Endlich! Der erste farbige Bio-Nagellack ist da

Nagellack in Bio-Qualität gab es bislang nur als Klarlack. Jetzt kommt endlich Farbe ins Spiel.

Grüne Kosmetik boomt. Ob Shampoo, Creme oder Make-up - mittlerweile sind fast alle Produkte als Naturkosmetik erhältlich. Nur eine Gruppe hat sich sich mit dem Grünsein bislang recht schwer getan: Nagellack. Bislang gab es genau einen mit dem Bio-Siegel NCCO zertifizierten Klarlack von Provida. Er besteht aus Bioalkohol, Shellack (eine harzige Substanz, die aus den Ausscheidungen der Lackschildlaus hergestellt wird), Benzoeharz, verschiedenen Ölen, Japankampfer, Carnaubawachs und Aromen. Logona ist es nun gelungen, endlich auch Farbe ins Spiel bzw. den Lack zu bringen: Im weltweit ersten zertifizierten (BDHI und NATRUE) Farblack wird wie beim Klarlack von Provida Schellack als Basis eingesetzt. Erhältlich ist er in fünf matten Farben.

Warum ist es so kompliziert, Bio-Nagellack herzustellen?

Die Anforderungen, die an Nagellacke - egal, ob farbig oder klar - gestellt werden, sind hoch: In der Flasche müssen sie flüssig sein, auf dem Nagel hart. Sie sollen schnell trocknen, glänzend oder matt sein, sich dem Nagel flexibel anpassen und nicht splittern. All diese Eigenschaften mit nicht-chemischen Inhaltsstoffen sicherzustellen, ist ein schwieriges Unterfangen. Zumal die Kundinnen beim Kauf eines Produkts natürlich höchste Qualität erwarten. Erfüllt der Lack nicht die gewünschten Bedingungen wird schnell eine andere Marke ausprobiert. Auch das ist ein Grund, warum viele Unternehmen für ihre Lacke immer noch auf Chemie zurückgreifen - hinter verschlossenen Türen aber vermutlich bereits auf Hochtouren an Bio-Formeln tüfteln.

Was sind Free-Lacke?

Dass der Wunsch nach natürlichen Nagellacken wächst, merkt man daran, dass immer mehr sogenannte Free-Lacke auf den Markt kommen. Die Free-Formel besagt, dass auf bestimmte Inhaltsstoffe verzichtet wird und der Lack weniger schädlich sein soll. "3Free-Lacke" kommen für gewöhnlich ohne Phthalate, Toluol und Formaldehyd aus. Bei "4Free" und "5Free" wird zudem auf Campher und/oder Kolophonium verzichtet.

Was ist an manchen Inhaltsstoffen bedenklich?

Nagellacke, die bei uns im Laden erhältlich sind, enthalten Inhaltsstoffe, die von der Kosmetikverordnung zugelassen sind. Bedenkliche Stoffe sind teilweise nur in sehr geringen Dosen erlaubt. Dennoch verdeutlicht ein Blick auf die Inhaltsstoffe und deren mögliche Wirkungen, warum Free-Lacke immer beliebter werden.

  • Phthalate sind Weichmacher, die den Lack elastisch machen und das Absplittern verhindern sollen. Bestimmte Verbindungen wie z.B. Dibutyl Phthalate (DBP) und Diethylhexylphthalate (DEHP) sind laut europäischer Kosmetikverordnung als Inhaltsstoffe für Kosmetik verboten, weil sie fortpflanzungs- und erbgutschädigend sein können. Als Hilfsstoffe sind sie jedoch zulässig, "sofern sie aus dem kosmetischen Mittel vollständig oder soweit entfernt werden, dass sie darin nur als technisch unvermeidbare und technologisch unwirksame Reste in gesundheitlich unbedenklichen Anteilen enthalten sind." Besonders brisant: Da sie nicht als Inhaltsstoffe verwendet werden, müssen sie als solche auch nicht auf der Verpackung deklariert werden.
  • Toluol ist ein Lösungsmittel, das nicht in der Kosmetik verwendet werden darf. Doch für Nagellacke gibt es eine Ausnahme: Im Fertigerzeugnis darf die zulässige Höchstkonzentration 25 Prozent betragen. Toluol wird als fortpflanzungsgefährdend und fruchtschädigend eingestuft. Zudem kann es Allergien auslösen sowie Nerven-, Nieren- und Leberschäden verursachen.
  • Formaldehyd ist eine Verbindung, die im Lack als Nagelhärter eingesetzt wird. Es gilt als allergieauslösend und kann zu Haut-, Atemwegs- und Augenreizungen führen. Außerdem steht es im Verdacht, krebserregend zu sein.
  • Campher ist ein Weichmacher, der den Lack formbar macht. In großen Dosen kann es zu Übelkeit, Verwirrtheit und Rauschzuständen führen. Allerdings sind die Mengen im Nagellack sehr gering.
  • Kolophonium ist ein aus Nadelhölzern gewonnenes Harz, das in vielen Kosmetika wie z. B. Mascara, Shampoo, Enthaarungsmitteln und eben auch in Nagellack verwendet wird. Und obwohl es natürlichen Ursprungs ist, kann es Allergien und asthmatische Symptome auslösen.

Gesünder lackieren - geht das?

Es gibt keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass Nagellack dem Körper schadet. Dennoch sollte man die Dämpfe möglichst nicht einatmen. Für Viellackiererinnen können Bio-oder Free-Lacke eine gute Alternative sein. Allerdings muss man bei diesen Lacken manchmal längere Trocknungszeiten, kürzere Haltbarkeiten und weniger Glanz hinnehmen.

Welche Inhaltsstoffe stecken in Nagellack?

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