Ein Paket für jede finnische Mutter? Das wollen wir auch!

In Finnland bekommt jede werdende Mutter vom Staat die Grundausstattung fürs Baby geschenkt – in einer Box, die auch als Bett dient.

Ein gratis Begrüßungspaket für Babys – ganz schön nett vom finnischen Staat!

Ja – und schlau. Denn als die Unterstützung für Schwangere 1938 eingeführt wurde, war die Kindersterblichkeit in Finnland hoch und die Geburtenrate rückläufig. Um die Box mit der Grundausstattung fürs Baby zu bekommen (oder alternativ Bargeld, wobei der Warenwert des Pakets höher ist), mussten sich werdende Mütter bis zum vierten Schwangerschaftsmonat gynäkologisch untersuchen lassen. Und siehe da: In den darauffolgenden Jahren kamen mehr Kinder zur Welt, von denen weniger starben.

Was ein Vater hier für seine Kids gebaut hat, ist der WAHNSINN!

Was ist drin?

So ziemlich alles, was ein Baby braucht: Strampler, Schlafsack, Overall, Lätzchen, Windeln, Bettwäsche, Pflegeprodukte, Spielzeug ... Auch an die Eltern wurde gedacht – mit einer Packung Kondome. Das wohl praktischste Stück des Care-Pakets ist die kleine Matratze, mir der die Box ausgekleidet ist. Denn das macht sie gleichzeitig zum Bett – eine willkommene Option für viele finnische Eltern. "Taisto schläft viel besser darin als in seinem Kinderbett", sagt Heini Sivonen aus Helsinki.

Ein weiterer Pluspunkt: Die Box passt neben ihr eigenes Bett. So muss sie nachts zum Stillen nicht mehr aufstehen. Und zum Mittagsschlaf kommt die Box samt Kind auf den Balkon. Übrigens auch bei Minusgraden. Finnen brauchen viel frische Luft, Kälte können sie ab.

Das alles bekommen Mütter in Finnland zur Geburt geschenkt.

Hat sich der Inhalt über die Jahre verändert?

Ja. In den 1930er und 40er Jahren gab es zum Beispiel noch keine fertigen Kleidungsstücke, sondern Stoff zum Selbernähen. Den Schlafsack, eines der beliebtesten Stücke im Paket, gibt es erst seit 1968. Die kurz darauf eingeführten Wegwerfwindeln wurden mit der Jahrtausendwende wieder um Stoffwindeln ergänzt.

Heini Sivonen verzichtet tatsächlich komplett auf Einwegwindeln: "Meine Reisen durch Asien haben mich für Umweltprobleme sensibilisiert. Ich versuche, Müll so gut es geht zu vermeiden." Im gleichen Jahr fiel die Trinkflasche aus dem Sortiment, um Mütter zum Stillen zu ermutigen – mit Erfolg.

Auch das Design der Kleidung und der Box selbst ist jedes Jahr etwas anders. Die Farben sind allerdings immer neutral und damit für Jungs und Mädchen gleichermaßen geeignet. Finnische Mütter machen sich einen Spaß daraus, die Designs zu vergleichen und zu raten, in welchem Jahr ein Kind geboren wurde.

Wer hat ein Anrecht auf die Babybox?

Alle werdenden Mütter, die in Finnland leben und dort sozialversichert sind. Zuerst hatten nur Mütter mit einem niedrigen Einkommen Anspruch auf den Zuschuss. Seit 1949 können ihn alle Frauen beantragen. Jedes Jahr unterstützt die finnische Sozialversicherungsbehörde Kela rund 60.000 werdende Mütter. Beim ersten Kind nimmt fast jede Frau das Paket (92 Prozent), beim zweiten Kind sind es immerhin noch 45 Prozent. Viele entscheiden sich dann für die 140 Euro Bargeld, weil sie den Großteil der Ausstattung wiederverwenden können.

Ich will das auch haben!

In Deutschland gibt es diesen Service leider noch nicht. Über Pläne in diese Richtung hat sich das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf Nachfrage noch nicht geäußert.

Über Umwege kommt ihr trotzdem an das Paket: Entweder ihr kennt eine finnische Mutter, die ihr Paket nicht braucht und es euch verkauft, oder ihr schaut auf dieser Facebook-Seite nach Angeboten. Bei den Royals haben die Finnen übrigens eine Ausnahme gemacht: Kate und William bekamen zur Geburt von Baby George ein großes Paket aus Finnland.

Nicole Wehr

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