Bumerang-Kinder: Wenn Erwachsene wieder bei ihren Eltern einziehen

Hohe Wohnkosten, Scheidung, Arbeitslosigkeit: Immer mehr erwachsene Kinder ziehen wieder bei ihren Eltern ein. Welche Auswirkungen hat der Bumerang-Effekt auf das Wohlbefinden der Beteiligten?


Es ist ein Zufluchtsort, an dem man idealerweise stets willkommen ist: das allseits beliebte Hotel Mama. Blöd nur, wenn aus einem kurzfristigen Aufenthalt ein dauerhafter Wiedereinzug wird. Dann nämlich, so das Ergebnis einer aktuellen Studie, leidet das Wohlbefinden von Eltern und Kindern.

Der sogenannte Bumerang-Effekt tritt auf, wenn erwachsene Kinder, die schon jahrelang eine eigene Wohnung bezogen haben, plötzlich wieder auf der elterlichen Fußmatte stehen. Mit Sack und Pack suchen sie Zuflucht vor den Widrigkeiten der Welt: unbezahlbare Mietpreise für Alleinstehende, schmerzhafte Trennungen inklusive Wohnungsverlust, abgeschlossene Studien und keine Aussicht auf einen Arbeitsplatz oder die Wiederkehr nach einem Auslandsjahr und (noch) kein Plan, wie es weitergehen soll. All das sind Gründe für den Bumerang-Effekt, der mehrheitlich in der westlichen Welt auftritt, etwa in den USA, Kanada oder Großbritannien.

Bumerang-Kinder: Folgen für die Eltern

Doch welche Auswirkungen hat die Rückkehr ins heimische Nest auf Eltern und Kinder? Die traurige Antwort lautet: eine sinkende Lebensqualität – in erster Linie für die Eltern. Das fanden kürzlich Forscher heraus, die ihre Studie im Fachmagazin Social Science & Medicine veröffentlichten. Über acht Jahre lang beobachteten sie das Bumerang-Verhalten erwachsener Kinder in 17 europäischen Staaten. 

Unabhängig vom Grund, warum die Kinder wiederkehrten, verschlechterte sich die Lebensqualität der Eltern nach dem Einzug der Kinder. Das trifft allerdings bloß dann zu, wenn das Nest zuvor schon leer war, also auch jegliche Geschwister außer Haus wohnten.

Grund für die verschlechterte Lebensqualität ist die neu erworbene Freiheit der Eltern, sobald ihre Kinder flügge werden. Nach kurzer Trauerzeit suchen sie sich neue Hobbys, lassen alte Freundschaften wieder aufleben, schleichen sich neue Gewohnheiten ein. Kommt das erwachsene Kind wieder auf heimischen Boden zurück, macht es ihnen häufig einen Strich durch die Rechnung: Der neu erworbene Alltag ist passé.

Eine Verringerung der Lebensqualität tritt laut der Forscher allerdings nur dann auf, wenn keine Geschwisterkinder mehr im elterlichen Haushalt leben. Ist dies nämlich doch der Fall, hat ein Bumerang-Kind keinerlei negative Auswirkungen auf die Eltern – schließlich haben sie ihren Alltag noch nicht auf "kinderfrei" umgestellt.

Wie fühlt sich die Bumerang-Generation?

Für das Bumerang-Kind selbst ist ein Wiedereinzug ins Elternhaus ebenfalls nicht nur mit Annehmlichkeiten verbunden. Die erworbene Freiheit gegen vorgeschriebene Essenszeiten und weitere Verpflichtungen wieder einzutauschen, ist nicht jedermanns Sache. 

Hinzu kommen die unterschiedlichen Ansichten, Gewohnheiten aber auch der Geräuschpegel, der sich in der ein oder anderen Familie durchaus unterscheiden kann vom Leben im Eigenheim. Konflikte und Stress lassen in einem Mehrgenerationen-Haushalt nicht lange auf sich warten.

Neben all den negativen Konsequenzen kann ein – zeitlich begrenzter – Wiedereinzug aber auch positive Effekte auf die "Kinder" haben. Sie verspüren das Gefühl von Sicherheit, ganz gleich, was das Leben mit sich bringt. Und gerade dieser elterliche Halt kann dem Bumerang-Kind neue Kraft verleihen, um selbstständig durchzustarten und das Elternhaus wieder zu verlassen. Bestenfalls für immer.

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kao

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