Starke Fotos! So schön sind Frauen ohne Photoshop

Der Druck moderner Schönheitsideale bringt uns Frauen dazu, uns selbst zu hassen, sagt die brasilianische Fotografin Maria Ribeiro. Darum hat sie ein Projekt gestartet, mit dem sie zeigen will, wie schön Frauen sind – ganz ohne Retusche. 

Maria Ribeiro arbeitete als Assistentin in der Werbe- und Modebranche, als ihr klar wurde, wie sehr Frauen und auch Männer unter unerreichbaren Schönheitsidealen leiden. "Wir kreierten Schönheitsmuster, die in der Realität nicht existieren. Die Bilder wurden derart stark überarbeitet, dass selbst die Models sich auf den Bildern nicht mehr wiedererkannten".

Ich habe ein großes Problem mit dieser grotesken Manipulation unserer Körper in den Medien. 

Diese Erkenntnis war der Startschuss für Marias Foto-Serie "Nós, Madalenas", zu deutsch: "Ein Wort für Feminismus". Die Bilder zeigen Frauenkörper ganz ohne Manipulation. Auf der Haut der Frauen, stehen die Worte, die sie mit Feminismus verbinden, wie zum Beispiel: Dazugehören, Energie, Geschätzt werden, Eine Stimme haben, Kunst, Revolution und Leben.

Die brasilianische Fotografin Maria Ribeiro will Frauen von dem Druck unrealistischer Schönheitsideale befreien und zeigt dazu in ihren Fotos Frauen ganz ohne Retusche.

Das Projekt kam sensationell gut an: "Nach 2 Jahren hatte ich 100 Frauen fotografiert und aus diesem Projekt ein Buch gemacht. Das Buch enthält alle Fotos und ein Statement von jeder dieser Frauen, in dem sie von ihren Erfahrungen erzählt." Seither sind viele weitere Fotos entstanden, die Frauen auch ohne Worte zeigen.

2016 wurde Maria Ribeiro für ihre Arbeit im Kampf für Frauenrechte mit dem Ivone Herberts Award in New York ausgezeichnet. Wie ihr Projekt sich seit den ersten Fotos im Jahr 2013 entwickelt hat, erzählt Maria hier im Gespräch mit BRIGITTE.de: 

Maria, deine "Nós, Madalenas"-Fotos zeigen Frauen ganz natürlich. Welche Wirkung wünschst du dir für diese Bilder?

Maria Ribeiro: Ich bin fest davon überzeugt, dass die Art und Weise, wie Mainstream-Medien Frauen darstellen, dazu führt, dass wir die Verbindung zu unseren Körpern verlieren. Sie bringen uns dazu, zu hassen, wie wir sind. Sie machen uns krank und verrückt. Nicht nur in physischer Hinsicht. Dieses Gefühl von Frustration und Abscheu beeinflusst unser ganzes Wesen. Das Patriarchat und der Kapitalismus funktionieren hervorragend zusammen, wenn es darum geht, Frauen zu unterdrücken: Sie wollen, dass wir all unsere Energie, unsere Zeit, unser Geld und unsere Ressourcen darauf verwenden, den Bildern eines perfekten Körpers hinterherzurennen, die sie kreiert haben. Auf diese Weise gefährden wir nicht den Status Quo und sind noch dazu sehr lukrativ für die Beauty-Industrie.

Ich glaube fest daran: Je mehr Bilder wir verbreiten, die Frauen mit ihren normalen Eigenschaften zeigen (und das sind keine Makel, so sind unsere Körper einfach), und das in Verbindung mit einer Botschaft von Stärke, Kraft, Glück und Liebe – umso mehr Frauen können sich angenommen und akzeptiert fühlen.

Als eine Latina, eine Frau mit farbiger Haut, habe ich mein ganzes Leben lang unter europäischen Schönheitsstandards gelitten. Ich brauchte Jahre, um mit viel Arbeit und Selbstfürsorge zu verstehen, dass weiß, blond, groß zu sein und blaue Augen zu haben, nicht der einzige Weg ist, schön zu sein. Das hatte einen großen Einfluss auf mein Selbstwertgefühl, meinen Selbstwert und wie ich mich in dieser Welt sehe.

Ich glaube wirklich, dass, wenn wir verändern, wie Frauen ihre Körper betrachten, wir eine Gesellschaft aufbauen können, in der wir mehr und mehr Frauen haben, die an ihren Wert und ihre Fähigkeiten glauben, die daran glauben, dass sie es verdient haben, alles tun zu können, was sie tun wollen.

Deshalb mache ich, was ich mache. Ich möchte Frauen durch meine Kunst dazu bringen, das Beste zu sein, was sie sein können. 

Was bedeutet Feminismus für dich?

Freiheit. Es gibt in dem Projekt auch ein Bild von mir selbst, auf dem ich dieses Wort auf meine Haut geschrieben habe. 

Wie hast du die Frauen auf den Bildern gefunden?

Ich habe das Projekt mit Freundinnen begonnen und als andere Frauen die Bilder sahen, wollten sie gerne mitmachen. Das Projekt "Nós, Madalenas" wurde 2016 abgeschlossen, aber ich überlege, es erneut zu öffnen und alle fünf Jahre ein neues Buch mit 25 neuen Fotos zu veröffentlichen. Das wird ein Lebensprojekt von mir sein, also werde ich ständig daran arbeiten.

Mehr Fotos von Maria Ribeiro findet ihr auf ihrer Internetseite mariaribeiro.me und auf ihrem Instagram-Kanal.

Inzwischen hat Maria Ribeiro außerdem ein neues Projekt gestartet, mit dem sie sich gegen die Manipulation von Bildern einsetzt: Unter dem Hashtag #dontphotoshopme teilen Frauen aus aller Welt natürliche Bilder von sich, um Medien dazu aufzurufen, die Körper von Frauen nicht länger mit Bildbearbeitungsprogrammen zu manipulieren – eine starke Aktion! 

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