 1/4 Liter Weißwein zum Kochen, anschließend 10 Minuten lang auf kleiner Flamme köcheln lassen. Die Melissenblätter mit einem Sieb entfernen, ein Leinentuch mit der warmen (nicht mehr heißen) Flüssigkeit tränken und etwa 10 Minuten aufs Gesicht legen.

Ringelblume - der Liebeszauber

Die orangefarbenen Blüten waren im Mittelalter nicht nur ein beliebter Haarschmuck - junge Frauen mischten die getrockneten Blätter auch mit Honig und Essig zu einer Salbe, die sie vorm Zubettgehen auftrugen, um von ihrem Liebsten zu träumen. Hildegard von Bingen sprach von der "Ringele", die sie zusammen mit Ingwer gegen Magenschmerzen oder Milzprobleme einsetzte; zudem sollte allein der Anblick der leuchtenden Farbe das Augenlicht verbessern. Heute setzen Kosmetikhersteller die Extrakte in pflegenden Gesichts- oder Körpercremes und sogar in Wund- und Heilsalben ein, weil sie in der Haut Feuchtigkeit binden und sie beruhigen.

Produkte mit Ringelblume: "Calendula Gesichts-Complex Vitalcreme" von Dr. Theiss, "Ringelblumen-Creme" von der Erzabtei St. Martin zu Beuron (zu bestellen unter www.erzabtei-beuron.de), "Baby Wind & Wetter Creme" von Penaten Zum Selbermachen: Creme für trockene Haut 100 g Vaseline im Topf schmelzen, etwa zwei Handvoll frischer oder getrockneter Ringelblumen dazugeben und beides kochen lassen, bis die Creme eine orange Farbe angenommen hat. Die Blüten herausfiltern, die Creme abkühlen lassen und im Kühlschrank aufbewahren.

Arnika - Goethes Wundermedizin

Mit Hilfe ihrer abschwellenden Wirkung behandelten Klosterfrauen bereits vor mehreren Jahrhunderten blaue Flecke und Prellungen, gleichzeitig wurde ihre durchblutungsfördernde Eigenschaft unter anderem für Haarwasser genutzt. Darüber hinaus steckten die Extrakte in Medikamenten für Herz und Kreislauf - Johann Wolfgang von Goethe etwa beruhigte damit sein "flatterndes Herz". Mittlerweile konnte nachgewiesen werden, dass die Flavonoide der Bergpflanze tatsächlich die Durchblutung verbessern und das Herz stärken. Da eine zu hohe Menge Nebenwirkungen haben kann, sollte man allerdings nur fertige Produkte kaufen und sich unbedingt immer an die vorgeschriebene Dosis halten.

Produkte mit Arnika: "Pure Altitude Crème Mains Réparatrice" von Fermes de Marie, "Basis Sensitiv Shampoo Mild" von Lavera, "Venen Aktiv Balsam" von Abtei

Salbei - geheimnisvoller Schutz

Während der großen Pest-Epidemie im Jahr 1630 gab es Diebe, die Leichen ausraubten, ohne sich bei ihnen anzustecken. Nachdem sie gefasst wurden, schenkten die Ratsherren ihnen das Leben - im Austausch mussten sie ihr Geheimnis preisgeben: Der Legende nach rieben sie sich mit in Essig eingelegtem Salbei ein, dazu kamen Thymian, Lavendel und Rosmarin. Bereits im Mittelalter verbrannte man Salbeiblätter, um das Zimmer eines Schwerkranken zu reinigen. Zudem wurden sie gegen Fieber, Erkältungen und Zahnschmerzen eingesetzt. Auch heute noch stecken die antibakteriellen Extrakte in Cremes für unreine Haut. Darüber hinaus kommen sie in Deos und Pflegeprodukten für fettiges Haar zum Einsatz, da sie die Schweißproduktion hemmen.

Produkte mit Salbei: "Heilerde-Kopfhaut- Packung" von Rausch, "Frater Gebhard's Mundwasser" von der Kloster- Apotheke der Barmherzigen Brüder (über den "Brüder"-Shop unter www.brueder-von-maria-hilf.de), "Salbei Hautcreme" für unreine Haut von Martina Gebhardt, "Salbei Deomilch" von Dr. Hauschka

Zum Selbermachen: Spülung für fettiges Haar 4 EL Salbeiblätter mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen und die Blätter mit einem Sieb entfernen. Die Flüssigkeit nach dem Waschen auf die Kopfhaut geben, nach etwa 5 Minuten ausspülen.

Zum Weiterlesen Hildegard von Bingen: "Heilkraft der Natur. Physica" (übersetzt von Marie-Louise Portmann), 538 Seiten, 22,40 Euro, Christiana-Verlag

Fachliche Beratung: Dr. Johannes G. Mayer, Medizinhistoriker der Forschungsgruppe Klostermedizin/Universität Würzburg.

Fotos: Timothy Barnes Produktion: Birgit Potzkai Text: Melanie Grimsehl

Wer hier schreibt:

Melanie Grimsehl
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Mode- & Beauty-Newsletter

Beauty-Newsletter

Euer wöchentliches Style-Update mit den wichtigsten Modetrends, neuen Frisuren, spannenden Make-up-Looks und Inspirationen!

Neuer Inhalt

Diesen Inhalt per E-Mail versenden

Kosmetik mit Kräutern
Die besten Kräuter aus dem Klostergarten

Kräuter aus dem Klostergarten werden seit Jahrhunderten von den Nonnen für pflegende Cremes und heilende Tees verwendet. Wir haben uns im Klostergarten umgeschaut und die besten Kräuter für Schönheit und Wohlbefinden zusammengestellt.

Du kannst mehrere E-Mail-Adressen mit Komma getrennt eingeben

Deine Mail wurde versendet
Deine Mail konnte leider nicht versendet werden