Lego, du machst uns Angst!

Harmlose, bunte Steinchen? Das war einmal. Auch dank Lego landen immer mehr Waffen und Unholde im Kinderzimmer. Muss das sein?

Neulich, zu Besuch bei einer befreundeten Familie. Die großen Jungs, 7 Jahre alt, gehen nach dem Kaffee ins Kinderzimmer. "Lego spielen". Ach, wie nett, denke ich noch und fühle mich an die vielen Stunden erinnert, in denen wir selbst als Kinder ganze Städte aus Legosteinen bauten.

Nach einer Weile gehe ich mit meiner Tochter hoch, um nach den Jungs zu sehen. Kaum habe ich die Tür geöffnet, schallen mir Maschinengewehr-Geräusche entgegen. "DU BIST TOT" brüllt einer der Jungen und schießt trotzdem weiter wie von Sinnen mit seinen Miniwaffen auf mich ein. Geschockt werfe ich die Tür zu. Als es drinnen leiser wird, öffne ich sie wieder, um sofort wieder im imaginären Kugelhagel zu stehen.

Vorsichtig wage ich mich rein und blicke auf eine akribisch aufgebaute Lego-Landschaft, oder sollte man besser sagen: einen Kriegsschauplatz. Alles voll mit Superhelden, tödlichen Flugdrachen, Ninjas, Chima-Kämpfern und vor allem Waffen, Waffen, Waffen.

"So sind Jungs eben", mögen viele nun denken, die selbst schon als Kind Cowboy und Indianer gespielt haben.

Aber ist das nicht doch ein neues Level? Anhand von Lego kann man auch statistisch sehen, dass die Gewalt-Spiele im Kinderzimmer eben doch zugenommen haben. Das zeigt eine neue Studie.

40 Prozent der Lego-Packungen zeigen Gewalt-Szenarien

Forscher der University of Canterbury in Neuseeland haben untersucht, wie sich die Lego-Welt verändert hat. Sie kommen zum Schluss: Der weltgrößte Spielzeughersteller bietet Kindern immer öfter Sets mit Nachbildungen tödlicher Waffen an.

Auf rund 40 Prozent seiner Packungen zeigt er Szenen, in denen Gewalt vorkommt. 30 Prozent der Baukästen enthalten Waffen, und da sind die großen Bausätze für Kampfgeräte wie dem Todesstern aus „Krieg der Sterne“ noch nicht mal mitgerechnet.

"Die Produkte von Lego sind nicht mehr so harmlos, wie sie es mal waren", sagt Studien-Autor Christoph Bartneck laut Pressemitteilung. "Über die Zeit gab es bei Lego-Spielzeug einen signifikanten Anstieg von Gewalt."

Aber wie konnte es dazu kommen?

Der Grund für die Aufrüstung ist schlicht der große Druck im Spielzeugmarkt. Vor 12 Jahren war Lego fast pleite. Der dänische Konzern änderte seine Strategie und setzte mehr auf Themenwelten wie Star Wars, Batman oder eben die beliebten Chima-Krieger.

Und seitdem geht es Lego tatsächlich wieder besser. Krieg sells?

Mehr Raum für kreatives Spiel, bitte!

Ich stehe im Kinderzimmer zwischen all den erschossenen Superhelden und stelle fest, was mich am meisten stört. Es sind gar nicht mal die Waffen. Ich schieße selbst oft mit dem Indianerbogen meiner Tochter. Und Ninjas finde ich eigentlich ganz cool.

Nein, das größte Problem sind die durchweg bösen und aggressiven Gesichter der Figuren.

Ein Paradebeispiel für den Wandel bei Lego: Waffen und schlecht gelaunte Superhelden

Denn wie will man mit einem Lego-Männchen, das guckt, als wolle es dich gleich auffressen, Frieden spielen? Während die Figuren früher neutral aussahen, ist die Mimik heute meistens vorgegeben. Und das schränkt die Fantasie und Kreativität, die Lego ja angeblich so toll fördern soll, massiv ein.

Vielleicht hat der Ninja-Kämpfer ja auch ein Privatleben? Vielleicht will er sich mal ausruhen und mit seinen Kindern spielen - oder mit dem Drachen knuddeln, der eben noch durch den Feuersturm flog?

Ich wünsche mir von Lego, dass es die Welt weiterhin so bunt zeigt wie bisher. Auch in den Figuren. Damit die Kinder zwischen Krieg und Frieden wählen können - und nicht automatisch zu Wehrpflichtigen werden.

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