Der wahre Grund, warum ich mein Kind im "Småland" abgebe

Gute Mütter gestalten die Freizeit ihrer Kinder sinnvoll. Sarah nicht immer: Manchmal gibt sie ihre Tochter bei IKEA ab - und trinkt mit ihrer Freundin Sekt in der Cafeteria.

Meine Freundin Wiebke und ich treffen uns jeden Donnerstag, seit unsere Kinder auf der Welt sind. Unsere beiden großen Töchter sind jetzt acht Jahre alt, Wiebke hat noch ein jüngeres Kind.

Irgendwann haben wir angefangen, uns bei diesen Treffen schon am Nachmittag ein Glas Prosecco zu gönnen. Ich bin alleinerziehend, Wiebkes Mädels kamen dicht hintereinander – da muss man als Mutter einfach mal fünfe gerade sein lassen. Den Kindern machen wir es schließlich immer schön, aber manchmal wollen wir Muttis auch ein bisschen Spaß haben.

Vor ungefähr zwei Jahren eröffnete IKEA dann bei uns in Hamburg sein erstes Innenstadt-Möbelhaus. Da sind wir alle zusammen an einem verregneten Nachmittag hin, um ein bisschen einzukaufen und mit den Kindern Fleischbällchen zu essen.

Zuhause hätten wir den Prosecco geöffnet - aber hier?

Die Mädels wollten unbedingt noch ins "Småland", also die Kinderbetreuung mit dem Bällebad. Uns war das recht, da konnten wir sie abgeben und im Restaurant ungestört reden. Wären wir in dem Moment bei einer von uns zu Hause gewesen, hätten wir genau dann den Prosecco geöffnet. Aber hier, mitten in einem Selbstbedienungsrestaurant mit Kaffee aus dem Automaten? Verkauften die hier überhaupt Alkohol? Nun ja – tun sie.

Tatsächlich entdeckten wir in einer kleinen Ecke zwischen den Kühltheken ein paar Flaschen Weißwein und Sekt. Nichts Tolles, aber zum Anstoßen reichte es. Also setzten wir uns zwischen all die anderen Familien, Paare und Senioren mit ihren Pommes, jede ein Sektglas in der Hand, und stießen an. Die Telefone, die uns die „Småland“-Mitarbeiter mitgegeben hatten, falls etwas mit den Kindern sein sollte, auf dem Tisch.

Seitdem gehen wir mindestens einmal im Monat zu IKEA, liefern die Kinder im Bällebad ab und holen uns ein Fläschchen Sekt. Maximal neunzig Minuten dürfen wir die Kinder in der Betreuung lassen, dann müssen wir sie wieder abholen.

Wir reden über alles, was sonst zu kurz kommt

Diese eineinhalb Stunden kosten wir aus: Wir reden über alles, nur nicht über unsere Kinder. Wir besprechen Probleme, Sorgen und Glücksmomente, reden über unsere Arbeit, unsere Träume, unsere Männer. Über all die Dinge, die sonst oft zu kurz kommen.

Ich habe in einer schwierigen Phase auch schon mal Rotz und Wasser im Restaurant geheult. In dieser Zeit geht es einfach nur um uns – ein bisschen so wie in unserem alten Leben, vor den Kindern. Und ein, zwei Gläschen Blubberwasser helfen natürlich, uns in diese wilde, freie Stimmung zurückzuversetzen. Beschwingt im wahrsten Sinne des Wortes holen wir dann unsere Mädels ab, um gesittet mit ihnen ihre geliebten Fleischbällchen essen zu gehen. Wiebke und ich sind dann in der Regel etwas kicheriger unterwegs, aber das merken die Kinder gar nicht. Wir reißen uns auch am Riemen. Anständige Mütter halt. Und die obligatorischen Teelichter und Servietten kaufen wir auch immer.

Ich liebe diese kleine Auszeit!

Ich freue mich jedes Mal riesig auf unsere kleine Auszeit – und tatsächlich ganz besonders darauf, mal nicht von den Kindern unterbrochen zu werden. Das gibt es ja sonst am Nachmittag nie für uns. Ich habe als Alleinerziehende einen anstrengenden Alltag, arbeite fast Vollzeit und wuppe unser Leben im Alleingang. Alles, was mich kurz und effektiv aus diesem Hamsterrad herausholt, ist mir willkommen. Dafür nehme ich auch in Kauf, dass ich mich am Donnerstagabend um zwanzig Uhr mit einem kleinen Kater ins Bett lege.

Ganz so skrupellos wie andere Eltern, von denen wir schon gehört haben, sind Wiebke und ich übrigens nicht: Die liefern ihre Kinder im "Småland" ab und machen, dass sie rauskommen bei IKEA, um dann erst mal ganz in Ruhe zum Friseur zu gehen oder Klamotten zu shoppen. Wenn deren Kind zwischendurch abgeholt werden möchte, ist kein Elternteil zur Stelle. Ich schon.

Eure Meinung, bitte!

keine Bildunterschrift

Das Kind in der Kinderbetreuung abgeben, um selbst ein bisschen Spaß zu haben - ein No-Go? Oder macht ihr so etwas sogar selbst ab und zu? Wir sind gespannt auf eure Meinung und Erfahrungen - teilt sie uns mit im MOM-Forum..

Ein Artikel aus BRIGITTE MOM Heft 2/2016
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