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Elternzeit für Väter: So schwer haben es Männer!

Elternzeit für Väter: Mann hält Baby
© Halfpoint / Shutterstock
Heiner Fischer, 36, wollte nach der Geburt seiner Tochter für sieben Monate in Elternzeit und danach in Teilzeit zurückkommen. Wie erbittert der Sozialarbeiter dafür würde kämpfen müssen, das hatte er nicht geahnt. 

Es fing in der Schwangerschaft an. Ich wollte meine Frau zu den Vorsorgeuntersuchungen begleiten. "Na klar", sagte mein Chef beim ersten Termin, "haben wir auch gemacht, total wichtig." Als ich mir aber für den zweiten und dritten Ultraschall Urlaub nehmen wollte, hieß es: "Irgendwer muss hier auch noch arbeiten. Deine Frau ist nicht krank, sie kriegt nur ein Kind."

Vier Jahre ist das jetzt her. Ich war Bildungsreferent bei einem Sportverband. Ein sehr männliches Umfeld. Alles für den Club. Kein Mann in unserer Geschäftsstelle hatte jemals länger als zwei Monate Elternzeit genommen. Und offenbar hatten alle von mir das Gleiche erwartet.

Das wurde mir spätestens klar, als ich meinem Chef die Anmeldung zur Elternzeit auf den Tisch legte: Sieben Monate hatten meine Frau und ich vereinbart. Sie arbeitet als Rehabilitationspädagogin mit Schlaganfallpatienten. Ein tougher Job, der ihr viel gibt. Ihr war es sehr wichtig, dass sie auch mit Kind nach einem halben Jahr wieder arbeiten gehen konnte. "Super", dachte ich mir, "dann übernehme eben ich." Ich würde ein präsenter Papa für meine Tochter sein. Mein eigener Vater hatte eher durch Abwesenheit geglänzt.

Dass heute jeder Mann meint, auch noch Hausfrau werden zu müssen

Es war der perfekte Plan. Mein Chef sah das anders: Was mir denn einfallen würde. Wie ich ihm das antun könne. Er stimme diesem Antrag nicht zu. Ich erklärte ihm vorsichtig, dass dies rechtlich gar nicht möglich sei – und wurde ab sofort zur Persona non grata. Systematisch schob man mich aufs Abstellgleis: Informationen wurden mir nicht mehr weitergegeben, zu Sitzungen wurde ich erst gar nicht eingeladen oder lief dort regelmäßig mit meinen Ideen auf. Selbst bei Kolleginnen!

Für mich, den nervigen Störenfried, hatte man jetzt immer eine Spitze übrig: "Dass heute jeder Mann meint, auch noch Hausfrau werden zu müssen", wurde im Sekretariat gezischt. Einmal "vergaß" man sogar, mir meinen Lohn zu überweisen. Ständig kamen Sticheleien. Anfangs versuchte ich mich noch zu erklären. Nach ein paar Monaten gab ich auf und machte nur noch Dienst nach Vorschrift.

Vom ständigen Psychostress bekam ich Herzrhythmusstörungen. Der Beginn meiner Elternzeit war eine echte Erlösung. Ich war so verletzt, so verzweifelt. Sicher hatte auch ich Fehler gemacht, hatte meine Pläne nicht von Anfang an klar genug kommuniziert. Und die Hackordnung nicht genügend respektiert. Ob das wirklich etwas geändert hätte? Ich habe ja das komplette Rollen- und Weltbild der Männer um mich herum infrage gestellt. Sie haben mich bekämpft, damit sie sich nicht ändern mussten.

Die "traditionellen" Strukturen müssen sich ändern

Kurz hatte ich Hoffnung, als während meiner Elternzeit die Geschäftsführung wechselte. Aber der neue Chef war schon "eingenordet" – und lehnte meinen Wunsch, in Teilzeit zurückzukommen, ab. Ich kündigte. Es tat weh, ich hatte den Job sehr gern gemacht. Zum Glück fand ich schnell eine neue Stelle, bei der es kein Problem war, "nur" 20 Stunden zu arbeiten.

Als unser zweites Kind auf dem Weg war, freuten sich die Kolleg*innen mit mir – selbst als ich meine Elternzeit auf zwei Jahre verlängerte. Bis September 2021 bin ich noch Hausmann in Vollzeit. Meine Frau arbeitet 30 Stunden, ich kümmere mich um Ida, 3, und Karl, 1, und blogge (vaterwelten.de), wenn die Kleinen schlafen. Ich hoffe sehr, dass es bald selbstverständlicher wird, dass Väter genauso wichtig für die Familie sind wie Mütter. Dafür müssen sich die Strukturen ändern, aber auch wir Männer sollten mutiger und offensiver nach vorne gehen. "Ich muss doch die Familie ernähren" – wenn ich das schon höre! Väter, nehmt euch nicht so wichtig! Meine Frau ernährt uns vier gerade sehr gut.

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