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Sylvie Meis Über die besondere Beziehung zu ihren Haaren

Sylvie Meis
Sylvie Meis
© Getty Images
In ihrer Beauty-Kolumne offenbart uns die Unternehmerin Sylvie Meis persönliche Ansichten rund um das Thema Schönheit. Dieses Mal spricht sie über ihre besondere Beziehung zu ihren Haaren und wie sich diese durch ihren Diagnose Krebs verändert hat. 

Sich morgens nach dem Aufstehen die Haare zu kämmen, sie mit einem duftenden Öl zum Glänzen bringen, um dann zu überlegen: Möchte ich sie heute in einen Zopf tragen, sie mit Haargel stylen oder zu einem Dutt binden? Oder fallen meine Haare heute so schön, dass ich sie unbedingt offen tragen möchte? Fragen, die die meisten von uns mit Sicherheit binnen weniger Minuten beantworten können. Warum auch nicht: Hairstyling am Morgen ist eben ein fester Bestandteil der Beauty-Routine. Etwas, für das viele wahrscheinlich gar keinen Gedanken mehr verschwenden, weil es intuitiv und von ganz alleine abläuft.

Sylvie Meis: "Ich zelebriere es, mir die Haare zu kämmen"

Bei mir ist es etwas anders: Wenn ich mein Haar morgens berühre und kämme, es mit einem Haarparfüm besprühe oder Haaröl in meine Spitzen gebe, dann mache ich das ganz bewusst. Man könnte sogar sagen: Ich zelebriere es. Denn das Gefühl, nicht entscheiden zu können, ob ich meine Haare offen oder zu einem Zopf tragen möchte, wurde mir während einer schwierigen Phase meines Lebens genommen. Durch meine Brustkrebserkrankung verlor ich alle Haare – und damit vorerst auch mein Selbstbewusstsein.

Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, als auf meinem Kopfkissen unzählige Haare lagen; da wusste ich: Jetzt geht es los.

Schleichend kahl zu werden, war für mich nie eine Option. Daher stand schnell für mich fest: Ich muss meine Haare abrasieren lassen. Den Termin vereinbarte ich bei einer Haar-Expertin für Krebspatientinnen und - patienten. Und als es dann soweit war, beschloss ich, alleine und ohne Begleitung die Prozedur über mich ergehen zu lassen. Rückblickend war das allerdings keine gute Entscheidung. Denn als ich mit meiner Perücke auf dem Kopf zurück nach Hause kam und meinen damaligen Mann und mein Kind im Pool schwimmen gesehen habe, brach alles über mich herein.

"Ich fühlte mich Gefangen in meiner Perücke"

Der Gedanke, dass ich diese Perücke nicht mal eben gerade abnehmen kann, da sie an meiner Kopfhaut festgeklebt war, löste in mir ein Gefühl aus, das ich vorher noch nie verspürte. Ich fühlte mich gefangen. Gefangen in meiner Perücke. Doch viel Zeit blieb mir nicht, meinen Gedanken und Ängsten nachzugehen. Mein Arbeitsalltag als Jury-Mitglied von "Das Supertalent“ sollte weitergehen – und demnach auch der Schritt in die Öffentlichkeit und vor die Presse. 
In der ersten Phase meiner Erkrankung ließ ich mir von meiner Hairstylistin Serena Goldenbaum einen Pony in die Perücke schneiden. Dieser kaschierte den Ansatz meiner Perücke – und ein bisschen konnte ich mich dahinter auch verstecken. Ich fühlte mich zu diesem Zeitpunkt unglaublich verletzlich und der Pony gab mir Sicherheit.

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Mit der Zeit arrangierte ich mich mehr und mehr mit meinen Perücken und lernte immer besser, wie ich die unterschiedlichen Exemplare stylen konnte. Für Zuhause hatte ich eine Kurzhaar-Perücke, für Shows und Red-Carpet-Auftritte Langhaar-Varianten.

"Ich akzeptierte mich, wie ich war: ohne Augenbrauen, ohne Wimpern, ohne Haare"

Und irgendwann war ich soweit. Es kam der Punkt, an dem ich mich so akzeptierte, wie ich war: ohne Haare, ohne Augenbrauen und ohne Wimpern. Ein absoluter Befreiungsmoment und rückblickend eine sehr beschreibende Metapher war dann mein erster Tanz als Kandidatin von "Let’s Dance“. Ich tanzte mich frei, frei von der Angst gefangen hinter einer Perücke zu sein und zeigte mich erstmals mit meinen kurzen Haaren. Das Gefühl war überwältigend.

Seit diesem Auftritt habe ich jeden einzelnen Zentimeter meines Haares gefeiert. Und mehr noch: Ich fühlte mich auf einmal unglaublich stark mit meinen kurzen Haaren und wunderschön. Meine Augen kamen besonders gut zum Vorschein. Auch auf meine Kopfform, die durch die kurzen Haare betont wurde, war ich stolz.

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Sylvie Meis: "Ich habe mich neu in mich verliebt"

An diesem Punkt habe ich mich neu in mich verliebt. Ich habe mich gefeiert und mir immer wieder gesagt: Sylvie, du siehst toll aus. Und das ist etwas, was ich dir auch ans Herz legen möchte: Selflove. Traue dich zu sagen: Ich mag mich, ich finde mich toll! Denn das bist du! Du musst es nur erkennen und wenn du es erstmal siehst, wirst du merken, wie stark dich das macht. Und lass dir niemals einreden, dass diese Einstellung arrogant ist. Nein, sie ist wichtig und absolut erstrebenswert. Wenn du also das nächste Mal vor der Entscheidung stehst, welche Frisur du heute tragen möchtest: Lass‘ dir Zeit. Schau dich an und sag dir, dass du mit jeder Frisur wunderschön aussiehst.

Deine Sylvie.


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