Der unglaubliche Moment einer Geburt - zu nackt für Facebook?

Eine Mutter hält voll Stolz ihr Baby in den Händen - doch Facebook ging dieses Bild zu weit. Viele Menschen sind empört darüber: Was sagt das aus über unser Verhältnis zu Frauenkörpern?

Ja, keine Frage: Auf diesem Foto ist eine nackte Frau zu sehen. Und dass Bilder von nackten Frauen auf Facebook sofort gesperrt werden, ist allgemein bekannt. Dass dieses Bild sofort gesperrt wurde, ist aber trotzdem ausgesprochen seltsam: Es wurde innerhalb einer geschlossenen Gruppe veröffentlicht, die sich ausschließlich mit den Themen Schwangerschaft und Geburt befasste.

Zu schnell für die Geburtshelfer

Die Frau auf dem Bild heißt Francie, betreibt eine Website, auf der sie über "manuelles Milchabpumpen" informiert (themilkinmama.com) - und war von ihrer Blitzgeburt selbst etwas überrumpelt.

Die Entbindung ging so schnell, dass die für die Hausgeburt gerufenen Hebammen vor vollendete Tatsachen gestellt wurden: Alles schon erledigt, Mutter und Kind in bester Laune. Da ihr so schnell niemand helfen konnte, nahm Francie die Sache mal eben selbst in die Hand, kniete sich auf ihr Bett und schaffte es tatsächlich, ihr Baby ganz allein auf die Welt zu bringen.

Ihr schnell herbeigerufener Mann, schaffte es mit Mühe und Not wenigstens ein paar Fotos der Geburt zu schießen - und so entstand dieses Bild von dem einzigartigen Moment, in dem Francie ihre Tochter überglücklich auf diesem Planeten begrüßt.

"Das ist zu nackt!"

Das alles liegt inzwischen knapp ein Jahr zurück und Francie stellte das Foto zum Jubiläum in einer geschlossenen Geburtsdiskussions-Gruppe auf Facebook online ("Mein Herz sagt mir, dass ich das Bild teilen soll, das Gefühl von Stärke, das mir diese Geburt geschenkt hat, soll auch anderen Frauen Kraft geben.")

In diesem Zusammenhang eigentlich kein Drama - immerhin war die Gruppe nicht öffentlich einsehbar, und das Foto war vergleichsweise harmlos (selbst preisgekrönte Geburtsfotos zeigen wesentlich mehr Blut und andere Körpersubstanzen, als hier zu sehen sind).

Trotzdem wurde das Bild innerhalb einer Stunde nach einer Beschwerde gelöscht und Francie komplett von Facebook ausgesperrt. Die Richtlinien des Netzwerks waren auch in geschlossener Gesellschaft unerbittlich: Nackt ist gleichbedeutend mit Sex und gehört verboten und muss sofort weg - so die Begründung.

Francie war schockiert, durfte sich aber schließlich wieder bei Facebook anmelden und zurück in ihre Gruppe - nachdem sie noch ein paar weitere, völlig harmlose, Fotos löschen musste.

Nackt ist eben nicht gleich nackt

Das Problem ist: Für Facebook ist nackte Haut immer gleichbedeutend mit Pornografie. Dass ein Frauenkörper auch außerhalb von Sex mal nackt ist, ist da völlig egal. In der Vergangenheit wurden aus diesem Grund auch viele Fotos von stillenden Müttern automatisch geblockt. In diesem Punkt hat sich Facebook zum Glück etwas weiterentwickelt - vielleicht wird man auch bei Fotos von Müttern und Kindern irgendwann etwas entspannter (erst recht in geschlossenen Gruppen, die nicht öffentlich einsehbar sind).

Dieser Moment zwischen Francie und ihrer Tochter ist voller Glück, Stolz und einem noch nie zuvor gespürtem Gefühl von Liebe - ist es da wirklich noch wichtig, dass sie nackt ist?

heh
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