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Ungesundes Bodyimage Warum dein Sohn wahrscheinlich unzufrieden mit seinem Körper ist

Ein ungesundes Bodyimage können auch Jungs früh entwickeln
Ein ungesundes Bodyimage können auch Jungs früh entwickeln
© Africa Studio / Adobe Stock
Beim Thema Bodyimage denken viele eher an Frauen und Mädchen, dabei leiden auch Jungs und Männer unter unrealistischen Körperidealen.

"Alle Körper sind schön", heißt es gerne und wird im Kontext von "Body Positivity" (also einer positiven Einstellung gegenüber Körpern und ihren vermeintlichen "Makeln") oft gesagt. Viele Menschen denken in diesem Kontext eher an Mädchen und Frauen, die unter unrealistischen und willkürlichen, gesellschaftlich festgesetzten Schönheitsidealen leiden. Doch wie Studien zeigen, laufen auch Jungs und Männer Gefahr, Essstörungen und Depressionen zu entwickeln, weil sie sich mit den "Reichen und Schönen" aus Hollywood, Instagram und Co. vergleichen. 

Jungs und Männer leiden viel stärker unter unrealistischen Körperidealen als angenommen

Bereits 2014 stellte eine Studie fest, dass zehn Prozent der befragten 2.400 US-amerikanischen Männer davon ausgingen, zu dick zu sein. Ein Drittel hatte bereits im vergangenen Jahr eine Diät gemacht. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Männer, die ihren Körper zu stark im Fokus haben, unter anderem ein deutlich höheres Risiko haben, an Depressionen oder Alkoholismus zu erkranken.

Und diese Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper beginnt schon früh: Eine Studie aus 2018 fand heraus, dass von den 100 befragten sechsjährigen Jungen ein Drittel muskulöser werden wolle und dass obwohl "vor der Pubertät kein Junge einen muskulösen Körper aufbauen kann, der dem eines Bodybuilders ähnelt", wie Psychologieprofessorin Charlotte Markey in einem Essay zu dem Thema auf "Psychology Today" zu bedenken gibt. So scheint es, führt die Psychologin fort, als würden "immer mehr Jungen schon in jungen Jahren von ihrem Körper enttäuscht" sein.

Diese Enttäuschung kann sich auf unterschiedliche Weise zeigen. Mitunter kann sie auch zu einer Verhaltensstörung führen, die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) als "Muskelsucht" (Fachbegriff "Muskeldysmorphie") bezeichnet wird. Betroffene würden sich laut der BZgA als "zu schmächtig" empfinden, selbst wenn sie "gut durchtrainiert" seien. Die Muskelsucht sei zwar keine Essstörung im eigentlichen Sinne, würde jedoch in ihren Krankheitszeichen und ihrer Entwicklung einer Magersucht ähneln. 

Für ein gesundes Bodyimage brauchen Jungs neue Vorbilder – und einen Raum für ihre Gefühle

Die Gesellschaft als Ganze sollte sich von ungesunden Schönheitsidealen distanzieren
Die Gesellschaft als Ganze sollte sich von ungesunden Schönheitsidealen distanzieren
© JürgenBauerPictures / Adobe Stock

Männer wie Christiano Ronaldo, Daniel Craig oder Jamie Dornan stellen für viele Jungs und Männer eine Identifikationsfigur dar – vor allem in Bezug auf das Äußerliche. Sie stellen ein Ideal dar, das unrealistisch und für viele Menschen ungesund ist. Und es fehlt ihnen an anderen Vorbildern, wie sich schon durch eine kurze Suche des Hashtags "bodypositivity" auf Instagram zeigt: Während sich ein Bild von Frauen unterschiedlichster Körper ans andere reiht, tauchen nur sporadisch auch Bilder von Männern auf. Viele davon wirken durchtrainiert, was dem eigentlichen Sinn des Begriffs der Körperpositivität entgegenzustehen scheint.

Die Jungs von heute brauchen andere Vorbilder – vor allem aber brauchen sie ein offenes Umfeld, in dem sie sich über ihre Ängste austauschen können. In einer Studie fanden die Forscher:innen heraus, dass sich auch heute noch Männer schwer damit tun, sich professionelle Hilfe zu suchen. Mit ein Grund seien "traditionelle männliche Ideale" – also das Klischee, dass ein starker Mann keine Hilfe bräuchte und "schwach" sei, wenn er sie doch suchen würde. Wir leben in einer Gesellschaft, die sich medial (ob im Fernsehen oder auf Social Media) sehr stark über das Äußerliche definiert, weswegen Unsicherheiten in Bezug auf den eigenen Körper eine vollkommen verständliche Reaktion sind. Es liegt an den Eltern und dem sozialen Umfeld, den Wert eines Menschen über das Äußerliche hinaus zu verdeutlichen und Jungen wie Mädchen aufzuzeigen, dass jeder Mensch wunderschön ist.

Verwendete Quellen: deutschlanndfunknova.de, onlinelibrary.wiley.com, psychologytoday.com, pubmed.ncbi.nlm.nih.gov, sciencedirect.com, welt.de, instagram.com, bzga-essstoerungen.de

cs Brigitte

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