Lila Schmetterling: Eine kleine Hilfe für ein schlimmes Schicksal

Kleine Schmetterlings-Sticker auf einer britischen Kinderstation wirken niedlich, haben aber einen tieftraurigen Hintergrund.

Ein kleiner Sticker klebt an dem Kinderbettchen, auf den ersten Blick ein niedlicher Tier-Aufkleber, der die Kinderstation des englischen Kingston Hospitals etwas bunter und freundlicher machen soll.

Doch der Hintergrund ist ernst: Der Aufkleber ist ein Signal, dass dieses Neugeborene mit einem Geschwisterkind auf die Welt gekommen ist, das die Geburt nicht überlebt hat.

Die Idee des lila Schmetterlings stammt von einer Mutter, die dieses Schicksal selbst durchmachen musste: Milli Smith war selbst Mutter von Zwillingen, doch leider nur sehr kurz. Schon in der Schwangerschaft stellten die Ärzte fest, dass ihre Tochter Skye aufgrund einer nicht komplett geschlossenen Schädeldecke die Geburt nicht überleben würde. Milli beschloss, beide Kinder auszutragen, um wenigstens ihrer anderen Tochter Callie das Leben schenken zu können.

"Wir waren beide am Boden zerstört", so Milli gegenüber dem Portal Babble über die schweren Monate, die sie mit ihrem Partner durchleben musste. "Zu wissen, dass ich beide Kinder austrage, nur um direkt danach Abschied nehmen zu müssen, war sehr hart. "

Trauriges Kind

Abschied von einer kleinen Kämpferin

In der 30. Schwangerschaftswoche setzten dann bei Millie die Wehen ein, und die Kinder mussten per Not-Kaiserschnitt auf die Welt gebracht werden. Sie war von den Ärzten darauf vorbereitet worden, dass Skye höchstens wenige Minuten am Leben sein würde, und in dieser Zeit auch keinerlei Reaktionen oder Bewegungen machen könnte.

Doch die kleine Skye schenkte ihren Eltern zum Abschied ein kleines Wunder: "Sobald sie da war, fing sie an zu weinen", so Smith über den kostbaren Augenblick mit ihrem Baby. "Das war der surrealste Moment meines Lebens. Sie weinte, bewegte die Arme und war wie ein ganz normales Baby. Es war tausendmal besser als alles, was ich erwartet hatte."

Für einen kurzen Moment durfte die Familie tatsächlich komplett gemeinsam sein, und sich länger von Zwillingsschwester Skye verabschieden, als alle für möglich gehalten hatten: Drei Stunden konnten Millie und Lewis, der Vater der beiden, sich mit Skye in einem Spezialraum der Klinik mit ihrer Tochter zusammenkuscheln. "In dieser Zeit war einfach alles perfekt", erinnert sich Millie. "Lewis konnte sogar mit Skye zu ihrer Zwillingsschwester Callie gehen und sie nebeneinander in den Inkubator legen, bevor sie verstarb."

Ein unschuldiger Kommentar, der für tiefen Schmerz sorgt

Lange, nachdem Skye vestorben war und Millie mit ihrer anderen Tochter Callie in der Klinik lag, machte eine andere frischgebackene Mutter einen harmlosen Kommentar, der Millies Herz in Stücke riss - und die Idee der lila Schmetterlinge entstehen ließ.

"Keiner der anderen Patientinnen wusste von Syke und was passiert war", erzählt Smith über den Vorfall. "Es war ein unschuldiger, lustig gemeinter Spruch. Eine Zwillingsmutter deren Babys weinten, drehte sich zu mir hin und sagte: 'Du hast echt Glück, dass du nur eins hast!' (...) Der Kommentar hat mir fast den Rest gegeben. Ich rannte tränenüberströmt aus dem Zimmer, und niemand wusste, warum. Ich konnte ihnen einfach nicht noch erklären, was passiert war. Ein kleiner Sticker hätte die Situation verhindert."

Ein lila Schmetterling für ein schwieriges Schicksal

Die Kingston Klinik setzte Millies Idee mit den Aufklebern prompt um. Inzwischen sammelt Milli mit ihrer Crowdfunding-Kampagne Geld, um die Sticker auch an weitere Krankenhäuser verteilen zu können. Dabei bekommt sie viel Zuspruch von anderen Müttern, die ein ähnliches Schicksal teilen. Die Kennzeichnung mit dem Schmetterling hilft nicht nur, andere Patientinnen für die jeweilige Familie zu sensibilisieren - auch das Krankenhauspersonal, dass in rotierenden Schichten arbeitet, weiß dann sofort was los ist, und die traumatisierten Eltern müssen nicht immer wieder aufs Neue erklären, was vorgefallen ist.

Milli und Lewis sind inzwischen mit ihrer Tochter Callie zu Hause, und konnten sich noch einmal mit einer Beerdigung von Skye verabschieden.

Auch wenn die gemeinsame Zeit nur sehr knapp war, war doch jede Sekunde eine bewusst erlebte Kostbarkeit, die niemand in ihrer Familie jemals vergessen wird.

Milli und Lewis auf der Beerdigung von Skye

heh
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