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#LustAufklärung Wie jetzt endlich der Sexualkundeunterricht revolutioniert werden soll

Banane und Blutorange in Händen
© AntonioDiaz / Adobe Stock
Holzpenis, Gurke, Kondome und ganz viel Gekicher – herzlich willkommen im Sexualkundeunterricht. Wie es besser geht und vor allem, was besser werden muss, machen femtasy und Teech vor, indem sie Aufklärung revolutionieren.

Wer hatte ihn nicht in der Schulzeit vor sich auf dem Tisch stehen, den guten, alten Holzpenis? Gemeinschaftlich haben dann um und bei 25 Schüler:innen dem Ständer das Kondom übergezogen und sich dabei schlapp gelacht. Dann ging es noch ein bisschen um Verhütung, vielleicht um die Gefahren sexuell übertragbarer Krankheiten, ungewollte Schwangerschaft, und das war es dann auch. In der Regel waren die wenigsten schlauer als vorher, und das, was uns wirklich im Leben in Sachen Sex nach vorne bringt, fiel einfach hinten runter.

Auch femtasy-Gründerin Nina Julie Lepique hat ähnliche Erfahrungen gemacht: "Ich erinnere mich noch daran, wie peinlich Sexualkunde bei mir war. Ich musste ein Kondom über einen Besenstiel ziehen, während alle anderen Klassenkamerad:innen zuschauten. Lust wurde nie besprochen, es ging nur um Verhütung. Und als junges Mädchen hat es meine Wahrnehmung von Sexualität wahnsinnig geprägt, dass es durch das Kondom-Training vor allem um den Penis ging." Damit sich da endlich was bewegt, haben sich femtasy und Teech des Sexualkundeunterrichts nun mit liebevoller Hand angenommen und ein neues Format für alle entwickelt.

Aufklärung für alle: Expert:innen sprechen zu wichtigen Themen

Im digitalen Talk-Format unter dem Hashtag #LustAufklärung sprechen Expertinnen über Themen, die sonst nicht im Unterricht stattfinden: selbstbestimmte Lust, sexuelles Einvernehmen, Partnerschaft und Geschlechteridentität. Die Inhalte werden mit dem Partner Teech, einer Plattform für digitale Bildung, deutschlandweit für SchülerInnen gratis zugänglich gemacht, um so einen maßgeblichen Schritt hin zu besserer Aufklärung zu ermöglichen.

Damit das gelingt, hat femtasy spannende Speaker:innen an Bord geholt. Mit dabei sind Paar- & Sexualtherapeut:in Helen Hagemeier ("Konsens und Lust – intime Grenzen setzen"), Influencerin & Female-Empowerment-Aktivistin Diana zur Löwen ("Mein Weg zur Lust"), Schauspielerin & Feministin Lara Wichels ("Queere Lust– was kann ich?"), Dozent:in für Diversity und Polyamorie-Advokat:in Saskia Michalski ("Allyship – wie ein Ally sein?") sowie Pleasure-Aktivistin Lisa Demma ("Wie prägt uns Porno?").

Warum sich etwas tun muss

Erst dieses Jahr wurde die korrekte Darstellung der Klitoris bei drei großen Schulbuchverlagen eingeführt. Ist das nicht unglaublich? Themen wie Geschlechteridentitäten und sexuelle Orientierung finden so gut wie gar nicht statt. Alarmierend ist auch, wie wenig Jugendliche über Sexualität und Lust wissen. Im Juni 2022 veröffentlichte die BZgA die neusten Ergebnisse der Repräsentativbefragung "Jugendsexualität": Die Befragten zwischen 14 und 25 Jahren geben als primäre Quellen der Sexualaufklärung Schulunterricht (69 Prozent), persönliche Gespräche (68 Prozent) und das Internet (59 Prozent) an.

Der Zugang zu Informationen über Lust und Liebe ist durch die Digitalisierung zwar für Kinder und Jugendliche sehr viel leichter geworden, die Qualität und Seriosität der Quellen sind jedoch häufig fragwürdig. Es ist daher nicht verwunderlich, dass 37 Prozent der männlichen Befragten angeben, durch Pornos aufgeklärt worden zu sein und das, was sie in diesen Filmen sehen, als Standard betrachten. Auch Lehrkräfte können dem oft wenig entgegensetzen: Eine Hochschul-Erhebung zur sexuellen Bildung im Lehramt hält fest, dass 90 Prozent der Befragten während ihrer Ausbildung nie etwas zu sexueller Bildung gehört haben und viele, die es haben, sich nicht weiterbilden.

"Kein Wunder, dass viele Menschen später ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Sexualität haben."

Das sagt Diana zur Löwen und erinnert sich an ihren eigenen Sexualkundeunterricht: "Die Vulva wurde in den Schulbüchern nur als Strich dargestellt, wichtige Elemente wie die inneren und äußeren Schamlippen sowie die Klitoris waren gar nicht vorhanden." Auch Sex-Therapeutin Helen Hagemeier teilt diese Perspektive und fragt sich: "Warum reden wir nicht darüber, wenn dieses Thema so viele Auswirkungen auf das weitere Leben hat? Besonders für die Aufklärung von Mädchen müssen wir immer noch kämpfen."

Durch die Eröffnung eines verantwortungsbewussten Diskurses sollte Teenager:innen deutschlandweit ein zukunftsorientierter Zugang zu ihrer eigenen Sexualität ermöglicht werden, indem schon präventiv viele Stolpersteine aus dem Weg geräumt werden. Sicher nicht nur für Schüler:innen spannend, sondern auch für Eltern. 

Weitere Infos zu #LustAufklärung findest du hier.

Brigitte

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