"Mit kurzen Haaren trifft man schlauere Männer"

Den Shortcut ließ sich Jasmin Gerat für die Kino-Komödie "Kokowääh" verpassen. Wie der seitdem auch ihre Karriere beeinflusst und warum Til Schweiger "ein Fuchs" ist, erzählte sie uns im Interview.

BRIGITTE: In der ZDF-Krimiserie "The Team", spielen Sie die Kommissarin Jackie Müller. Wie kamen Sie dazu?

Jasmin Gerat: Ganz klassisch über meine Agentur. Mein Filmpartner, der Däne Lars Mikkelsen, und ich sind erst in der letzten Casting-Runde aufeinandergetroffen - da stimmte offenbar die Chemie. Plötzlich rief die Regisseurin: "Jetzt vergesst mal die Szene, die kann ich nicht mehr hören, improvisiert einfach mal!" Unsere Improvisation hat sie dann offenbar auch überzeugt.

Auf das Konto der dänischen Regisseurin Kathrine Windfelds geht unter anderem auch die Erfolgs-Serie "Kommissarin Lund". Wie haben Sie sich auf die Zusammenarbeit mit ihr vorbereitet?

Ich habe mir erst mal alle "Lund"-Folgen angeschaut - das war Kathrines Wunsch. Sie sagte: "Ihr Deutschen macht immer viel zu viel, das braucht ihr gar nicht." Und ich hatte eine Englischlehrerin, die mir meinen amerikanischen Slang abtrainiert hat, damit ich wie eine Berlinerin klinge, die mit leicht deutschem Akzent Englisch spricht.

Worauf, glauben Sie, beruht Windfelds großer Erfolg?

Sie respektiert keine Begrenzungen. Sie lässt nicht locker, bis sie bekommt, was sie will. Und sie treibt einen an, das Beste aus sich herauszuholen, hilft einem raus aus der Komfortzone. Das ist es auch, was ich bei meiner Arbeit suche: über meine Grenzen hinauszuwachsen.

Ist Lars Mikkelsen wirklich so ein cooler Hund, wie man vermutet?

Ja, leider geil. Es hat mich echt überrascht, dass so ein Star wie er null Allüren hat. Im Gegenteil, er begegnete jedem im Team auf Augenhöhe und hat auch kein Problem damit, seine Schwächen zu zeigen. Das ist wahre Coolness.

1994 gewannen Sie die "Bravo Girl"-Wahl, dann moderierten Sie, wurden Schauspielerin und arbeiten nun auch international. Sind Sie angekommen?

Ich spüre eine große Ruhe in mir, das Gehetzte von früher ist weg. Ich fühle mich mit jedem Jahr besser.

Verraten Sie uns, wie das geht?

Auch wenn nicht alles so straff ist wie bei einer 20-Jährigen, fühle ich mich heute besser, viel schöner. Mich beruhigt es, dass mich die Summe meiner Erfahrungen auch optisch ausmacht.

Und seit Sie so raspelkurze Haare haben, geht es mit Ihrer Karriere immer weiter bergauf.

Die kurzen Haare haben wirklich auf jeder Ebene Schwung in mein Leben gebracht und sind seit meiner Rolle in "Kokowääh" so etwas wie mein Markenzeichen geworden.

Til Schweigers Verdienst!

"Erst dachte ich, ich müsste mich mit so einer Frisur viel femininer stylen"

Ich kam zum Casting für den ersten "Kokowääh"-Teil, und Til sagte: "Du hast die Rolle, aber deine Haare sind total unvorteilhaft für dich. Merkst du das gar nicht?" Wir machten daraufhin einen Kameratest mit mehreren Perücken. Und bei der Kurzhaarigen war's dann klar. Ich fühlte mich sofort super, und in der Kamera fing etwas an zu strahlen - eine irre Wechselwirkung. Mein Gang wurde leichter und graziöser. Verrückt, was Haare ausmachen. Ich habe sie mir sofort abgeschnitten.

Mit nachhaltigem Erfolg...

Ja. Die beiden "Kokowäähs" haben mir viele Türen geöffnet. Til folgt seiner Intuition und liegt damit verdammt oft richtig, der Fuchs.

Wird man als Frau mit kurzen Haaren anders wahrgenommen?

Oh ja. Ich fand es interessant, dass mich viel weniger Männer angeschaut haben - und wenn, dann die schlauen. Und ich habe viele Komplimente von Frauen bekommen, die mir sagten, dass ich sie ermutigt hätte, sich die Haare abzuschneiden. In was für Mustern wir doch scheinbar unbewusst gefangen sind. Lustigerweise dachte selbst ich anfangs noch, ich müsste mich mit so einer Frisur viel weiblicher stylen. Aber das ist Quatsch. Ich kann mich auch sehr gut ohne diese klassischen Weiblichkeitsattribute der Mode - lange Haare, Kleidchen etc. - feminin fühlen.

Welches Rollenbild leben Sie Ihrer Tochter Sunny vor - in Zeiten von Topmodels und Retusche?

Meine Tochter ist jetzt in der Schule und lernt diese Schubladen "Die ist dünn", "Die ist dick" überhaupt erst kennen. Wir reden viel darüber, dass jeder Mensch einzigartig und schön ist, so wie er ist. Mir ist wichtig, dass sie sich in ihrer Haut wohlfühlt und ein Selbstbewusstsein für ihren eigenen Körper entwickelt. Riesengroße Plakate mit halbnackten Dessousmodels am Flughafen zum Beispiel - die prägen natürlich das Frauenbild von kleinen Mädchen, auch, wenn ich immer wieder versuche, das auszugleichen.

Sind Sie eine strenge Mutter?

Sagen wir: konsequent. Ein paar Old-School-Sachen wie "bitte" und "danke" finde ich einfach wichtig. Ich lebe ihr vor, Menschen respektvoll zu behandeln, aber auch ihre eigenen Grenzen zu ziehen. Lernen, Nein zu sagen, ist wichtig.

Wann haben Sie zuletzt Nein zu einem Rollenangebot gesagt?

Ich sage viel öfter Nein als Ja. Es ist nach wie vor erschreckend, wie wenig authentische, nicht klischierte Frauenfiguren es im deutschen Kino und Fernsehen gibt. Und wenn, dann wurden sie in der Vergangenheit oft von den üblichen Verdächtigen gespielt. Deswegen habe ich mich auch so über Jackie Müller gefreut - in ihrem Leben gibt es dunkle Seiten, sogar echte Abgründe. Sie entspricht nicht dem klassischen Bild einer Kommissarin. Ihre Entwicklung wird noch richtig spannend.

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