Was Armut mit dir macht

Für viele Familien, besonders für Alleinerziehende, ist Armut eine tägliche Herausforderung. MOM-Bloggerin Christine Finke beschreibt, was das gerade in der Weihnachtszeit bedeutet.

Was Armut mit dir macht - eine unvollständige Liste

Das Blog: Mama-arbeitet.de

Die Bloggerin: Christine Finke ist selbstständige Journalistin und Autorin und lebt mit ihren drei Kindern in Konstanz. Sie nennt sich selbst "extrem alleinerziehend".

Das gefällt uns: Christine möchte nicht nur Erfahrungen teilen, sie will etwas bewegen und traut sich auch an Tabus heran. Ihren Humor verliert sie dabei trotzdem nicht.

1. Du freust dich nicht mehr auf Weihnachten, sondern hast Angst vor dem Kontostand. Zuerst möchten die Kinder einen Adventskalender (keinen selbstgebastelten, sondern Lego, Playmobil oder Filly). Dann brauchst du Nikolausgaben, einen Weihnachtsbaum, Geschenke. 40 Euro pro Kind, das muss reichen.

2. Du heizt nur noch das Bad und das Wohnzimmer, weil die letzte Nebenkostenabrechnung dir eine Nachzahlung von 550 Euro bescherte, obwohl der Verbrauch gegenüber dem Vorjahr nicht gestiegen war. Nur die Preise. In den Schlafzimmern muss es sowieso nicht so warm sein. Und in der Küche auch nicht.

3. Du trinkst ausnahmsweise im Café zwei Milchkaffee, was 5,40 Euro kostet, zum ersten Mal seit Jahren, und rundest auf 6 Euro auf. Und du weißt genau, dass du den Gegenwert von 10 Litern Milch, genauer gesagt, fast 11 Litern, der günstigsten Vollmilch getrunken hast. Für das Geld hättest du auch 2 Mittagessen für die Kinder kochen können. Das schlechte Gewissen verfolgt dich 1 Woche lang.

4. Du sagst den Kindern, sie sollen nicht so lange duschen, oder nicht so oft baden, weil das so teuer ist. Ein Bad kostet 1,50 Euro. Sie wollen aber duschen und baden. Du lässt sie duschen und baden und weißt, dass die nächste Nebenkostenabrechnung kommen wird. Siehe Punkt 2.

5. Der Monat, in dem die Stromabrechnung kommt, bereitet dir schon ein halbes Jahr vorher Bauchschmerzen. Jedes Jahr steigen die Kosten bei gleichem Verbrauch um 10 Prozent.

6. Du kaufst nur noch Kleidung für die Kinder, wenn überhaupt, und dann bei C&A oder H&M, bevorzugt reduziert. Das meiste wird euch geschenkt, und die Dankbarkeit der Kinder über die gebrauchten Klamotten anderer Leute tut dir gleichermaßen weh wie sie dich mit Freude darüber erfüllt, dass sie annehmen können.

7. Du kennst die Preise der Discounter und Supermärkte für fast alle Produkte des täglichen Bedarfs, weil du Spezialistin im Prospekte lesen bist. Und doch weißt du, dass das nur Peanuts sind.

8. Du hast alle No-Name Shampoos und Haarkuren der Discounter ausprobiert und festgestellt, dass die genauso gut sind wie die teuren. Aber billiges Fleisch kaufst du trotzdem nicht. Das ist eklig.

9. Der Gedanke an deine Ehe und die Fehler, die du bei deiner finanziellen Absicherung gemacht hast, bzw. der Gedanke an das Geld und die Rentenpunkte, die ohne den Mann noch deine wären, bereiten dir fast ein Magengeschwür, was die Sache nicht wert ist. Aber gelegentlich, wenn ein Boomerang aus der Vergangenheit dich erwischt, wie ein verlorener Prozess vor dem Oberlandesgericht, verwünschst du deine damalige Naivität. Was dich auch wiederum traurig stimmt.

10. Du gehst nie Essen, du schickst die Kinder öfter zum Frisör als dich selbst (auch nur zweimal im Jahr), und du hast seit Jahren keinen Urlaub mehr gemacht, der diesen Namen verdient.

11. Du warst schon viel zu lange nicht mehr bei der Prophylaxe beim Zahnarzt, weil die 120 Euro kostet. Und die beiden Backenzähne, die gezogen werden mussten, hast du auch nicht durch ein Implantat ersetzen lassen, weil dir das nötige Kleingeld in Höhe von 7.000 Euro fehlte.

12. Du freust dich, dass du ein winziges Auto besitzt, aber du weißt, dass es bald wieder zum TÜV muss und dass es mit 110.000 km und acht Jahren auf dem Buckel nicht mehr ewig bei dir bleiben wird. Genauso wie die Waschmaschine, die zehn Jahre alt ist. Und dein Konto gibt weder Geld für Reparaturen noch für einen Neukauf her. Du verdrängst das.

13. Du gibst noch lieber ab, als du das früher tatst. Weil du weißt, wie sehr sich diejenigen freuen, die von dir etwas geschenkt bekommen. Was du übrig hast, schenkst du her. Du teilst, ohne aufzurechnen. Und du weißt, dass Geld nicht alles ist. Und du freust dich über das, was du hast.


Text von Christine Finke, ursprünglich erschienen auf Mama-arbeitet.de


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Teaserfoto: Kukhmar/shutterstock

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