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Angriff auf die Ukraine Wie rede ich mit meinem Kind über Krieg?

Angriff auf die Ukraine: Wie rede ich mit meinem Kind über Krieg?
© fizkes / Shutterstock
Am 24. Februar 2022 sind russische Truppen in die Ukraine einmarschiert. Es herrscht Krieg in Europa. Die NATO hat unmittelbar nach dem Angriff ihre Verteidigungspläne aktiviert, harte Sanktionen sind eingetreten. Unsere Kinder bekommen mit, dass da gerade etwas in der Welt passiert, was ihre Eltern schockiert, ängstigt und beschäftigt. Und sie haben viele Fragen: Kommt der Krieg jetzt auch zu uns? Wer oder was ist eigentlich die NATO? – Wie können wir als Eltern damit umgehen und die richtigen Antworten auf die Fragen unserer Kinder finden? Eine Orientierungshilfe.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat der Ukraine den Krieg erklärt. Damit ist eingetreten, was viele Expert:innen befürchteten und doch bis zuletzt erhofften, mit diplomatischen Mitteln abzuwenden. Bis Mitte Mai 2022 sind laut Schätzungen des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) rund 6 Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen. Tausende protestieren in Russland gegen den Angriffskrieg. Auch in der restlichen Welt herrscht ein Gefühl von Ohnmacht. Was uns Erwachsene in diesen Tagen bewegt, geht auch an unseren Kindern nicht spurlos vorbei. Die Nachrichten sind voll von schrecklichen Bildern und Meldungen, vor denen wir sie nicht immer schützen können.

Kinder bekommen mehr mit, als wir denken

Es kommt natürlich ganz darauf an, wie alt ein Kind ist, wie viel es schon mitbekommt und wo es die Informationen, die es jetzt beunruhigen, überhaupt aufgeschnappt hat. Kinder haben schon im Kleinkindalter ein sehr sensibles Gespür dafür, wenn etwas in der Luft liegt. Sie merken, wenn die Erwachsenen sich über etwas Sorgen machen oder versuchen, diese zu überspielen. Kinder bekommen mehr mit, als wir oft annehmen. Es sind also nicht nur die Medien, die sie über das Fernsehen oder das Internet konsumieren und erschreckende Bilder, die sie beunruhigen könnten, sondern auch ihr direktes Umfeld.

Sie wissen nicht, dass die Ukraine über 1.500 Kilometer von ihnen entfernt ist.

Mama, Papa, Oma, Lehrer:innen oder Erzieher:innen sprechen über einen Krieg in Europa und darüber, dass Wladimir Putin die Ukraine bombardiert und viele Menschen verletzt werden könnten und darüber, dass Familien bereits auf der Flucht sind. Was Kinder hören? Krieg, Europa, Russland, Bomben, Flucht. Eine mögliche Reaktion? Panik! Und sie haben ganz viele Fragen, mit denen sie alleine noch gar nicht fertig werden können, weil sie diese Begriffe, die so viel Böses vermuten lassen, überhaupt nicht einordnen können. Sie wissen vielleicht schon, dass Deutschland ein Land in Europa ist, Bomben sehr gefährlich sind und dass Menschen vor Krieg fliehen – was das aber für ihre eigene kleine Welt bedeutet, die sie mit den Füßen ab Verlassen der eigenen Haustür betreten, können sie nicht begreifen. Sie wissen nicht, dass die Ukraine über 1.500 Kilometer von ihnen entfernt ist.

Sprecht mit euren Kindern über die Lage in der Ukraine ­– und nehmt ihre Ängste ernst

Wichtig ist, dass wir unsere Kinder mit ihren Fragen nicht allein lassen und ernste Themen nicht künstlich herunterspielen. Wenn eure Kinder also mit Fragen auf euch zukommen, ist es ratsam, dass ihr ihrem Alter entsprechend einfache Antworten formuliert, die ehrlich sind. Kinder dürfen spüren, dass Mama und Papa verunsichert sind und ihnen die Situation auch Angst macht. So zu tun, als sei das alles gar nicht so schlimm, wäre hier keinesfalls der richtige Ansatz. Es würde sie eventuell sogar noch mehr verunsichern – sie spüren einfach, wenn etwas nicht stimmt.

Wir können Kita- und junge Schulkinder nicht ausnahmslos vor negativen Nachrichten schützen 

Sind die Kinder noch sehr klein, gelingt es Eltern noch ganz gut, sie von den Nachrichten abzuschirmen. Man sorgt dafür, dass keine Nachrichtensender im Fernsehen laufen, wenn das Kind dabei ist und verlegt besorgte Gespräche, wenn möglich, in die kinderfreien Zeiten. Spätestens ab dem Kindergarten- und Schulkindalter können Eltern ihre Kinder allerdings nicht mehr so einfach vor besorgniserregenden Nachrichten schützen. Deshalb ist es umso wichtiger, sich mit ihren Fragen und Ängsten auseinanderzusetzen, damit sie sich mit ihren Sorgen nicht allein gelassen fühlen. Älteren Schulkindern, die bereits eine weiterführende Schule besuchen, können Eltern zum Beispiel anbieten, sich gemeinsam die Nachrichten anzuschauen. So können Mama und Papa im Anschluss direkt auf Fragen eingehen und Zusammenhänge erklären, die für das Kind vielleicht noch nicht ganz klar sind.

Überfordert eure Kinder nicht mit zu vielen Informationen

Auch wenn die Großen durch den Geschichts- und Geografieunterricht schon viel gelernt haben, sind sie von Ängsten keineswegs verschont. Es gibt Kinder, die sind vielleicht noch wenig am Weltgeschehen interessiert. Das ist völlig okay! So individuell wie unsere Kinder, sind auch ihre Interessen und ihr Umgang mit belastenden Situationen. Eltern können weiterhin beobachten, wie es ihrem Kind geht und sollten es nicht pro-aktiv mit zu vielen Informationen zum Krieg überfallen. Wenn es die Situation zulässt, könnt ihr euer Kind fragen, ob es mitbekommen hat, was da gerade los ist und anbieten, dass es jederzeit darüber mit euch sprechen kann. Sagt euren Kindern offen, dass ihr auch nicht immer auf alles die richtige Antwort habt, ihr aber gern gemeinsam nach Antworten suchen könnt.

Gemeinsames Engagement kann eurem Kind dabei helfen, die schrecklichen Nachrichten besser zu verarbeiten

Manche Kinder, oft sind es die sensibleren unter ihnen, leiden mit den Kindern vor Ort mit, sobald sie von den schrecklichen Geschehnissen erfahren haben. Sie haben große Angst um die Familien und fühlen intensiv mit. Gegen die Hilflosigkeit hilft ihnen eventuell gemeinsames Engagement. Sei es zusammen in die Kirche zu gehen und Kerzen anzuzünden, Mützen zu stricken oder Care-Pakete zu packen. Anlaufstellen dafür sind in der Regel (Kirchen-)Gemeinden oder soziale Hilfsdienste. 

Im Internet gibt es zudem gute Quellen, die euch und euren Kindern dabei helfen können, die politische Situation besser zu verstehen. Hier haben wir ein paar hilfreiche Links für euch gesammelt:  

Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine einfach erklärt:
www.zdf.de/kinder/logo/russland-ukraine-konflikt-einfach-erklaert-100.html

So funktioniert Europa:
www.geo.de/geolino/mensch/1882-rtkl-europa-wie-funktioniert-europa

Politik für Kinder erklärt:
www.geo.de/geolino/wissen/14506-thma-politik 

Hier könnt ihr euch mit anderen Leser:innen in unserer UrbiaCommunity über eure Gedanken und Gefühle zum Krieg in der Ukraine austauschen. 

Wenn euch oder eure Kinder die aktuellen Nachrichten beunruhigen, findet ihr hier Tipps, wie ihr damit umgehen könnt. 

Dieser Artikel ist ursprünglich bei ELTERN.de erschienen.


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