Rechtsanspruch auf Krippenplatz: Wird jetzt alles gut?

Vom 1. August an haben Eltern kleiner Kinder einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Dann können Mütter ja ab sofort den Karriereturbo einschalten. Oder? Ein Gespräch mit der Autorin Maya Dähne ("Deutschland sucht den Krippenplatz") über Teilzeitfallen, Karriereknick und die ideale Kita.

Ob Krippencasting, Kitastrophe oder "Der heimliche Traum vom Leben als Hausfrau": Die Autorin und Journalistin Maya Dähne schreibt in ihrem neuen Buch "Deutschland sucht den Krippenplatz - mein täglicher Wahnsinn zwischen Kita und Karriere" (176 Seiten, Beltz Verlag) witzig und bissig den Alltag von arbeitenden Müttern in diesem Land. BRIGITTE MOM-Bloggerin Nina Massek (www.frau-mutter.com) hat mit ihr über den neuen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz und die realen Wünsche von Müttern gesprochen.

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Maya Dähne, geb. 1970, ist Hörfunk- und Fernsehjournalistin. Sie lebt mit Mann und zwei Kindern in Berlin.

BRIGITTE MOM.de: Ist eine Rundum-Sorglos-Kinderbetreuung Ihrer Meinung nach der Schlüssel zu mehr Gleichberechtigung in der Arbeitswelt?

Maya Dähne: Ich glaube gute Kinderbetreuung ist dringend nötig, für alleinerziehende Mütter sogar überlebenswichtig. Aber der Schlüssel zu mehr Gleichberechtigung, nein. Irgendwie scheint im Moment alle Welt zu glauben: Wenn wir erst genügend Kitaplätze haben, wird Deutschland ein Mütter-, Kinder- und Familienparadies. Plötzlich stürmen massenweise Mütter die Managerbüros, weil sie ihren Nachwuchs unmittelbar nach der Geburt in die Krippe outsourcen können. Quatsch! Was wir Mütter (und Väter!) dringender brauchen als Rund-um-die-Uhr-Betreuungscenter für unsere Kinder sind familienfreundliche Arbeitszeiten. Im Internet, auf der Webseite des Familienministeriums gibt’s die schon. Aber in der richtigen Welt da draußen herrscht leider nach wie vor die Meinung: Anwesenheit ist Leistung, Karriere wird nach 18 Uhr gemacht und Mütter taugen allenfalls als Teilzeitkraft. Wir brauchen mehr Kitas, ja, aber wir brauchen auch mehr Chefs, für die Familienzeit kein lästiger Kostenfaktor oder Karrierekiller ist. Und Unternehmer, die Frauen nach der Babypause als das einstellen, was sie sind: hochqualifizierte Arbeitnehmerinnen mit Managerqualitäten.

Sie haben beides ausprobiert als Mutter: Teilzeitjob und Vollzeitstelle. Was ist Ihr Favorit und warum?

Mein Traum: Teilzeit-Hausfrau und Vollzeit-Mutter. Nein, im Ernst: Auf den ersten Blick war Teilzeit die perfekte Lösung für mich: Statt 40 Stunden musste ich nur 32 Stunden im Büro sitzen und hatte nachmittags Zeit für die Kinder und das bisschen Haushalt. Mit Kitaöffnungszeiten bis 16 Uhr wären acht Stunden im Büro auch einfach nicht machbar gewesen. Der kleine Haken: die Arbeitsmenge blieb die gleiche. Ich war eine Teilzeitkraft mit Vollzeitjob – und Teilzeitgehalt. Nach einem Jahr Teilzeitjob habe ich es dann als Vollzeit-arbeitende Mama versucht. Eigentlich blieb alles beim Alten: Ich musste noch ein bisschen schneller vom Büro zur Kita rennen – und gelegentlich einen Babysitter anheuern, um jede Woche auf meine 40 Stunden Schreibtischpräsenz zu kommen. Das Blackberry blinkte noch immer bis 21 Uhr und am Wochenende. Aber immerhin: Ich bekam etwas mehr Geld.

Viele Experten sprechen von einer "Teilzeitfalle" für Mütter, sehen Sie das auch so?

Ja! Teilzeitmuttis bekommen entweder irgendwelche unwichtigen Hilfsarbeiten zugeteilt (für die sie meistens völlig überqualifiziert sind) oder sie machen den gleichen Job in Teilzeit, den Kollegen in Vollzeit machen – für weniger Geld. Die Aufstiegschancen für Teilzeitler sind gleich null. Denn wer weniger arbeitet, signalisiert seinem Chef: Es gibt in meinem Leben Wichtigeres als den Job. Wer mit seinen Kindern zum Laternenumzug geht, anstatt sich mit dem Vorstand nachmittags um fünf zur wichtigen Strategiesitzung zu treffen, den nimmt man nicht für voll. Und: Was die Altersvorsorge betrifft, da sieht es richtig düster aus für Teilzeitmütter. Frauen bekommen in Deutschland gerade mal halb soviel Rente wie Männer, weil sie weniger gearbeitet haben. Zehn Prozent der Rentnerinnen leben in Altersarmut!

Schildern Sie doch mal einen Traumjob für eine Mutter, wie könnte der aussehen?

Idealerweise wäre diese Mama wohlhabend, selbständig und sie hätte einen Mann, der sich gerne und überwiegend um die Kinder und das bisschen Haushalt kümmert.

Und wie sieht für Dich die ideale Kita aus?

Eine Mischung aus Villa Kunterbunt, Hopetosse und magischem Baumhaus.

Wie kamen Sie auf die Idee, das Buch zu schreiben?

Ich bin in meinem Freundeskreis berüchtigt für meine bissigen und bitterbösen Vorträge über Teilzeitmamas, Vollzeitjobs, Kinder, Kitastrophe und Karriereknick. Irgendwann sagten immer mehr Leute: "Maya, Du musst in die Politik – oder ein Buch schreiben." Ich hab mich dann fürs Buch entschieden.

Mehr über die Nina Massek und ihr Blog "Frau Mutter" lesen Sie in unserer großen Blogsammlung BRIGITTE MOM Blogs

Interview: Nina Massek Teaserbild: 2xSamsara.com/Fotolia.com
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