Ein ganz persönliches Parfum

Ein persönliches Parfum? Kein Problem! Kim Weisswange kreiert Düfte mit individueller Note - ihre Unique Parfums werden nach den Wünschen ihre Kunden komponiert.

Sie ist kein Mann, auch kein Franzose - schlechte Voraussetzungen eigentlich, um in der männerdominierten Parfumbranche Karriere zu machen. Trotzdem hat sich Kim Weisswange ihren Kindheitstraum erfüllt und ist Parfumeurin geworden. In ihrem Hamburger Atelier entwickelt sie ihre eigenen Parfumserien, Raumdüfte und ihr besonderes Highlight: Unique Parfums - Duftkompositionen so einzigartig wie die Person, die ihr persönliches Parfum bestellt. Das möchte ich natürlich auch probieren.

Alles, was die Duftexpertin wissen muss, um ein persönliches Parfum zu kreieren, wird auf einem dreiseitigen Fragebogen abgefragt - vom Geburtsdatum bis zum Lieblingsgetränk, von Haarfarbe und Hauttyp bis zu Lieblingsobst, -gerüchen, -speisen oder musikalischen Vorlieben. Auf Blatt drei wird's dann schon schwieriger, jedenfalls für einen Laien wie mich, der bisher so wenig bewusst auf Gerüche geachtet hat. Wie soll es also sein, mein persönliches Parfum, mein besonderer Duft - samtig? Warum nicht. Leicht? Sehr gern. Sportlich? Na klar. Aber nicht erdig oder mosig, dafür lieber fruchtig und blumig. Und auf keinen Fall vanillig und schon gar nicht honigartig. Harzig und würzig - vielleicht. Aber trocken-staubig oder pudrig? Das muss nicht unbedingt sein...

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Die Duftorgel im Kopf

Mit meinem Fragebogen besuche ich Kim Weisswange an ihrem Arbeitsplatz, stelle mir vor, wie sie, umgeben von tausenden von Fläschchen, mit Aromen und Essenzen wie in einer Hexenküche hantiert und tolle Düfte zaubert. Weit gefehlt - ihr Atelier ist ordentlich und aufgeräumt und weit und breit ist keine für den Parfumeur so typische "Duftorgel" mit tausenden von Düften in Sicht. Kim Weisswange hat ihre Riechorgel im Kopf.

Rund 10 000 Düfte sind in ihrem fotografischen Gedächtnis gespeichert und abrufbar. "Bei mir wird der Duft zuerst im Kopf gemixt", sagt sie und nennt das ihre imaginäre Nase: "Ich lese einen Fragebogen durch, und dann entwickelt sich bei mir schon ein Dufterlebnis, das ich als Rezeptur aufschreibe. Das Mischen der Essenzen kommt erst später".

Alles ist möglich...

Natur pur: Essenzen und Aromen aus den unterschiedlichsten Pflanzen.

Ich dagegen habe zwar gar kein Dufterlebnis im Kopf, aber ein wohliges Aroma von Duftkerzen in der Nase, während Kim Weisswange meine Angaben studiert: "Frisch ist ein wichtiger Aspekt, citrisch, fruchtig, samtig, warm, zimtig und blumig auf jeden Fall auch. Da gibt es viele schöne Dufterlebnisse - Zitronenmelisse schreiben Sie und Orange. Da stelle ich mir eine richtig schöne süße Orange vor, eine italienische Kaltpressung vielleicht. Dann haben wir hier Zimt und Kakao, das geht schon in Richtung mexikanische Note, da ist viel möglich.

Dann lächselt sie: "Schwierig ist immer dieser schöne Kontrast zwischen sportlich auf der einen Seite und samtig auf der anderen. Das ist natürlich eine Herausforderung - aber ansonsten ist alles wunderbar schlüssig." Im Prinzip könne sie alle drei Duftkonzepte für mich konzipieren - chypre, orientalisch und blumig. "Es könnte ein orientalischer Duft werden mit Zimt und Wärme, auf der anderen Seite wäre auch Chypre perfekt: mit frischen citrischen Noten, ozeanisch, fruchtig und sportlich. Und hier ist auch sehr viel Raum für ein blumiges Parfum. Aber wenn man versucht in die Mitte zu gehen, dann wäre es sicherlich ein blumiger Duft, der alle Qualitäten der anderen Klassifizierungen mit sich bringt. Der also in der Basisnote einen schönen sinnlichen Akkord bildet, mit einer sinnlich-blumigen und sanften Herznote - da würde ich eine schöne warme Blüte auswählen. Und die Kopfnote wird dann citrisch frisch, fruchtig mit einer sportlichen Note. Insgesamt wäre das ein Parfum, das einen auch in kreativen Prozessen anregt, das Energie gibt, das die Stimmung heben kann. So könnte ich mir das vorstellen."

All das kann ich selbst leider noch nicht riechen, mir als Geruch auch nicht wirklich vorstellen. Aber ich finde, das klingt sehr viel versprechend.

Es geht ums Ganze

Für Kim Weisswange ist Parfum allerdings noch mehr als nur ein schöner Düft. Als Aromatherapeutin weiß sie auch um die heilenden und unterstützenden Kräfte der Öle und Essenzen. "Parfum unterstreicht die Persönlichkeit und sollte wie eine Aura für den Menschen auch eine gewisse Schutzfunktion darstellen". Auch Astrologie spielt bei ihr auf dem Weg zum "Personal Parfum" eine Rolle: "Wenn man den astrologischen Aspekt mit einbezieht, erkent man zum Beispiel gewisse Anlagen eines Menschen und kann versuchen, diese zum Positiven zu unterstützen. Unser Ziel ist das ganzheitliche Parfum, eins, das alle Aspekte der Persönlichkeit in seinem Duft integriert. Sozusagen die Haute Couture des Parfums." Und so arbeitet sie nach der alten Kunst und Tradition der Parfumeure aus den vergangenen Jahrhunderten. "Wenn man ein Parfum kreiert, dann ist man eigentlich alles in einem: Alchimist und Heiler, kreativer Schöpfer, Astrologe und Psychologe... Bin ich nicht eigentlich ein Geistesheiler?" fragt sie und lacht.

Die Liebe der Pflanzen

Die Rose - Königin der Blumen und kostbar als Öl.

Da versteht es sich auch fast von selbst, dass Kim Weisswange nur Naturprodukte und keine synthetischen Duftstoffe verwendet. "Diese Düfte haben eine ganz andere Lebendigkeit verbinden sich viel schöner, auch mit der Haut." Der Luxus der Echtheit hat natülich seinen Preis - ist aber auch verständlich, wenn ein Parfumeur 8000 Euro und mehr für ein Kilo echtes Rosenöl bezahlen muss, statt 100 Euro für ein künstliches aus dem Labor. "Wenn sie die Unterschiede einmal gerochen haben, dann ist die chemische Rose eine billige Toilettenspülung", sagt Kim Weisswange, "aber es gibt immer mehr Menschen, die diese Qualität unterscheiden und auch verlangen. Unsere Parfums sind die gespeicherte Lebensenergie von Pflanzen, das heißt, es ist etwas Energetisches, was der Kunde bekommt, etwas Energiegeladenes und nichts Totes, Synthetisches. Und wenn man so will, ist das auch Liebe - die Pflanzen opfern ihren Wohlgeruch, ihren Extrakt, damit wir uns damit pflegen können. Das ist doch Liebe pur".

Kunden in aller Welt

Duftkontrolle mit Riechstreifen.

Ist der Duft gemischt, braucht er noch viel Zeit zum Lagern, damit die Duftmoleküle zusammenwachsen und sich das Aroma - ähnlich wie beim Wein - entwickeln kann. Da kommt manchmal ganz schön was zusammen, Parfums mit über 200 verschiedenen Inhaltsstoffen hat Kim Weisswange schon kreiert, der gute Durchschnitt liegt allerdings bei 30 bis 50 unterschiedlichen Stoffen. Und natürlich gibt es auch wunderschöne Düfte, die mit nur zehn Ingredenzien auskommen, wie zum Beispiel ein Rosenparfum: "Wenn man eine schöne bulgarische Rose hat, braucht man nur wenig mehr". Nach rund fünf Wochen Lagerung wird der neue Duft schließlich gefiltert und zuletzt in einen Flakon abgefüllt und mit Inhaltszertifikat an den Kunden verschickt.

Ihre Klientel ist kunterbunt und international, reicht vom Parfumfreak aus Japan, über Prominenz aus Hollywood bis zur Nachbarin von nebenan. Beim spannendsten Moment, wenn der Flakon geöffnet und der Duft zum ersten Mal dem neuen Besitzer in die Nase steigt, ist Kim Weisswange deshalb meistens nicht dabei. "Aber ich habe noch nie so viel Präsente und positives Feedback bekommen wie durch die Unique Parfums."

Für mich heißt es jetzt also erstmal einige Wochen abwarten. Wie mein Parfum wird, wie es duftet, steht wohl auch noch ein bisschen in den Sternen. auf jeden Fall freue ich mich drauf udn bin gespannt. Doch was ist, wenn's schief geht und ich den Duft am Ende gar nicht mag? Die Fachfrau sieht das ganz gelassen: Nach 20 Jahren Berufserfahrung und 30- bis 40 000 komponierten Düften liege ihre Trefferquote bei 99 Prozent. "Bedenkt man allein die teuren Inhaltstoffe", sagt sie "wäre alles andere auch schlichtweg ruinös".

Uta Bangert
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