Wie gut ist Naturkosmetik? - Ein Test!

Von Anti-Age-Pflege bis Wimperntusche: Die Auswahl an "grünen" Schönmachern war nie größer. Aber wie gut sind sie im täglichen Einsatz? Das BRIGITTE-Beauty-Ressort hat’s ausprobiert – vier Wochen lang, mit Haut und Haaren.

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Der Stand der Dinge: Endlich sind natürliche Shampoos auch sanfte Schaumschläger! Denn die darin enthaltenen milden Tenside auf pflanzlicher Basis können inzwischen Seifenblasen auf den Kopf zaubern. Und die neuen Formeln versprechen noch mehr: Sie wollen nicht nur "überpflegte" Schöpfe von silikonhaltigen Produktresten befreien – für natürlichen Glanz und ein neues Haargefühl nach zwei bis vier Wäschen–, sondern auch individuelle Bedürfnisse erfüllen. Es gibt Pflege für verschiedene Haartypen und das sogar vegan, glutenfrei oder halal. Anders sieht es bei Stylingprodukten wie Haarsprays oder Volumenschaum aus: Die Auswahl ist geringer und es fehlt oft an Power.

Die Testobjekte: "Glanz & Schwung"-Shampoo und -Spülung von Lavera, je ca. 4 Euro; "Hair Mask" mit Arganöl von Douglas Naturals, ca. 5 Euro; "Neem Haarölkur” von Dr. Hauschka, ca. 18 Euro; "Haarspray" von Sante, ca. 8 Euro; "Honeywax" von Less is more, ca. 25 Euro (trägt das Austria-Siegel/national)

So war’s: Als hätte ich ein weiches Wölkchen auf dem Kopf! Nach zwei Wäschen mit dem Lavera-Shampoo fühlen sich meine Haare fluffig an, und auch meine leichte Naturwelle kommt gut zur Geltung. Beim Shampoonieren selbst bildet sich tadelloser Schaum – wenn die Mähne nass genug ist. Nach etwa zwei Wochen bin ich allerdings ein wenig ernüchtert: Ohne Silikone sind meine Haare zwar herrlich leicht, aber etwas stumpf und in den Spitzen trocken; die sahnige Spülung kommt dagegen nicht wirklich an. Für mehr Geschmeidigkeit brauche ich Zusatzpflege, also probiere ich die Arganöl-Maske von Douglas Naturals aus. Toll! Beim Haaröl von Dr. Hauschka unterschätze ich die Reichhaltigkeit. Es langt, wirklich nur eine kleine Menge wirklich nur in die trockenen Spitzen zu massieren, sonst herrscht Fettglanzalarm.

Überhaupt: Die richtige Dosierung bei Naturkosmetik … Meine Erfahrung: deutlich weniger, als man denkt. Das gilt auch fürs Haarspray von Sante, das die Frisur erst mal nass macht, weshalb es für aufgetürmte Pracht nicht ideal ist. Deutlich besser funktioniert das Wax von Less is more: hält und duftet noch dazu lecker. Nach zwei weiteren Testwochen habe ich den Bogen raus. Und auch meine Haare haben sich erstaunlicherweise komplett umgestellt: Sie sind seidig bis in die Spitzen – die Spülung reicht jetzt nämlich völlig aus.

Fazit: So tolle Haare hatte ich lange nicht, ich werde auch weiterhin Naturkosmetik zum Shampoonieren verwenden. Aber fürs Styling sind mir herkömmliche Produkte lieber.

Alles rein auf Öko-Art?

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Der Stand der Dinge: Erdbeersamen, Salz oder Heilerde für ein feineres Hautbild: Gerade bei Peelings ist die Naturkosmetik so einfallsreich, dass sie großen Einfluss auf reguläre Beauty-Produkte hat – auch die kommen jetzt öfter ohne Mikroplastik aus. Was haben aber "grün" zertifizierte Waschgele, Reinigungsmilch, Enzympeelings oder Mizellenwasser drauf? Können die wirklich mit den herkömmlichen Saubermachern konkurrieren?

Die Testobjekte: "Ananas Enzym Peeling" von Arya Laya, ca. 17 Euro; "Reinigungsschaum Nuage Céleste" von Cattier Paris, ca. 10 Euro; "Klärendes Gesichtswasser Ginkgo und Bio-Traube mit Mizellen-Technologie" von Lavera, ca. 6 Euro; "Reinigungsmaske" von Dr. Hauschka, ca. 17 Euro

So war’s: Wenn bei mir die Reinigung nicht stimmig ist, reagiert meine empfindliche Mischhaut schnell gereizt und lässt Pickelchen sprießen. Diese Erfahrung habe ich auch schon mit Naturkosmetikprodukten gemacht, und was die Düfte aus dieser Abteilung angeht: Mit der Mischung aus ätherisch und krautig tue ich mich häufig ebenfalls schwer. Also ran an die Neuen und sehen, was mit denen so passiert … Das Enzympeeling von Arya Laya erweist sich schon mal als Tiefenreiniger. Auch wenn ich es meiner sehr prätentiös reagierenden Haut besser nur in der fettigeren T-Zone zumute. Mit dem seifen- und sulfatfreien Reinigungsschaum von Cattier konnte ich mein Make-up gründlichst entfernen – ohne dass sich Spannungsgefühle breitgemacht hätten.

Ebenfalls verliebt bin ich ins Mizellenwasser von Lavera, das nun morgens und abends zum Einsatz kommt. Und auf die Reinigungsmaske mit Heilerde von Dr. Hauschka reagierte meine Haut feinporig erfreut; anrühren musste ich sie jedoch selbst, was ich auf Dauer etwas umständlich fände. Gäbe es sie aber fertig im Beauty-Regal, würde ich sie auf der Stelle mit ins Putzteam aufnehmen.

Fazit: Willkommen in meiner Welt, Testobjekte! Ihr habt nun einen festen Platz im Bad.

Wie gut ist Anti-Aging aus der Natur?

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Der Stand der Dinge: Peptide aus Erbsen oder Weizen, Hyaluron aus Mikroorganismen, Coenzym Q10 aus Hefestämmen: Die Naturkosmetik ist im Hightech-Bereich angekommen. Die Formulierungen sind kreativ und innovativ, es stehen ja nur wenige Inhaltsstoffe zur Verfügung: Auf rund 75 Prozent, nämlich alle chemischen, muss verzichtet werden. Mal ist die Zutatenliste verblüffend kurz, was auch Allergikerinnen gefällt (z. B. bei Yverum), mal werden aus kostbaren Ingredienzien Luxusseren. Sonnenschutz aber, einer der wichtigsten Anti-Aging-Helfer, enthalten viele Produkte nicht, weil nur mechanische Filter statt chemischer verwendet werden dürfen. Das Einziehen ist auch so ein Thema: Da Naturkosmetik auf synthetische Silikonöle verzichtet, wird mit höherem Öl- und Fettanteil gearbeitet, der allerdings länger einmassiert werden muss.

Die Testobjekte: "Nachtkerze Festigendes Aufbaukonzentrat" von Weleda, ca. 26 Euro; "Antifaltenrosenöl" von Living Nature, ca. 76 Euro; "Age Miracle Gesichtsöl" von Farfalla, ca. 20 Euro; "Hyaluron Eye & Lip Serum" von Yverum, ca. 59 Euro

So war’s: Zwar benutze ich gern Naturkosmetik, dachte aber, dass ich bei "ein bisschen mehr" Pflege nicht an herkömmlicher vorbeikomme. Durch mein Hautbild (fettige Stirn, pickeliges Kinn, der Rest eher trocken) verwende ich verschiedene Produkte für verschiedene Bedürfnisse. So klopfe und massiere ich die Öle von Farfalla und Living Nature nur im trockenen Bereich ein – das samtige Gefühl hält den ganzen Tag an, Glanzalarm gibt’s keinen. Abends kommt das Konzentrat von Weleda vorweg und wird von meinem Gesicht dankend aufgesaugt – ich sehe am nächsten Morgen selbst ohne Urlaub sehr erholt aus. Bei der Augenpflege wird es schwierig. Das Serum von Yverum ist klasse, aber mit meinem Make-up verträgt es sich nicht, es krümelt. Und an den Duft der ätherischen Öle gewöhne ich mich nie. Da mag ich es lieber neutral.

Fazit: Zum Verwöhnen finde ich tatsächlich auch natürliche Anti-Aging-Pflege toll. Für den UV-Schutz bleibe ich beim Konventionellen.

Wie lang hält Make-up aus Blüten?

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Der Stand der Dinge: Natürliche Pigmente für Lidschatten zum Beispiel werden aus Mineralien, aus Hölzern oder Blüten gewonnen. Manche Pigmente haben sogar einen Lichtschutzfaktor (ca. LSF 15, wird extra ausgewiesen). Bei Cremigem, wie Foundations, kann empfindliche Haut manchmal mit Irritationen reagieren – hauptsächlich auf die ätherischen Öle darin. Mögliche Alternative: Naturprodukte in Puderform. Sie sind meist besser verträglich.

Die Testobjekte: "Anti-Aging Make-up" von Annemarie Börlind, ca. 28 Euro; "Concealer" von Und Gretel, ca. 39 Euro; "Lippenstift" von Logona, ca. 12 Euro; "Illuminating Eye shadow" von Lavera, ca. 6 Euro; "Beautyfying Highlighter Liquid" von Sante, ca. 4 Euro; "Flora Mascara Volume Granite" von Zuii Organic, ca. 24 Euro

So war’s: Ein bisschen skeptisch war ich schon. "Meine Schminkstandards einen ganzen Monat lang komplett auf Bio umzustellen, ob das funktioniert?" Tut es. Und zwar besser, als ich dachte. Das flüssige Make-up von Börlind pflegt und deckt schön unspachtelig. Auch der Creme-Concealer mit Pinsel applikator und Drehmechanismus von Und Gretel steht Luxusmarken in nichts nach. Geradezu hingerissen bin ich vom dezenten Roséglanz des Sante-Highlighters! Etwas weniger Zurückhaltung wünsche ich mir bei den Lavera-Lidschatten, trocken aufgetragen bleiben sie eher transparent.

Das hilft: Applikator anfeuchten, dann wird’s intensiver. Einzig die Tusche von Zuii ist für Volumen-Tusche zu flüssig und kleckst. Versöhnt werde ich von den Logona-Lippenstiften: modische Töne, auch matt, und richtig gut haltbar.

Fazit: Warum nicht? Ich kann mir eine Dauerumstellung durchaus vorstellen.

Was taugt "grüne" Körperpflege?

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Der Stand der Dinge: Schnell einziehende Pflege oder zarten Schaum – das traute man der Naturkosmetik lange nicht zu. Denn statt mit synthetischen Rohstoffen arbeiten Produkte wie Bodylotions oft mit reichhaltigen Naturölen. Und natürliche Seifen hatten den "Schäumt nicht!"-Ruf, weil sie nur wenige, dafür schnell abbaubare Tenside enthalten. Auch der Duft war manchem etwas zu unbehandelt. In zwischen haben viele "grüne" Hersteller aber nicht nur an Parfümierung, leichteren Ölen und der Textur ihrer Produkte gefeilt, sie versuchen auch, bei Trends wie Pflegesprays mit Cooling-Effekten mitzuhalten.

Die Testobjekte: "Dusch’ dich glücklich" von Dresdner Essenz, ca. 4 Euro; "Pfefferminze 18-in-1 Naturseife" von Dr. Bronner’s, ca. 11 Euro; "Tausendschön Körperlotion Gänseblümchen Sonnenhut" von i+m, ca. 13 Euro; "Feuchtigkeits-Spray Aloe vera mit Tulsi" von Pharmos Natur, ca. 40 Euro

So war’s: Was Duschprodukte angeht, bin ich ehrlich gesagt nicht sehr treu. Wichtig für mich: Ich brauche etwas, das mich morgens weckt. Das Pfefferminze-Produkt von Dr. Bronner’s und die Glücks-Dusche von Dresdner Essenz könnten also was sein. Ersteres soll durch ätherische Öle auf der Haut prickeln – und das passiert tatsächlich. Fast ein kleiner Frische-Schock! Schäumt auch erstaunlich gut, nur bei den rückfettenden Eigenschaften könnte man noch etwas tun. Deshalb verwende ich sie ab jetzt lieber als Hand- statt als Körperseife.

Als Nächstes: "Dusch’ dich glücklich!", welch’ ein Versprechen. Riecht ganz leicht fruchtig, durch die Bio-Guave darin und leicht kräutrig durch die Minze. Und die Haut fühlt sich auch gut an. Beglückt geht’s raus aus der Dusche, abtrocknen, weiter geht’s mit der Gänseblümchen-Körperlotion von i+m, die wirklich toll duftet und sich gut verteilen lässt. Im Laufe des Tages kommt dann immer wieder das Feuchtigkeits-Spray von Pharmos Natur zum Einsatz. Statt auf Wasser basiert es auf reinem Aloe-vera-Ursaft und ist für Körper und Gesicht gedacht. Mein Eindruck: schön erfrischend. Am liebsten nach dem Sport, wenn ich etwas Abkühlung brauche.

Fazit: Ich bleibe Wechselduscherin, denn das Produkt ist mir dabei nicht so wichtig, Hauptsache, der Duft ist nicht zu süß oder zu blumig, und die Tenside trocknen die Haut nicht aus. Bei der Körperpflege dagegen denke ich ernsthaft über ewige Treue zur Naturkosmetik nach, schließlich bleibt sie ja auch den ganzen Tag auf meiner Haut.

BRIGITTE-Spezial 02/2018

Wer hier schreibt:

Nicole Lötters, Merle Rebentisch, Birgit Potzkai, Angela Schöneck, Alexandra Busse-Richter
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