VG-Wort Pixel

Kaum Elternzeit in den USA Mutter verzweifelt, weil sie nicht bei ihrem Frühchen sein kann

Xyz: die Hand eines neugeborenen Babys. Am Handgelenk ist ein medizinisches Armband sichtbar
© sruilk / Shutterstock
Rebecca Shumard will bei ihrer Tochter sein, die zu früh auf die Welt gekommen ist. Doch die Elternzeitregelung in den USA gibt ihr kaum die Chance dazu. 

Für eine junge Frau aus Pennsylvania, USA, startet das Leben als Mutter mit vielen Hindernissen: Rebecca Shumard bekommt ihre kleine Tochter viel zu früh. Nach 27 Wochen, also knapp sechs Monaten, kommt das Mädchen zur Welt. Doch damit nicht genug: Nur knapp zwei Monate unbezahlte Mutterzeit stehen ihr bei ihrem Arbeitgeber zu. Zeit, die ihre kleine Tochter Eden nach der Geburt überwiegend im Krankenhaus verbringen muss und sie zu einer schwierigen Entscheidung zwingen. Denn bis zur Entlassung des Babys von der Frühchen-Station wären die freien Tage, die der Mutter gesetzlich zustehen, bereits aufgebraucht. Sie entschließt sich deshalb dazu zu arbeiten, um die verbleibenden Tage später zu Hause mit der Kleinen verbringen zu können. Doch nicht bei ihr zu sein ist für die junge Mama zu viel. Ein von ihr aufgenommenes Video auf TikTok zeigt, wie sie auf der Arbeit in Tränen ausbricht.

Kein Anspruch auf Zeit mit dem Baby

Nur 12 Tage nach ihrer Entbindung steht die medizinische Assistentin weinend auf der Arbeit, bearbeitet Dokumente. Sie plagen Schuldgefühle, da sie nicht bei ihrer Tochter sein kann. In Pennsylvania kann sie eigentlich zwölf Wochen unbezahlten Elternurlaub nehmen. Allerdings nur, wenn sie die Vorgaben des sogenannten "Family and Medical Leave Act" (kurz: FMLA) erfüllt – eine Regelung, die nur für bestimmte Arbeitgeber:innen gilt und unter der Bedingung, dass die Arbeitnehmerin genügend Arbeitsstunden innerhalb der vergangenen zwölf Monate geleistet hat. Ansonsten sind es sechs bis acht Wochen, wie sie in einem Video wenige Tage später erklärt. Der einzige Pluspunkt: Mütter können ihren Job nach dieser Zeit sicher wieder antreten. "Wie kann irgendjemand mit der Schuld klarkommen arbeiten zu müssen, anstatt beim eigenen Baby zu sein?", beschreibt sie ihre Situation auf TikTok.

Voller Einsatz statt Ruhe

Eine Schonfrist gibt es für die junge Frau nicht. Ihre Arbeitsstelle ist unterbesetzt. Regelmäßig auf der Arbeit Milch abzupumpen daher schwierig. "Werde ich überhaupt Milch haben, wenn sie nach Hause kommt?", fragt sich Rebecca Shumard. Ihre Worte sorgen auf dem sozialen Netzwerk für einen Aufruhr. Der Clip geht viral. Viele Menschen schreiben ihr und bieten ihre Unterstützung an, sowohl Sachen für die kleine Tochter als auch Geld, um nicht arbeiten zu müssen. 72 Tage bleibt Eden auf der Frühchen-Station, das ist länger als die freie Zeit, die Rebecca Shumard zusteht. Doch durch die Hilfe der vielen Menschen im Internet schafft es die junge Mutter, sich weitere Tage frei zu nehmen, ohne sich Sorgen um das Geld machen zu müssen.

Ich bin unglaublich dankbar

"Wegen euch allen bin ich nicht dazu gezwungen mich zwischen meiner Tochter und dem Bezahlen der Rechnung zu entscheiden", schreibt sie in einem neuen Clip mit ihrer Tochter Eden. "Ich bin unglaublich dankbar", heißt es weiter, während die Kleine sich schläfrig an die Brust ihrer Mama schmiegt.

Mutterschutz ist ein Fremdwort

"Es ist die Verantwortung unserer Regierung und sie hat uns enttäuscht", sagt Rebecca Shumard wenige Tage später in einem Video. Die Großzügigkeit anderer Menschen habe ihr geholfen, aber für viele andere Eltern müsse Amerika sich endlich ändern. Denn sechs Wochen gesetzlicher unbezahlter Urlaub, selbst das ist in vielen Bundesstaaten in den USA bereits viel: Nur neun Staaten und Washington D.C. haben laut der Washington Post überhaupt eine gesetzliche Regelung für eine Art von Elternzeit.

Mutterschutz ist weltweit sehr unterschiedlich

Im Vergleich zu den USA gibt es gerade in Europa, aber auch in anderen Teilen der Welt enorme Unterschiede, wenn es um das Thema Elternzeit geht. In Deutschland beträgt die Mindestdauer der Elternzeit zwei Monate – Mütter und Väter können bei uns aber bis zu drei Jahre bei den Kleinen bleiben. Das Elterngeld wird dabei aber nur maximal zwölf Monate ausgezahlt. Grundlage der Auszahlung ist das durchschnittliche Nettoeinkommen. 67% stehen jedem Elternteil zu. Das Minimum liegt bei 300 Euro und der Höchstsatz bei 1.800 Euro.

Spitzenreiter bei der Elternzeit ist übrigens Rumänien. Hier sind es zwei Jahre Elternzeit pro Kind bei 85 Prozent des Lohns. In Litauen kann die Elternzeit genommen werden, bis das Kind drei Jahre alt ist, die ersten 52 Wochen sogar bei 100 Prozent des Gehalts. Vätern steht oft sehr viel weniger Zeit mit ihren Kindern zu als den Müttern. Mehrere Länder, darunter auch die Schweiz und die USA bieten keine bezahlte Vaterzeit nach der Geburt des Babys. Eine Art von Vaterschaftsurlaub, vergleichbar mit dem Mutterschutz, gibt es auch in Deutschland nicht, aber glücklicherweise die Option auf Elternzeit.

Quellen: Today.com, Eltern.de; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend; TikTok/edensmomma10_12, Pennsylvania Office of Administration, Tagesschau.de, U.S. Department of Labor

Dieser Text erschien ursprünglich bei Eltern.de

lkl

Mehr zum Thema