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Noch vor der Geburt So lässt sich der Erziehungsstil eines Mannes vorhersagen

Vater spielt mit Kind
© fizkes / Shutterstock
Wissenschaftler haben einen Zusammenhang zwischen dem Hormonwert Oxytocin im Blut und dem Erziehungsstil bei Vätern festgestellt. Wir erklären, was das genau heißt – und was nicht.

Oxytocin wird als Kuschel- oder Bindungshormon bezeichnet. Kein Wunder, dass dieser kleine Neurotransmitter für Wissenschaftler:innen besonders spannend ist, schließlich geht es hier um die Auswirkungen auf zwischenmenschliche Beziehungen – und um mögliche Erklärungen für bestimmte Verhaltensweisen beim Miteinander. 

Studie: So wirkt sich das Hormon auf den Erziehungsstil aus

Wissenschaftler:innen der University of Southern California Dornsife haben nun in einer Studie, die in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Developmental Psychobiology veröffentlicht wurde, Spannendes festgestellt: Die Werte des Hormons Oxytocin im menschlichen Körper und die Aktivierung dieser Hormone im Gehirn können dabei helfen, den Erziehungsstil von Vätern vorherzusagen – und zwar noch vor der Geburt.

In der Väter-Studie untersuchten die Forschenden 39 Männer, deren jeweilige Partnerinnen ein Kind erwarteten. Diese Männer wurden bis drei Monate nach der Geburt begleitet und zu Aufgaben in der Kinderziehung befragt. Während der Befragung wurden im MRT die Hirnregionen aufgezeichnet, die bei den werdenden Vätern währenddessen aktiv waren. Zusätzlich wurden Blutproben entnommen, um den Oxytocin-Spiegel zu bestimmen. Drei Monate nach der Geburt mussten die Männer einen weiteren Fragebogen ausfüllen. Bei einigen Männern zeigte sich, dass diejenigen Hirnbereiche aktiver waren, die in Verbindung mit der sogenannten "Theory of Mind" stehen. Die "Theory of Mind" ist ein psychologischer Fachbegriff für das Vermögen, Verhalten richtig zu erkennen und vorherzusagen – für Säuglinge überlebenswichtig, denn Eltern müssen ihre nonverbale Kommunikation verstehen, um ihre Bedürfnisse zu stillen. 

Die Ergebnisse sind vielversprechend

Die Männer, deren Hirnareale stärker aktiviert worden waren, ordneten sich selbst als einen einfühlsamen Erzieher ein – außerdem hatten Männer, bei denen die für die "Theory of Mind" maßgeblichen Hirnareale aktiver waren, einen höheren Oxytocin-Spiegel. Diese Väter hatten weniger Schwierigkeiten, auf ihr Neugeborenes einzugehen und waren ihrem Kind auch körperlich sehr nah. 

Die Hypothese der Forscher:innen deshalb: Wenn das Gehirn eines Mannes vor der Geburt auf diese Weise im MRT analysiert wird, könne unter Umständen vorhergesagt werden, wie sein Erziehungsstil sein wird. "Unsere Studie deutet darauf hin, dass die pränatale neuronale Aktivierung in den Regionen der ,Theory of Mind‘ mit einem intuitiven Erziehungsstil des Vaters nach der Geburt zusammenhängt", erklärt die Hauptautorin der Studie, Sofia Cardenas, Doktorandin für Psychologie an der USC Dornsife. 

Empathie können alle lernen

"Wir verstehen immer noch nicht ganz, wie sich das männliche Gehirn auf die Vaterschaft vorbereitet", erklärt Darby Saxbe, Professorin für Psychologie und Co-Autorin der Studie. Die Studie könne dabei helfen, die verbreiteten Vorurteile zu ändern, dass Mütter eine intensivere Verbindung als Väter zu ihren Neugeborenen haben. Es gebe "vielversprechende" Forschung, die darauf hindeutet, dass Empathie trainiert werden könne – egal ob von Müttern oder Vätern.

lgo Brigitte

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