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Coupleontour ganz privat Vanessa und Ina sprechen offen über ihre Kinderwunschreise

Vanessa und Ina erwarten ihr erstes Kind 
Vanessa und Ina erwarten ihr erstes Kind 
© instagram.com/coupleontour / instagram.com/bluesummerbird
Mit ihrem Coming-out auf dem gemeinsamen Instagram-Account Coupleontour haben Vanessa und Ina den Schritt in die Öffentlichkeit gewagt und lassen seitdem die Welt an ihrem Leben teilhaben – auch beim Thema Kinderwunsch. Warum sie diesen Weg gewählt haben und welche Schwierigkeiten sie hatten, erfährst du hier.  

Heterosexuelle Paare müssen sich in der Regel nicht mit Alternativen zur natürlichen Empfängnis auseinandersetzen, erst dann, wenn ihr Kinderwunsch unerfüllt bleibt. Bei gleichgeschlechtlichen Paaren sieht das ganz anders aus, immerhin ist eine "herkömmliche" Zeugung innerhalb der Zweierkonstellation nicht möglich. So müssen sie andere Möglichkeiten in Betracht ziehen – und das ist in Deutschland gar nicht so einfach. 

Vanessa und Ina haben am 1. September 2018 mit einem Kussbild auf Instagram ihre Liebe öffentlich gemacht. Auf ihrem Account @coupleontour posten die zwei Bilder von ihren Reisen, Festen und privaten Ereignissen. So dokumentierten sie auch ihre standesamtliche Hochzeit, die fast drei Jahre später im Juni 2021 stattfand. Ein Jahr später wartet dann das nächste Abenteuer auf sie Die beiden ergänzen ihre kleine Familie um ein weiteres Mitglied. So perfekt ihr Leben auf Instagram scheint, die Realität sieht dann doch etwas anders aus. Noch immer müssen die zwei sich aufgrund mangelnder Toleranz und Akzeptanz Hasskommentare auf Social Media gefallen lassen. Wir haben hat mit Vanessa und Ina über ihre Erfahrungen, die Hochzeit und den Kinderwunsch gesprochen. 

Coupleontour: Sie zeigen wie herrlich normal sie sein können

BRIGITTE: Am 1. September 2018 habt ihr eure Liebe öffentlich gemacht und einen gemeinsamen Instagram-Account eröffnet. Wie kam es dazu? Und warum habt ihr diesen Weg gewählt? 

Vanessa und Ina: Wir haben zu diesem Zeitpunkt nicht geahnt, dass wir jemals dort stehen würden, wo wir heute sind – mit einer so unfassbaren Community hinter uns. Als wir so langsam mit unserem inneren Coming-out im Reinen waren, hatten wir das starke Verlangen, der ganzen Welt mitzuteilen, dass wir ein Paar sind. Da wir dachten, es sei ein wenig komisch, die ehemaligen Mitschüler:innen und Bekannten darüber zu informieren, dass wir in einer Beziehung sind, haben wir uns für einen anderen Weg entschieden und einen Instagram-Account erstellt und ein Bild hochgeladen, auf dem wir uns küssen. Nach wenigen Minuten hat der Beitrag viel Aufmerksamkeit bekommen und nach kurzer Zeit haben uns auch die ersten Nachrichten erreicht. Die waren sehr gemischt: Glückwünsche, Verwunderung und auch Diskriminierung, – wir hatten alles dabei und wussten schnell, dass wir nicht einfach mit dem Account aufhören können. Zu sehr konnten wir uns in die Gefühle der Menschen hineinversetzen, denen das Coming-out noch bevorsteht, die sich ihrer Sexualität nicht sicher sind oder die einfach mehr Selbstakzeptanz brauchen. Also haben wir den Account beibehalten. 

Wie hat euer Umfeld darauf reagiert?

Auch hier hat es gemischte Ansichten gegeben. Viele Glückwünsche, aber auch Unverständnis und vor allem Unsicherheit. Einige dachten, dass wir auf jede Frau stehen würden, der wir begegnen. Wir haben im Laufe der Zeit gemerkt, dass noch viel Aufklärungsarbeit notwendig ist. 

Auf YouTube habt ihr berichtet, dass ihr beide am selbenTag einen Antrag bekommen habt. Wie kam es dazu? Und wie habt ihr diesen speziellen Tag geplant? 

Wir haben diesen Tag nur durch die Unterstützung von Vanessas jüngerer Schwester Laura so einzigartig machen können. Nachdem das innere Coming-out für uns nicht leicht gewesen ist, wussten wir eines Tages, dass wir für immer zusammenbleiben und das Leben gemeinsam bestreiten wollen. Ohne es direkt im Kopf zu haben, wussten wir beide: Wir wollen heiraten. Wir haben Laura (jeweils getrennt voneinander) von dem Plan erzählt, einen Antrag zu machen. In die anstehenden Pläne haben wir sie eingeweiht, sodass es ihr möglich war, das Ganze zu lenken. Das Zeitmanagement verdanken wir also ihr. Es ist der 15.6. geworden und am Mittag/Nachmittag hatte Ina die Bühne ganz für sich. Sie hat ein Privatkino gemietet und dort unsere engsten Freunde eingeladen. Vor Ort hat sie einen selbst geschnittenen Film mit Kinderbildern und Erinnerungen gezeigt und mich anschließend gefragt. Die nichts ahnende Ina wurde anschließend ins kalte Wasser geschmissen und dachte, dass ihr eine Überraschung von den Freunden bevorsteht. Im gemieteten Hotelzimmer über den Dächern Berlins hat sie dann von mir am Abend einen Antrag erhalten.

Letztes Jahr folgte die Hochzeit – herzlichen Glückwunsch nachträglich – wie habt ihr euren großen Tag erlebt?

Danke dafür. Es war der schönste Tag in unserem ganzen Leben. Also eigentlich waren es zwei. Wir haben das Standesamt und die freie Trauung an unterschiedlichen Tagen erlebt, da wir durch die Pandemie unsere Feier noch einmal verschieben mussten. Es hätte nicht besser laufen können. Trotz der Pandemie hatten wir die Möglichkeit, im Freien zu heiraten und das Wetter hat mitgespielt. Wir waren mit den Liebsten zusammen und können über die kleinen Patzer noch immer schmunzeln, die gehören ja dazu. Wir haben zwei Hochzeitstage und wissen noch gar nicht, welchen wir in Zukunft feiern sollen – am besten einfach beide. 

Auf Ihren Social-Media-Plattformen habt ihr euren Kinderwunsch öffentlich gemacht. War der Wunsch nach einer Familie schon immer da?

Da sind unsere Meinungen ein wenig geteilt. Vanessa hat sich schon immer mit Kindern gesehen, ich hingegen nicht. Wenn aber der richtige Partner/die richtige Partnerin in dein Leben tritt, dann ist er irgendwann da, dieser Wunsch, seine eigene Familie zu vergrößern und sein Glück zu teilen. Es ist natürlich nicht immer so, dass der Kinderwunsch eintritt, aber so war es bei uns beiden. 

Ihr nehmt Ihre Follower:innen auf eure Kinderwunschreise mit. Warum?

Ganz klar: Um zu zeigen, dass es auch Kinder aus Regenbogenfamilien gibt. Allgemein wollen wir uns gar nicht stark von anderen Paaren/Eltern abgrenzen. Wir wollen unser Leben begleiten und zeigen, dass zwei Frauen genauso in einer Beziehung leben können und es viele verschiedene Familienmodelle auf der Welt gibt. Oftmals ist es Unwissenheit, die scheu macht. Wir wollen Sichtbarkeit schaffen.

Wie reagiert die Öffentlichkeit auf euren Kinderwunsch?

Gemischt. Viele Menschen begleiten uns sehr und stecken viel Herz hinein, andere hingegen finden uns "komisch, eklig, egoistisch". Wir merken hier, dass es weiterhin wichtig ist, dass es uns und viele andere da draußen gibt und wir uns nicht verstecken sollen. Steht uns der Kinderwunsch nicht zu, weil wir lesbisch sind? 

Welche Schwierigkeiten haben gleichgeschlechtliche Paare bei einem Kinderwunsch?

Hier können wir nur aus der lesbischen Sicht berichten und da ist es zunächst so, dass lediglich die biologische Mutter als Mutter in der Geburtsurkunde des Kindes notiert wird. In unserem Fall ist Ina zwar die Ehefrau von mir, wird allerdings nach der Geburt unseres Kindes dieses per Stiefkindadoption rechtlich erst dann als ihres bezeichnen können. Bei heterosexuellen Paaren ist der verheiratete Partner immer als der Vater anerkannt, selbst, wenn dieser nicht der biologische Vater des Kindes ist. Dieser Prozess ist mit Zeit und Kosten verbunden und stellt lesbische Paare vor Herausforderungen, die ihnen auch Angst machen. Die Stiefkindadoption ist beispielsweise auch mit einem Besuch des Jugendamtes zu Hause verbunden und dem Einreichen eines Führungszeugnisses. 

Was sollte sich eurer Meinung nach ändern?

Hier muss ein Umdenken stattfinden. Daher haben wir eine Petition ins Leben gerufen, um zeitnah ein Umdenken zu bewirken. Wir denken, dass für alle die gleichen Rechte gelten sollen.

Ihr nutzt eure Reichweite unter anderem dazu, euch für die LGBTIQA+-Community stark zu machen. Was ist euch dabei besonders wichtig?

Keiner soll Angst haben, sich selbst zu verstecken. Nicht wegen seiner Sexualität, nicht wegen der Angst davor, anders zu sein. Wir wollen Menschen Mut machen. Wir hatten in der Jugend nicht so einen Account und wenn wir ganz ehrlich zu uns selbst sind, wir hätten so viel früher wissen können, dass wir lesbisch sind, aber haben uns einfach nicht getraut, zu uns zu stehen. Das wollen wir anderen ersparen. Daher, wenn du das hier liest: Mach das, was dich selbst glücklich macht und nicht andere.

Dieser Artikel ist zuvor auf Gala.de erschienen. 

Brigitte

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