"Das Brustkrebs-Forum war meine Rettungsleine!"

Viele von Brustkrebs betroffene Frauen nutzen das Brustkrebs-Forum in der BRIGITTE-Community als Stütze und virtuelle Heimat. Userin "annapaulemax", eine der Moderatorinnen des Forums, erzählt im Interview, warum das Forum mitunter besser Bescheid weiß als mancher Arzt.

keine Bildunterschrift

Brustkrebs ist ein ernstes Thema. Das heißt aber noch lange nicht, dass Frauen nach dieser Diagnose nie wieder lachen oder keine anderen Themen mehr im Leben kennen. Im Brustkrebs-Forum der BRIGITTE-Community sind Therapien und Nebenwirkungen von Medikamenten genauso Thema wie Haustiere, Rezepte oder Büchertipps. Und ja, es wird hier auch gelacht, etwa wenn das Umfeld mit der Krankheit mehr überfordert ist als man selbst ("Sie sehen so anders aus! Botox?" "Nein, Chemo."). Userin "annapaulemax" ist eine von drei Moderatorinnen des Forums, das für sie ebenso Überlebenshilfe wie Ablenkung sein kann.

BRIGITTE.de: Wie ist deine persönliche Geschichte? Kam die Brustkrebs-Diagnose sehr plötzlich?

annapaulemax: Im Mai 2009 habe ich beim Eincremen einen kleinen Knoten in der Brust ertastet. Nachdem der Knoten sechs Wochen später nicht verschwunden war, bin ich zu meiner Frauenärztin gegangen. Die war sich sicher, 'da ist nichts', hat mich aber sicherheitshalber zum Ultraschall geschickt. Auch der nächste Arzt meinte scherzhaft, ich wäre ja nur eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Bis er einen Blick auf die betroffene Brust warf und sofort erklärte, das sehe nicht so gut aus. Innerhalb von einer Woche wurde ich an sieben verschiedenen Ärzten vorbeigezerrt, dann lag ich im Krankenhaus zur OP.

BRIGITTE.de: Wie bist du auf das Brustkrebs-Forum in der BRIGITTE-Community aufmerksam geworden?

annapaulemax: Die BRIGITTE-Community war zum Zeitpunkt meiner Diagnose schon länger mein Lieblingsforum und ich war dort auch schon als Moderatorin tätig. Es wurde sogar nur wenige Tage vor meiner Diagnose eine Moderation für das Brustkebsforum gesucht, und ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, das zu übernehmen. Ich hatte damals abgelehnt. Ich dachte, eine Betroffene wäre besser geeignet. Zwei Wochen später habe ich dem Community-Team eine Nachricht geschrieben, dass ich jetzt wohl qualifiziert wäre.

BRIGITTE.de: Seit wann bist du Moderatorin? Wie oft guckst du ins Forum?

annapaulemax: Ich bin seit 2009 Moderatorin. Und gucke circa jeden zweiten Tag ins Forum – manchmal ein bisschen mehr, manchmal ein bisschen weniger, je nachdem was sonst so in meinem Leben los ist.

BRIGITTE.de: Was ist für dich das Besondere an dem Forum?

annapaulemax: Ich habe nach meiner Diagnose viel im Internet gestöbert. Was mich immer irritiert hat, war der bierernste, tragische Ton, nach dem Motto: "Du hast KREBS und darfst nie wieder die Mundwinkel nach oben verziehen." Bei uns im Forum wird gelacht wie geweint, da gibt es ebenso Platz für medizinische Diskussionen wie für Kochrezepte, Diskussionen über Kinder und Scherze über die lieben Mitmenschen. Dort habe ich mich als Frau mit Krebs gefühlt und nicht als Krebskranke, die übrigens irgendwie mal eine Frau war. In den richtig miesen Momenten war das Forum wie eine Rettungsleine für mich. Ich erinnere mich, wie ich auf meiner Couch lag, zusammengerollt, den Laptop als Wärmflasche auf dem schmerzenden Bauch und mich weggebeamt habe in einen warmen Raum, in dem ich immer jemanden zum Reden, Jammern oder aber auch zum Lachen und Ablenken gefunden habe.

"Wer sieht auf die, die ein bisschen mehr sind als traurig?"

BRIGITTE.de: Macht es dich traurig, so oft mit dem Thema Krankheit konfrontiert zu sein?

annapaulemax: Dazu kann ich nur sagen: Ich empfinde viele der langjährigen Userinnen als Freundinnen. Wenn ich mich zurückziehen würde, weil eine von ihnen wieder oder schlimmer erkrankt ist, würde ich genau das machen, was ich selber als grauenvoll erlebt habe: sie zuallererst als Krebskranke definieren und erst danach als Mensch. Zudem für mich ein entscheidender Punkt: Wenn jeder wegsieht, weil es ihn traurig berühren könnte – wer sieht dann auf die, die ein bisschen mehr sind als traurig? Die Betroffenen, die mit allem kämpfen, was sie haben? Wer leistet dann das Bisschen an Unterstützung und Hilfe, das wir in diesem Rahmen leisten können?

BRIGITTE.de: Wodruch ist das Forum den erkrankten Frauen eine Hilfe? annapaulemax:

Für mich kann ich eindeutig sagen: Das Forum war eine große Hilfe. Was heißt groß? Riesig! Unbezahlbar. Und zwar aus zwei Gründen. Erstens, ganz pragmatisch: Informationen. Dadurch, dass Frauen aus ganz Deutschland und teilweise auch aus dem Ausland dort schreiben, erfährt man sehr viel über die unterschiedlichen Standards in der Brustkrebs-Behandlung. Warum manche Sachen gemacht werden und was es vielleicht für Alternativen gibt. Es ist so wertvoll, wenn man plötzlich in eine medizinische Mühle gerät, dass man mal nachfragen kann, was eigentlich gerade passiert - und ob Dieses und Jenes überhaupt sinnvoll ist. Krebs ist eine fachübergreifende Krankheit, an der viele medizinische Gewerke beteiligt sind. Wir Betroffenen im Forum kennen uns teilweise durch unseren Austausch deutlich besser aus als manche der beteiligten Ärzte. Der zweite Grund hat mit den Schreiberinnen selbst zu tun: Da sind viele tolle, starke Frauen, die verstehen, durch welche Ängste und Sorgen man als Betroffene geht, weil sie selber am gleichen Punkt sind oder waren. Aber ich denke, dass es mehr ist als nur "Betroffene helfen Betroffenen besonders effektiv". Es handelt sich auch um einzigartige Frauen, deren Bekanntschaft ein absoluter Gewinn für mein Leben ist.

</antwort> BRIGITTE.de: Was bewunderst du am meisten an den Frauen im Forum?

annapaulemax: Den Willen, das Leben in seiner ganzen Vielfalt anzunehmen. Mit Freude, Angst, Sorgen, Lachen und Weinen, mit den großen und den kleinen Themen, die es bunt und einzigartig machen. Und ihre Bereitschaft, einander zu tragen und zu unterstützen.


Hier geht es zum Brustkrebs-Forum.

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