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Unerfüllter Kinderwunsch "Retortenbaby" Louise Brown rät: "Gib niemals auf!"

Louise Brown, erstes Retortenbaby
Louise Brown, 44, setzt sich für ungewollt kinderlose Menschen ein
© Annette Riedl picture alliance/dpa
Die Britin Louise Brown, 44, ging als "Retortenbaby" in die Geschichte ein, sie war der erste Mensch, der im Labor gezeugt wurde. Heute engagiert sie sich für ungewollt kinderlose Menschen. Ein Gespräch.

Louise Brown, Mutter zweier natürlich gezeugter Jungs, engagiert sich für einen leichteren Zugang zu Kinderwunschbehandlungen, wie die In-vitro–Fertilisation (IVF), die ihr selbst das Leben schenkte. Zuletzt hielt sie beim Event "Making fertility accessible" des Berliner Start-ups Fertilly die Eröffnungsrede. Wir wollten von Louise Brown wissen: Wie lebt es sich als erster Mensch, der im Labor gezeugt wurde, und was rät sie Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch?

BRIGITTE: 1978 wurden Sie als "Retortenbaby" weltberühmt. Ihre Geburt war eine Sensation, löste aber auch Verunsicherung und sogar Entsetzen aus. Wurden Sie stigmatisiert, weil Sie im Labor gezeugt wurden?

Louise Brown: Nein, ich hatte eigentlich keine Probleme. Als Kind wurde ich manchmal gefragt: Warum nennen die dich Retortenbaby, warst du in einer Retorte? Oder: Bist du aus einer Retorte geklettert, oder was? Ich sagte dann immer: Nein, es war eine Petrischale, ich habe keine Ahnung, warum sie "Retorte" sagen. Ich habe mir das aber nicht weiter zu Herzen genommen. 

Wann haben Sie erfahren, dass Sie Ihr Leben einer künstlichen Befruchtung verdanken?

Das war mit vier, bevor ich in die Schule kam. Mama und Papa zeigten mir das Video meiner Geburt, es war ziemlich grausig und blutig, aber ich nahm kaum Notiz davon. Dann sagten sie mir, dass Patrick und Bob (die beiden Reproduktionsärzte, Anm. der Red.) ihnen geholfen haben, mich zu bekommen. Mehr Details nannten sie nicht.  

Sie haben der Welt bewiesen, dass ein IVF-Kind ein ganz normaler Mensch ist. Bürde oder Glück?

Als Teenager fand ich das etwas unheimlich. Ich lag manchmal im Bett und dachte: Menschen am anderen Ende der Welt wissen alles über mich, aber ich weiß nichts über sie. Heute bin ich einfach nur stolz, und ich hoffe, dass Mama, Papa, Bob und Patrick auch stolz wären, wenn sie wüssten, dass ich mich für ungewollt kinderlose Menschen einsetze. Ich glaube, sie wären es.

Sechs Millionen IVF-Kinder später: Was treibt Sie an, sich für Menschen einzusetzen, die auf natürlichem Weg keine Kinder bekommen können?

Als meine Mutter noch lebte, reisten wir nach Bulgarien, und danach begann die dortige Regierung, IVF-Behandlungen zu finanzieren. Das war das erste Mal, dass mir klar wurde: Es hat geholfen, dass ich dort war! Das nächste Mal, als wir nach Bulgarien reisten, hatten sie schon eine Kinderwunschklinik gebaut und ich wurde herumgeführt. Auf dem Flur trafen wir auf eine Mutter, die gerade ihr Kind geboren hatte, und weil Fotograf:innen dabei waren, fragte sie den Arzt, wer ich bin. Nachdem man es ihr gesagt hatte, umarmte sie mich und sagte Danke. Das hat mich zu Tränen gerührt. Auch wenn mich jemand auf der Straße anspricht, was mir in England häufiger passiert, ist das immer positiv, die Menschen bedanken sich. Dann spüre ich, dass es das ist, was ich tun sollte. Und ich mag es, zu helfen und etwas in das System zurückzugeben, aus dem ich entstanden bin.

Haben Sie einen Rat für Menschen, die drohen, an ihrem Kinderwunsch zu zerbrechen? 

Wenn ich an meine Mutter zurückdenke: Sie hat nie aufgegeben. Und dann hat es funktioniert, nach neun langen Jahren. Mein Rat ist daher: Denke positiv und gib nie auf.

Das Interview erschien zuerst auf Eltern.de

Brigitte

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