Kosmetik aus Blüten - Danke für die Blumen

Ob filigran oder üppig, betörend duftend oder sonnig leuchtend: Viele Blüten sind wahre Wirkstoffwunder - und so hat die Natur für jedes Hautproblem eine Lösung.

Pflücken, Forschen, Heilen

Wenn Annette Greco über Pflanzen spricht, klingt sie liebevoll. Als würde sie komplexe Persönlichkeiten beschreiben. Der weiß-violette Augentrost etwa, auch Euphrasia genannt, der sei ein beachtliches Gewächs. "Euphrasia dockt an andere Pflanzen an und holt sich von ihnen Nährstoffe und Wasser. Aber sie konsumiert nicht einfach, sondern veredelt diese Nährstoffe noch", erklärt die Produktentwicklerin von Dr. Hauschka. "Und Rosen!", schwärmt sie weiter, "die strotzen vor Vitalität, das zeigt schon ihre üppige Blüte." Empfindliche Pracht, aber robuste Dornen, der Prozess des Absterbens, der schon mit der Blütezeit beginne: "Aus diesen Gegensätzen macht die Rose ihre Schönheit." So geht Annette Greco an die Pflanzenkunde heran. Sie schaut erst auf den Charakter, achtet dabei auf die gewissen Eigenheiten und erforscht erst danach die biologischen Zusammenhänge. "Jedes besondere Merkmal hat feinstoffliche Ursachen, die es sich zu ergründen lohnt, weil sie auch für die Hautpflege von Vorteil sein können", erklärt die Pharmazeutin und Heilpraktikerin. Was Blüten so wertvoll für Gesundheit und Schönheit macht? "Ihre Stoffwechselvorgänge sind sehr dynamisch, deshalb können ihre Essenzen auch den Stoffwechsel der Haut anregen." Eine wichtige Voraussetzung für ihre Vitalität, Frische und Widerstandskraft.

Von der Volksheilkunde zur Wissenschaft

"Das Tolle an Blüten ist: In ihnen steckt gleich ein ganzes Bündel an verschiedenen Wirkstoffen", sagt Dr. Bruno Frank, Pharmazeut und Mitglied im Vorstand der Gesellschaft für Phytotherapie. "Sie sind also wie ein Breitbandmittel, das der Haut auf mehreren Wegen helfen kann. Hinzu kommt, dass die Extrakte verschiedener Pflanzen synergetisch wirken – sie ergänzen und unterstützen sich gegenseitig", so Dr. Frank. Durch wissenschaftliche Studien belegt sind die heilsamen Eigenschaften von Blüten wie Calendula, Arnika, Kamille, Lavendel. Bei anderen stützt man sich auf jahrhundertlange Erfahrungen in der Volksheilkunde. Manche Überlieferung hat ihren Ursprung in mittelalterlichen Klöstern, wo Nonnen und Mönche Gärten pflegten und sich intensiv mit Botanik beschäftigten, Erkenntnisse und Rezepturen aufschrieben, wie es etwa die Benediktinerin Hildegard von Bingen im 12. Jahrhundert tat. Wer sich einmal anschauen möchten, wie Heilpflanzen angebaut werden: Dr. Hauschka bietet im Sommer und Herbst Führungen durch seinen Garten, und auch bei Weleda steht der Heilpflanzengarten Gästen regelmäßig offen.

Wie kommt die Blüte in die Creme?

Für Pflegeprodukte werden Blüten unterschiedlich verarbeitet. So lagert man sie etwa in Öl, bis sich ihre Wirkstoffe darin gelöst haben. "Frisch gepflückte Blüten können zudem auch in Quellwasser gelegt werden und dort mehrere Tage oder Stunden ruhen. Das Wasser mit ihren Auszügen wird abgepresst und danach verwendet", erklärt Dr.-Hauschka- Expertin Annette Greco. "Und um ätherische Öle zu gewinnen, lässt man Wasserdampf durch die Blütenblätter strömen, der die Öle mit sich zieht. Diese Öle lassen sich schließlich vom abgekühlten Wasser abschöpfen." Werden Blüten in Alkohol gelegt, entstehen daraus so genannte Ur-Tinkturen. Im wahrsten Sinne des Wortes ist die Pflanzenkunde für die Kosmetikhersteller ein weites Feld, auf dem sich noch viel erforschen lässt. Pharmazeut Dr. Frank schwärmt neuerdings von der krautigen Pflanze Wau, auch Reseda genannt, deren Blüten und Blätter reich an Flavonoiden sind. "In ihnen steckt besonders viel Luteolin, ein Wirkstoff, der einiges kann: Er wirkt entzündungshemmend,antibakteriell, antioxidativ und beugt Allergien vor. Außerdem lindert er Sonnenschäden, die die Hautalterung beschleunigen. Studien der Universität Freiburg haben die Wirksamkeit des gelben Krauts belegt." Bislang haben die Kosmetikhersteller noch kein Produkt mit der Blüte auf den Markt gebracht – aber wer weiß, vielleicht tüfteln sie in ihren Labors gerade schon daran...

Die Kraft der Blüten: Wer was kann

Produktion: Birgit Potzkai Fotos: Keith Schofield
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