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Erziehungstipps 7 Dinge, die toxische Eltern tun

Dinge, die toxische Eltern tun: Trauriges Kind auf dem Arm vom Papa
© ANDREI_SITURN / Shutterstock
Es gibt Verhaltensweisen, die die Art und Weise, wie wir mit unseren Kindern umgehen, als "toxisch" kennzeichnen. Welche das sein können, woher sie kommen – und wie wir uns als Eltern bessern können. 

Niemand ist perfekt, und obwohl wir uns alle Mühe geben, machen auch wir Eltern Fehler. Oft, weil wir es nicht besser wissen. Aber auch unbewusst, weil wir es vielleicht nicht anders kennen. Der Duden definiert den Begriff "toxisch" unter anderem als "sehr bösartig, gefährlich, schädlich, zermürbend". Das kann für ein Rollenbild gelten, das uns die Gesellschaft vermittelt, für eine Liebesbeziehung – und auch für einen Erziehungsstil. Wer die folgenden acht Verhaltensweisen vermeidet, tut seinen Kindern nur Gutes.

1. Kinder nicht ernst nehmen

Keine Frage: Es ist keine gute Idee, direkt vor dem Einschlafen noch eine Cola zu trinken. Oder bei Minusgraden keine Mütze aufzusetzen. Oder sich nicht zu entschuldigen, wenn man der Freundin an den Haaren gezogen hat. Doch nur, weil wir als Eltern mehr Lebenserfahrung haben, bedeutet das nicht, dass wir auch automatisch alles besser wissen. Unsere Kinder ernst zu nehmen, ihnen zuzuhören und ihnen unser Vertrauen zu schenken, macht eine wertvolle Beziehung aus. Denn nur so können Eltern und Kinder auf Augenhöhe miteinander leben.

2. Die eigenen negativen Gefühle auf die Kinder projizieren

Es ist nicht immer alles Friede-Freude-Eierkuchen, auch Mama und Papa dürfen weinen, wütend sein und Angst haben. Und das auch mit ihren Kindern besprechen, offen sein, Gefühle zeigen. Das bedeutet aber nicht, dass wir Wut, Ärger oder Trauer auf unsere Kleinen abwälzen dürfen, die wahrscheinlich nicht einmal etwas dafür können. Wenn wir sauer sind, weil es etwa im Job gerade nicht läuft, ist nicht unser Kind daran schuld. Trotzdem behandeln wir es manchmal so – das können Erwachsene oft verstehen und nachvollziehen, Kinder aber meist nicht. Bevor sie dann die Schuld für Mamas Traurigkeit bei sich selbst suchen, ist es besser, mit ihnen über die Situation zu sprechen. Damit alle Verständnis füreinander aufbringen können.

3. Kinder daran hindern, dass sie werden können, wer sie sein wollen

Wir wollen nur das Beste für unser Kinder: Sie sollen keine Sorgen haben, als Erwachsene finanziell abgesichert sein, eine gute Bildung genießen können. Dabei sollten wir aufpassen, dass wir uns nicht nur auf das konzentrieren, was wir uns für unsere Kinder wünschen. Wenn sich unser Kind auf dem Gymnasium nur quält und keine guten Noten schreibt, ist es dort vielleicht nicht gut aufgehoben. Wenn es das Kind deiner besten Freundin nicht mag, dann muss auch niemand zum Spiel-Date gezwungen werden. Und wenn sich euer Sohn mit Glitzernagellack am schönsten fühlt, dann darf er den tragen, ganz egal, was die anderen sagen. Wer weiß, wofür es gut ist – unsere Kinder wissen es wahrscheinlich am besten.

4. Die eigenen Interessen auf die Kinder übertragen

Wer von uns hat sie nicht, die unerfüllten Kindheitswünsche. Egal, ob es ein Hund, Ballettunterricht oder ein Geschwisterchen war – unerfüllte Träume begleiten uns bis ins Erwachsenenalter. Und wenn wir dann zu alt sind, um selbst nochmal eine Fußballkarriere zu starten oder Reitstunden zu nehmen, freuen sich bestimmt unsere Kinder! Oder? Vielleicht mag das so sein. Vielleicht wollen eure Kleinen aber auch ganz andere Dinge – unseren Kindern das zu ermöglichen, was uns verwehrt geblieben ist, ist ein netter Grundgedanke. Aber niemand möchte sich durch acht Jahre Klavierunterricht quälen, egal, wie stolz Mama auch ist. Deshalb sollten wir nicht vergessen, dass jeder ein Recht auf eigene Träume hat. 

5. Wenig Empathie zeigen

"Augen zu und durch", "Ein Indianer kennt keinen Schmerz" oder "Nun reiß' dich mal zusammen": Wer verdreht bei diesen Sätzen auch die Augen? Niemand öffnet sich gern seinen Mitmenschen, um dann nur abgedroschene Phrasen an den Kopf geworfen zu bekommen. Gleiches gilt auch für unsere Kinder. Auch, wenn es schwer vorstellbar ist: 2021 ein Kind zu sein, ist etwas ganz anderes, als es für uns damals war. Was uns schwer gefallen ist, kann für unser Kinder – wortwörtlich – ein Kinderspiel sein. Und andersrum genauso. Egal, wie lapidar uns die Sorgen unserer Kleinen vorkommen mögen, wir dürfen nicht einfach abwinken. Denn dann lernen sie, dass ihre Probleme bei den Eltern nicht gut aufgehoben sind – und das Vertrauen schwindet.

6. Über die Maßen kritisch sein

Unser Kind schreibt eine hart erkämpfte gute Note, für uns ist sie aber nicht gut genug? Ständig auf das zu pochen, was noch besser geht, kleinste Fehler zu suchen und Vergleiche mit anderen Kindern zu ziehen, zermürbt den Nachwuchs. Denn wer schon von klein auf lernt, dass er nie gut genug sein kann, versucht es irgendwann vielleicht gar nicht mehr. Oder entwickelt ein falsches Selbstbild, unterschätzt sich am laufenden Band, wird krankhaft ehrgeizig. Natürlich sollten wir unsere Kinder motivieren und uns nicht immer mit allem zufriedengeben. Aber: Die Dosis macht das Gift. Und manchmal muss man seine Erwartungen auch einfach runterschrauben – nur, um dann wieder positiv überrascht zu werden. Wer weiß?

7. Sich nur um sich selbst kümmern

Me-Time, Self-Care, zu sich selbst finden, durchatmen: Im hektischen Alltag ist es oft nicht leicht, sich um sich selbst zu kümmern. Trotzdem stellen wir unsere eigenen Bedürfnisse manchmal unbewusst in den Vordergrund. Fahren wir im Urlaub nach Portugal, weil sich alle Familienmitglieder darauf einigen konnten, oder weil wir es unbedingt selbst wollen? Muss das Kind heute früher ins Bett, weil es müde ist, oder weil wir unsere Ruhe wollen? Toxisch wird es dann, wenn wir nicht einmal mehr bemerken, dass sich alles nur noch um uns selbst dreht. Denn dann vernachlässigen wir die Bedürfnisse unserer Kinder dauerhaft. Also: Lieber einmal mehr innehalten und unsere Lieben in den Arm nehmen. Dann brauchen wir auch kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn wir uns für einen Abend mit einem guten Buch zurückziehen.

Lieber einmal öfter hinterfragen, als einfach weitermachen wie gewohnt

Nur, weil jemand die angeführten Verhaltensmuster zeigt, muss das nicht bedeuten, dass die Person das bewusst macht, es böse meint oder ihren Kindern etwas Schlechtes will. Oft orientieren wir uns in unserem Erziehungsstil an dem, was wir von unseren eigenen Eltern kennen. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, dass sich die Zeiten geändert haben und die Pädagogik sich zum Wohl unserer Kinder weiterentwickelt hat. Deswegen gilt: Es schadet nicht, das eigene Verhalten als Eltern immer wieder zu hinterfragen und nicht aufzuhören, an sich zu arbeiten.

Verwendete Quellen: "Self Care Advocates" via instagram.com


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