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Alena Schröder Sinn und Unsinn von Hausaufgaben

Alena Schröder: Junge macht Hausaufgaben
© Fabio Principe / Shutterstock
Alena Schröder hat zwei Söhne, 10 und 13 Jahre alt, und redet sich den Mund fusselig. Zum Beispiel über Sinn und Unsinn von Hausaufgaben.

Sag mal, Schatz, war da nicht noch was mit Mathehausaufgaben? Später? Nee, nee, nee, Sportsfreund, später hast du keine Zeit.

Mach die mal lieber gleich. Doch, am besten jetzt sofort. Morgen früh? Hahaha, das glaubst du doch selbst nicht, dass du morgen eine halbe Stunde früher aufstehst dafür. Na komm, je eher daran, desto schneller davon. Helfen? Muss ich? Ja, okay, klar. Worum geht’s denn? Textaufgaben? Oh Gott, die konnte ich früher nie. Aber machen muss man sie natürlich trotzdem. Doch, doch, so was braucht man später, Schatz, ja, kannst du mir ruhig glauben. Ja, da hab ich jetzt auch kein gutes Beispiel für, aber du musst bei solchen Sachen, die dir keinen Spaß machen, einfach ganz fest daran glauben, dass du dich später mal daran erinnern wirst und dann denkst: Zum Glück habe ich damals gelernt, wie man Textaufgaben löst.

Fang doch einfach schon mal an und schau, wie weit du ohne mich kommst und wenn du Hilfe brauchst …

Ah, okay, du brauchst gleich Hilfe. Gut, dann zeig mal. "Ole und Finn bekommen zusammen 56 Euro Taschengeld. Ole ist älter und bekommt daher 10 Euro mehr als sein Bruder Finn. Wie viel Taschengeld bekommen die beiden jeweils?" Das kommt mir ganz schön viel vor, 56 Euro, ist dein ganzes Mathebuch voll mit Kindern von reichen Eltern? Was kommt als nächstes, Gleichungen lernen mit Erbschaftssteuer-Beispielen? Ole und Finn erben je eine Jacht. Weil Ole älter ist, bekommt er auch die Oldtimer-Sammlung. Wie hoch sind Finns Rechtsanwaltskosten im Erbschaftsstreit? Okay, okay, das war ein Witz.

Dann rechne mal. Also, wie könnte man das lösen? Das habt ihr doch bestimmt schon geübt in der Schule, oder? Nicht? Bist du sicher? Hast du vielleicht nur nicht aufgepasst?

Na gut, dann lass uns das zusammen machen. Schreib doch erst mal das Datum hin und die Seite. Schreibst du bitte ordentlich, Schatz? Nein, das kann kein Mensch lesen. Du hast recht, es ist total ungerecht, dass Ole gleich 10 Euro mehr bekommt als Finn, das kommt mir auch viel vor. Kommt natürlich ein bisschen darauf an, wie viel älter Ole ist. Und was der davon alles bezahlen muss. Vielleicht handelt es sich auch um eine Patchworkfamilie und Ole und Finn sind Halbgeschwister und Ole bekommt von seinem anderen Elternteil auch noch mal extra Taschengeld. Ob die Eltern Ole einfach lieber haben als Finn? Glaub ich nicht. Nee, wir reden jetzt nicht über dein Taschengeld, und wir haben euch beide gleich lieb, das weißt du ganz genau. Wir lösen jetzt diese Aufgabe. Also, schreib mal die Formel hin. Das Taschengeld ist die Variable x. Lass das Handy liegen, konzentrier dich. Nein, wir googeln jetzt nicht die Lösung, das schaffen wir auch so.

Also: Du schaffst das auch so. Ich helfe nur ein bisschen. Ich bin nicht aggressiv, ich will nur, dass du jetzt die Aufgabe löst. Was eine Variable ist?

Ich dachte, das habt ihr in der Schule gelernt. Wieso bekommst du solche Hausaufgaben, wenn ihr das in der Schule nicht vorher geübt habt? Warum bekommt ihr überhaupt Hausaufgaben? Was machen eigentlich die Kinder, die niemanden zu Hause haben, der ihnen das noch mal erklärt? Warum müssen wir nach so vielen Monaten Homeschooling jetzt schon wieder wertvolle Familienzeit mit Schulkram verbringen? Warum wird dieses ganze Schulsystem nicht endlich reformiert und einfach komplett auf den Kopf gestellt? Hey, wo willst du hin? Wir sind hier noch nicht fertig.

Ja, ich finde Hausaufgaben bescheuert, aber gemacht werden müssen sie trotzdem.

Damit du einen Schulabschluss machst und vielleicht Bildungsminister oder so was Ähnliches wirst und dafür sorgen kannst, dass die kommenden Eltern- und Schüler*innen-Generationen nicht mehr mit Hausaufgaben gequält werden.

Brigitte

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