VG-Wort Pixel

"Eggsharing" Zwei Schwedinnen wollen beide die biologische Mutter ihres Kindes werden

"Eggsharing": Saga und Felicia Wahlström
Saga und Felicia Wahlström wollen beide die biologische Mutter ihres zukünftigen Kindes werden.
© Saga Wahlström
Saga und Felicia Wahlström aus Schweden sind ein lesbisches Ehepaar und wünschen sich Nachwuchs. Sie haben sich überlegt, wie sie beide die biologische Mutter ihres zukünftigen Kindes werden können. Auf Instagram teilen sie ihr Vorhaben.

Saga und Felicia Wahlström sind ein lesbisches Paar aus Västerås, Schweden, und seit Dezember 2020 verheiratet. Nun haben sie den Wunsch, eine Familie zu gründen. Bei der Überlegung, wer die biologische Mutter des zukünftigen Kindes sein soll, hatten sie eine ungewöhnliche Idee: beide. Doch wie soll das funktionieren?

Der Plan klingt simpel: Saga möchte sich ein befruchtetes Ei von Felicia einsetzen lassen. Somit wären sie praktisch gesehen beide biologische Mütter – eine durch ihre Genetik und die andere, weil sie das Kind ausgetragen hat. Bis dahin gibt es jedoch einige bürokratische Hürden zu überwinden. Den Prozess teilen die beiden auf dem Instagram-Account "Eggsharing".

Felicia musste als Spenderin anerkannt werden

Seit 2019 ist in Schweden die sogenannte Doppelspende erlaubt, bei der eine Frau eine fremde Eizelle eingesetzt bekommt, die zuvor mit Spenderspermien befruchtet wurde. Diese Methode ist eigentlich für Paare gedacht, bei denen sowohl der Mann als auch die Frau unfruchtbar sind. Um dafür überhaupt infrage zu kommen, musste sich Felicia zunächst als Spenderin von den schwedischen Behörden anerkennen lassen. Mittlerweile sind die Anträge durch und sie hat 13 ihrer Eier einfrieren lassen, die darauf warten, befruchtet zu werden. Dem stern erklärte das Paar nun, dass es nur noch die letzten Anträge ausfüllen muss, bevor die künstliche Befruchtung durchgeführt werden kann. 

"In Schweden muss man gesund und zwischen 23 und 36 Jahre alt sein, um als Eizellenspender infrage zu kommen", sagt Saga Wahlström. Man dürfe nicht an schweren körperlichen oder psychischen Erkrankungen leiden. Außerdem müsse man zuvor von einem Psychologen untersucht werden.

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Instagram integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
DATENSCHUTZ-EINSTELLUNGEN
Hier können Sie die Einstellungen für die Anbieter ändern, deren Inhalte sie anzeigen möchten. Diese Anbieter setzen möglicherweise Cookies und sammeln Informationen zu Ihrem Browser und weiteren, vom jeweiligen Anbieter bestimmten Kriterien. Weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.

Felicia Wahlström musste einige Hürden überwinden: "Ich musste mich testen lassen, um sicherzugehen, dass ich keine Infektionskrankheiten habe. Der Psychologe ging Fragen durch, warum man Spender werden möchte, stellte die finanzielle Sicherheit fest, stellte Fragen zur Kindheit, zur Beziehung sowie zur körperlichen und geistigen Gesundheit. Nach den Testergebnissen und der Genehmigung durch den Psychologen war ich bereit", so Wahlström. Sie habe den Prozess nicht als besonders schwierig empfunden.

Doppelspende birgt gesundheitliche Risiken

Das National Board of Health and Welfare in Schweden rät laut "Aftonbladet" von so einer Doppelspende ab, weil die gesundheitlichen Risiken hier höher seien als bei einer natürlichen Schwangerschaft. Eines davon ist, an einer Schwangerschaftsvergiftung zu erkranken. Saga und Felicia Wahlström haben sich darüber Gedanken gemacht. 

"Wir haben über die Risiken nachgedacht. Ein Großteil der vorhandenen Forschung betrifft hauptsächlich ältere Menschen. Wir machen uns keine Gedanken, weil wir jung und fruchtbar sind", meint das Paar. Nichtsdestotrotz gebe es nur wenige Kliniken, die bereit seien, eine solche Doppelspende durchführen. 

Saga und Felicia finanzieren alles selbst

Saga und Felicia Wahlström erzählen, dass man in Schweden unter bestimmten Voraussetzungen auch als gleichgeschlechtliches Paar eine künstliche Befruchtung finanzieren lassen könne – anders als das beispielsweise in Deutschland der Fall ist. Dies gelte bei einer Doppelspende aber nur, wenn medizinische Gründe vorlägen, was bei beiden nicht zutrifft.

Ob man nun die eigene Eizelle befruchten lässt oder eine Spenderzelle nimmt, für beides habe man nur eine begrenzte Anzahl an Versuchen, wenn man sie durch die Krankenversicherung finanzieren lasse. Saga und Felicia bezahlen hingegen alles aus eigener Tasche. "Deshalb haben wir aber auch so viele Versuche, wie wir wollen", sagt Saga Wahlström. Für ihre zukünftigen Kinder erhoffe sich das Paar, denselben Samenspender zu bekommen, damit die Kinder biologische Geschwister sind.

Eizellenspende in Deutschland verboten

In Deutschland ist die Eizellenspende laut dem Embryonenschutzgesetz verboten. Dabei möchte der Gesetzgeber vor allem im Interesse des Kindeswohls handeln und die Eindeutigkeit der Mutterschaft gewährleisten, heißt es. Auch Probleme bei der Identitätsfindung des Kindes sollen durch das Gesetz vermieden werden — weil zwei unterschiedliche Frauen an seiner Entstehung beteiligt sind. Dazu kommen die zuvor bereits erwähnten gesundheitliche Risiken für Mutter und Kind.

Aber auch eine künstliche Befruchtung ist in Deutschland für lesbische Paare mit vielen bürokratischen und finanziellen Hürden verbunden. Nicht nur, dass Interessierte die Behandlung in Deutschland selbst zahlen müssen; vor dem Gesetz ist es nicht einmal möglich, dass zwei Frauen Mütter eines Kindes sind. Sie müssen den Weg der Co-Adoption wählen, während ein (anonymer) Samenspender als Vater eingetragen ist.

Saga und Felicia Wahlström hoffen, mit ihrer Geschichte in der Welt etwas verändern zu können. "Es ist traurig zu lesen, wie schwer der Prozess für gleichgeschlechtliche Paare in anderen Ländern ist. Wir hoffen, dass andere Regierungen von unserer Geschichte lernen und sich bald etwas ändern wird."

Quellen: InstagramAftonbladetfamilie.de 

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei stern.de.

yak

Mehr zum Thema