Metallic Curves: "Ich fühle mich so schön wie lange nicht"

Strahlend, selbstbewusst und stark wirken die Frauen in Silvana Denkers Fotoprojekt Metallic Curves. Konfektionsgrößen? Spielen hier keine Rolle!

"Ich wollte die Frauen wie Skulpturen inszenieren"

Silvana Denker hat etwas gegen Schönheitsideale. Sie will nicht, dass Frauen vorgeschrieben wird, wie sie auszusehen haben: schlank, trainiert, perfekt. Deswegen macht die Fotografin aus dem rheinland-pfälzischen Hövels Bilder, die gängige Schönheitsideale hinterfragen. Für ihre weltweit beachtete BodyLove-Kampagne hat sie Frauen in Unterwäsche an öffentlichen Orten fotografiert. Frauen, die wir sonst selten so unbekleidet zu sehen bekommen. Sie haben Speckröllchen, Cellulite, tragen kurze Haare und Tattoos. Und auf Silvana Denkers Fotos strahlen sie eine Zufriedenheit und ein Selbstbewusstsein aus, die ansteckend sind.

Für ihr neues Projekt Metallic Curves ließ sie Frauen ab Kleidergröße 42 mit Bodypainting-Farbe in Silber und Gold anmalen. Wir haben mit ihr über ihre Arbeit gesprochen und lassen auch die Frauen zu Wort kommen, die sich für die ungewöhnlichen Aktfotografien ausgezogen haben.

Silvana Denker in Aktion: Für ihr Projekt BodyLove fotografierte sie Frauen in Unterwäsche - mitten in der Stadt.

BRIGITTE: Ihr neues Fotoprojekt heißt Metallic Curves. Sie zeigen nackte Frauen, die von Kopf bis Fuß in Silber oder Gold angemalt sind. Worum geht es Ihnen bei diesen Bildern?

Silvana Denker: Irgendwann abends saß ich bei mir auf der Couch und hatte plötzlich diese Idee im Kopf, kurvige Frauen anzumalen und nackt abzulichten. Sogleich setzte ich mich an den PC und recherchierte, ob das vor mir in dieser Form schon mal jemand getan hat. Was ich fand, waren aber immer nur Fotos von schlanken Frauen. Somit war natürlich mein Ehrgeiz geweckt zu zeigen, dass auch fülligere Frauen nackt in teilweise akrobatischen Posen wunderschön und ästhetisch aussehen. Ich wollte dies künstlerisch darstellen, die Frauen ein wenig wie Skulpturen inszenieren, daher habe ich mich für ein Bodypainting in Gold und Silber entschieden. Ich möchte zeigen, wie vielfältig der menschliche Körper ist, dass es nicht nur das eine, uns immer wieder vorgegebene Ideal gibt und dass es absolut in Ordnung ist, dem nicht zu entsprechen.

Wer sind die Frauen, die sich vor Ihrer Kamera ausgezogen haben? Und wie haben Sie sie gefunden?

Die Frauen sind allesamt keine professionellen Models, einige standen gelegentlich schon einmal vor der Kamera, einige zum Beispiel auch bei meinen BodyLove-Aktionen. Andere hatten noch gar keine Erfahrung vor der Kamera. Nach einem Aufruf bei Facebook hatten sich innerhalb kürzester Zeit so viele Frauen gemeldet, dass ich ein komplettes Wochenende mit Terminen belegen konnte. Das hat mich selbst überwältigt, da es ja doch Überwindung kostet, sich komplett nackt fotografieren zu lassen. Aber es ist ja auch eine wirklich schöne Rückmeldung für mich, zeigt es doch, dass man mir vertraut.

Wie lange hat es denn gedauert, bis die Models ganz in Gold oder Silber eingepinselt waren?

Ich hatte das Glück, von zwei tollen Make-up-Artists (Ramona Geller und Ilka Müller) sowie von meiner Mutter (die selbst auch als Model mitgemacht hat) und einer guten Freundin, ebenfalls auch Teilnehmerin, unterstützt zu werden. So haben teilweise zwei Helfer ein Model angepinselt. Insgesamt hat es dann zwischen 30 und 60 Minuten gedauert. Allein beim Anpinseln hatten wir schon jede Menge Spaß.

Wie sind die ersten Reaktionen auf die Bilder?

Nachdem ich die Fotos auf meiner Facebook-Seite gepostet hatte, wurde ich überrollt von einer Kommentarflut (sogar auf thailändisch), innerhalb von eineinhalb Tagen ist das Album fast 2000 Mal geteilt worden. Ich habe viele Mails von Frauen bekommen, die sich auch gern so ablichten lassen wollen und schon angefragt haben, ob ich das bitte auch in ihrer Stadt anbieten könnte. Mal schauen, vielleicht entwickelt sich ja wieder eine Kampagne. So hat es damals mit BodyLove ja auch angefangen. Ich bin jedenfalls überwältigt von der Resonanz und freue mich riesig darüber, dass die Fotos so gut ankommen.

Sie arbeiten nicht nur als Fotografin, sondern sind selbst auch Plus-Size-Model. Haben Sie den Eindruck, dass sich die Branche langsam, aber sicher verändert – hin zu mehr Vielfalt?

Ich bin jetzt seit 2010 aktiv in der Branche tätig, seitdem hat sich eine Menge verändert, allerdings ist auch noch einiges zu tun. Wenn ich sehe, was in den USA alles möglich ist, dass es dort absolute Superstars unter den Plus-Size-Models gibt, diese auf hochkarätigen Modemagazinen zu sehen sind, dann hinkt Deutschland noch ziemlich hinterher. Leider erlebe ich hier, dass Plus-Size-Models immer noch ein wenig belächelt und manchmal nicht so ganz ernst genommen werden. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, die Weichen sind gestellt.

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