Corona aktuell: So habe ich das Virus meinem Kind erklärt

Die Coronakrise stellt Eltern gerade vor eine besondere Herausforderung. Wie erklärt man einem Kind, was gerade mit der Welt los ist? Autorin und Mama Sandra Frommhold erzählt, wie sie es angegangen ist.

Es war einmal ein Virus – wie erklärt man Kindern Corona?

„Wann kann ich endlich wieder in den Kindergarten?“ Früher Morgen. Unsere 4-jährige Janne steht angezogen mit Rucksack und verstrubbelten Haaren im Schlafzimmer. Der Wecker zeigt 4.30 Uhr. Die Zeit, in der man alles machen kann, außer wieder einschlafen!

Ich freue mich, dass das eigenständige Anziehen endlich mal geklappt hat und trotzdem rutscht mir raus: „Du bist noch nicht gekämmt.“ Daraufhin schlüpft Janne zu mir ins Bett und fragt eindringlicher: „Wann kann ich wieder in den Kindergarten, M-a-m-a?“ Sie betont es, als wäre ich verantwortlich! Aus dem Kissen daneben grunzt es knurrend.

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Ich reibe mir den letzten Krümel Schlaf aus den Augen, ziehe Janne zu mir ran und überlege, wie ich ihr die Situation im Lande am besten erklären kann. Eigentlich hätte ich das schon vor einer Woche tun sollen, als der Kindergarten wegen der Pandemie geschlossen wurde, aber irgendwie hatte ich gehofft, dass Thema würde an uns vorüberziehen und Janne die nächsten fünf Wochen mit ihren Geschwistern zu Hause so viel Spaß haben, dass sie gar nichts vermisst. Na ja, Spaß hatten wir bisher keinen, aber Kampf und Motzgesichter reihum und immer noch ungeklärt, was Corona bedeutet.

Auf meinen Mann konnte ich dabei nicht hoffen. „Corinna wä` mir lieber,“ war nur beim ersten Mal lustig.

Die Augen meiner Tochter starren mich im halbdunklen Schlafzimmer groß an. Heute gibt es kein Zurück.

„Es war einmal ein kleiner Virus. Der lebte in und mit den Tieren und wurde wenig von den Menschen beachtet. Da der Mensch aber leider Tiere isst…“ Jannes Augen weiten sich entsetzt. Sie mag kein Fleisch essen, das ist jedes Mal ein Theater!

Okay nochmal! „Es war einmal ein Virus, der hieß Corona. Corona lebte bei den Tieren, erst als es ihm dort zu langweilig wurde, gesellte er sich zu den Menschen. Immerhin hatten die es viel lustiger. Sie kamen in der Welt herum, hatten Hobbys wie Fußballspielen und Reiten und konnten Bücher lesen und hatten Fernsehen.“ „Und Handys…“ Gut, ich merke, ich bin auf dem richtigen Weg!

„Corona besuchte erst die Menschen in China, weil die ganz dicht beieinander wohnen und da ist immer ganz viel los, wenn viele Menschen beisammen sind. Aber irgendwann wurde es ihm dort zu langweilig und er kam nach Europa, nach Italien, das fand er spannend. Erst war er nur in den Fabriken im Norden des Landes, aber dann kam er zum Petersdom, zum Vatikan, zum Trevi-Brunnen…Die Stadt Rom fand er toll.“

Mein Mann schaut entsetzt aus seinem Kissen auf. Okay, vielleicht zu euphorisch. Ich selbst liebe die ewige Stadt und könnte mir gerade einen Besuch auf einem leergefegten Petersplatz sehr gut vorstellen. Na gut, lieber nicht!

„Und dann kam Corona nach Deutschland, zu uns.“ Janne kuschelt sich gähnend an mich. Ich bin immer noch richtig. „Er besuchte natürlich auch in Deutschland erst die Menschen, die ganz eng beieinander wohnten, weil da so viel los war. Er besuchte, die Kleinen, die Großen, die Jungen und leider auch die Alten. Doch den Alten und Kranken bekam der Besuch nicht gut. Weil Corona, nämlich ein Virus war, ein Gast, der leider auch ein bisschen länger bleibt und Fieber und Halsschmerzen mit sich bringt. Das wusste man in Deutschland auch schon durch die Nachrichten aus China und Italien. Also erklärten die Chefin von Deutschland und ihre Minister in den einzelnen Regionen des Landes, das es gut ist, wenn man Orte, wie Schulen, Kindergärten und zum Beispiel auch Altenheime schließt, damit Corona nicht zu viel Spaß hat. Sondern einfach auch mal an einem Ort bleiben kann. Menschen, vor allem alte und kranke, müssen besonders geschützt werden, damit Corona nicht als Gast bleibt, denn wenn Corona bleibt, zieht er so viel Lebenskraft aus ihnen, dass sie sterben müssen. Bei jungen Menschen kann das nicht passieren, weil Kinder und Menschen wie Mamas und Papas ein besseres Immunsystem haben…“

„Durch das viele Gemüse…,“ murmelt Janne schläfrig, „…das wir essen. Aber es ist wichtig, die Alten und die Kranken zu schützen, deshalb darf man auch nicht mehr ins Altenheim zu Tante Gudi bzw. nicht mehr zu McDonalds gehen…“ 

„…was wir eh` nicht machen“ murmelt es aus dem Kissen und ich spüre einen alten Konflikt.

„…und deshalb“, fahre ich unbeeindruckt fort: “…hat der Kindergarten geschlossen und alle Kinder spielen für eine Weile zu Hause, bis Corona merkt, dass es eigentlich ganz langweilig bei uns ist und wieder geht.“

Zufrieden rutsche ich unter meine Decke, für mich ist die Geschichte rund! Der kleine Körper neben mir atmet tiefenentspannt. Mein Mann rührt sich nicht, träumt wahrscheinlich von Corinna. Im Kinderzimmer nebenan wird die Türe aufgerissen, mein Sohn stürzt ins Badezimmer und ich höre ihn in die Toilette würgen. Na großartig, hoffentlich hat er keine Spuren im Flur hinterlassen. Leise ziehe ich meinen Arm von Janne weg, schlurfe ins Bad und kümmere mich, begleitet vom einsetzenden Schnarchen meines Mannes, um den Besuch unseres unverhofften Gastes, Magda. Es war einmal ein Virus…

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Wer hier schreibt:

Sandra Frommhold
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