Pflanzenwirkstoffe: Gutes für Haut und Haare

Pflegende Pflanzenwirkstoffe findet man nicht nur in entlegenen tropischen Wäldern. Auch im Getreide steckt ganz viel Gutes für Haut und Haare.

Der griechischen Mythologie nach ist das Getreide ein Geschenk der Göttin Demeter an die Menschen. Ob sie wohl damals schon ahnte, dass Weizen, Hafer und Co nicht nur als Nahrungsmittel von großem Nutzen sind, sondern auch wertvolle Pflanzenwirkstoffe enthalten? Kosmetikforscher wissen zumindest schon länger, dass in den Pflanzen auch wertvolle Pflanzenwirkstoffe und Pflegestoffe für Haut und Haare stecken. Gerade in letzter Zeit haben sie sich wieder intensiv mit Extrakten aus unterschiedlichen Ähren beschäftigt und eine ganze Reihe neue Erkenntnisse über deren pflegende Eigenschaften und Pflanzenwirkstoffe gewonnen.

Hautglätter Weizen

So etwa in den Labors der französischen Firma Yves Rocher. Hier experimentierte man auf der Suche nach kosmetisch verwertbaren Pflanzen mit Erbsen, Reis und Weizen. Schnell stellte sich heraus, dass das größte Potenzial im Keim des Weizens steckt. Die Forscher fanden jede Menge Pflanzenhormone, Pflanzenwirkstoffe, Enzyme, Vitamine und alle erforderlichen Erbinformationen für Wachstum und Aufbau der Pflanze. Und genau diese pflanzliche DNS (Desoxyribonukleinsäure) ist äußerst interessant. In den winzigen Molekülen steckt eine enorme Kraft, sie können die Bildung neuer Zellen anregen und Reparaturmechanismen in Gang setzen. Beste Voraussetzungen also für einen hoch konzentrierten Anti-Aging-Wirkstoff. Um ihn möglichst schonend und ohne Verlust seiner Leistungsfähigkeit aus den festen Keimen zu isolieren, entwickelte man ein kompliziertes Verfahren: Aufweichen der Zellwände, Auflösen der eiweißhaltigen Schutzhülle, Herausfiltern des Extraktes, der anschließend gefriergetrocknet wird und nun in einer zellerneuernden Kurpflege fürs Gesicht steckt. Der Auszug aus Weizenkeimen hat jedoch noch mehr Vorzüge. Ein japanisches Forscherteam testete seine Wirkung auf Pigmentflecke.

Knapp drei Monate dauerte der Laborversuch. Dann kam heraus: Das Konzentrat ist in der Lage, Melanin, den dunklen Farbstoff, der von der Haut gebildet wird, um 30 Prozent aufzuhellen. Zusammen mit Aprikosenfruchtfleisch, das sanft die oberen Hornschüppchen ablöst, soll der Weizenkeimextrakt nun in einem Serum dunkle Flecke weniger sichtbar machen. Auch unter Druck zeigen die Keime, was in ihnen steckt. Nämlich rund 10 Prozent Rohfett. Daraus entsteht Weizenkeimöl. Kaltgepresst enthält es viele Vitamine, essenzielle Fett- und Aminosäuren sowie eine Reihe andere hautpflegende Substanzen. Von allen Getreideölen weist Weizenkeimöl den höchsten Gehalt an Vitamin E auf, zeichnet sich also als wirksamer Radikalfänger aus. Aber das Öl kann noch mehr: Es glättet die Hautoberfläche und bindet Feuchtigkeit.

Darum setzen es viele Firmen auch als Basis für ihre Cremes ein (z. B. Sisley). Das goldgelbe Pflanzenöl ist so mild, dass man es pur sogar als normale Körperpflege, Massageöl oder rückfettende Abschminkhilfe bei trockenem, empfindlichem Teint benutzen kann. Nur mit dem Geruch muss man sich arrangieren, es duftet natürlich stark nach Getreide. Der glättende und weich machende Effekt von Weizenkeimöl tut ebenfalls trockenen, brüchigen Haaren gut. Das Öl hilft, mehr Feuchtigkeit zu speichern, und ebnet die Schuppenschicht, damit aus Stroh wieder kämmbare Seide wird. Noch häufiger als das Öl kommen für Haarpflegeprodukte jedoch Weizenproteine, die in den Ähren enthaltenen Eiweißstoffe, zum Einsatz. Weizenproteine, in der Inhaltsstoffangabe auf der Verpackung (INCI) meist unter "Hydrolyzed Wheat Protein" zu finden, bilden einen flexiblen Schutzfilm auf den Haaren. Tests zeigten, dass dieser feine Film die Reißfestigkeit von Haarsträhnen deutlich erhöht. Belastungen wie ruppiges Bürsten oder Föhnwärme können dem so geschützten Haar nicht so stark zusetzen. Außerdem verhindern die Proteine zu starken Wasserverlust, machen die Haare insgesamt griffiger und glänzender. Eine tolle Wiederaufbaumaßnahme, insbesondere bei chemisch behandelten, zum Beispiel frisch gefärbten Haaren. In Spülungen, Packungen, Volumen-Stylingprodukten oder Kuren schützen die Eiweißmoleküle die Haare, ohne sie zu beschweren. Weizenproteine werden auch in der Hautpflege eingesetzt, etwa in Duschgel oder Bodycreme. Dort verhindert der "Weizenfilm", dass die Haut austrocknet.

Heilmittel Hafer

Kosmetisch gesehen noch in den Startlöchern steht der Hafer. Obwohl die Pflanze schon lange in der Naturheilkunde und als traditionelles Hausmittel eingesetzt wird. In England hängt man sich beispielsweise einen kleinen Beutel mit Hafermehl in die Badewanne, um die Haut zu beruhigen, wenn sie empfindlich auf Seife reagiert. In den USA gelten Wundauflagen mit Hafermehl als gutes Heilmittel bei Reizungen oder Insektenstichen. Auch Hautausschläge, Ekzeme und sogar Frostbeulen werden mit warmen Umschlägen behandelt, die in Kräutersud und Hafermehl getränkt sind. Weil in überliefertem Wissen immer ein Körnchen Wahrheit steckt, ließ die amerikanische Gesundheitsbehörde (FDA) nun Studien auswerten, die sich mit den Wirkungen von Haferbestandteilen beschäftigen. Die Prüfung endete positiv: Hafer wurde für Hautbehandlungen offiziell freigegeben. Produkte mit Haferextrakt dürfen sogar mit den Aussagen "anti-irritativ" und "Anti-Juckreiz" werben. Welcher genauen Komponente die hautberuhigende Wirkung zu verdanken ist, ergab eine chemische Analyse des Hafers durch die Firma Dragocco, ein Unternehmen, das Wirk- und Aromastoffe liefert. Rund tausend verschiedene Substanzen konnten die Wissenschaftler im Hafer ausmachen, darunter Hautpflege-Profis wie Aminosäuren, Vitamine, Ballaststoffe, Spurenelemente, Flavonoide (Antioxidanzien). Die entzündungshemmende und wundheilende Wirkung schrieben die Forscher jedoch einem Stoff namens Avenanthramide zu. Er ist zwar nur in geringer Konzentration in der Pflanze enthalten (in einem Kilo Hafer stecken gerade mal ein zehntel Gramm Avenanthramide), verblüfft aber durch sein enormes Wirkpotenzial. Selbst hochverdünnt konnte ein beruhigender Effekt auf die Haut noch nachgewiesen werden. Und das macht den Hafer natürlich interessant für viele Pflegeprodukte, speziell für empfindliche Haut. Wahrscheinlich wird er in naher Zukunft auch gegen alles andere eingesetzt werden, was Hautstress verursacht, z. B. bei leichten Sonnenbränden, nach der Rasur oder als Schutz vor Irritationen durch Umwelteinflüsse.

Glanzgeber Quinoa

Eine der ältesten Getreidesorten der Welt wächst seit über 5000 Jahren in den Hochebenen der peruanischen Anden. Quinoa ist eigentlich ein "Pseudogetreide", das bedeutet, die Pflanze gehört nicht zur Familie der Gräser, sondern zu den Gänsefußgewächsen wie Buchweizen und Wildreis. Essbar sind die Samenkörner und Blätter, aber im Gegensatz zum Weizen kann Quinoa nicht gebacken werden - nur gekocht, geschrotet oder geflockt. "Chisiya Mama", Mutter des Getreides, nannten die Inkas ihr wichtigstes Nahrungsmittel, das auch auf kargem Boden gut gedeiht und unempfindlich gegen Hitze und Wassermangel ist. In Europa ist Quinoa noch nicht sehr bekannt, was an den spanischen Eroberern im 16. Jahrhundert liegen mag, die damals den Anbau unter Androhung der Todesstrafe verboten. Im Laufe der Zeit verebbte das Wissen um Wachstumsperioden und Ernte. Erst in den letzten Jahren erlebte die Pflanze in einigen südamerikanischen Ländern wieder eine landwirtschaftliche Renaissance. Völlig zu Recht, denn das Getreide ist reich an Proteinen, enthält Aminosäuren und viele Vitamine, die sonst nur getrennt in Fisch, Fleisch und Gemüse zu finden sind.

Diese Vorzüge machten die Firma Aveda auf Quinoa aufmerksam. Auf der Suche nach einem neuen Inhaltsstoff für Haarpflegeprodukte sahen sie sich in ihren Labors die Eiweißstoffe der Pflanze genauer an. Mit interessanten Resultaten: Die Proteine setzen sich aus unterschiedlich großen Teilen zusammen. Die kleineren können tief in den Haarschaft eindringen, ihn in seiner Struktur stärken und geschädigte Stellen reparieren. Die großen Proteinteile lagern sich an der Haar-Oberfläche an und glätten die Schuppenschicht von außen. Mit Hilfe von Quinoa wirken die Haare nicht nur voller, sondern sehen auch gesünder und glänzender aus, weil sie mehr Licht reflektieren.

Fotos: Werner Wallington Produktion: Birgit Potzkai Text: Christina Gath BRIGITTE 22/04
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