Öffentliches Stillen: Dänische Mütter protestieren

Hunderte Mütter versammelten sich vergangene Woche zum "Protest-Stillen" vor dem Rathaus in Kopenhagen. Anlass war eine Entscheidung des dänischen Gleichstellungs-Ausschusses, der öffentliches Stillen als unsittlich bezeichnete. Wir haben mit der Bloggerin Trine Larsen gesprochen, die die Aktion initiiert hat.

Stillender Protest: Hunderte Frauen kamen letzte Woche in Kopenhagen zusammen, um für mehr Toleranz für stillende Mütter zu demonstrieren

BRIGITTE-MOM.de: Wie haben Sie es geschafft, Hunderte Mütter dazu zu bewegen, mitten auf dem Kopenhagener Rathausplatz ihre Brüste auszupacken?

Trine Larsen: Es war tatsächlich gar nicht so schwer! Ich schreibe ein Blog über das Mutter-Sein und das Leben mit meinem fünf Monate alten Sohn. Das Blog lesen etwa 1500 Leute täglich. Darin hatte ich schon mehrmals über das Stillen geschrieben. Als die Debatte vor zwei Wochen wieder hochkochte, beschloss ich mich einzumischen. Ich schrieb ein paar neue Posts und lud meine Leser via Facebook und Instagram zu einer gemeinsamen Protestaktion auf dem Rathausplatz ein. Dass so viele Frauen, Babys und Brüste auftauchten, hat mich aber trotzdem überrascht. All diese Menschen kamen, nur weil ich es ihnen gesagt hatte? Das war toll, aber auch fast ein bisschen beängstigend.

Die Dänin Trine Larsen, 28, ist Mutter von Baby Alfred und schreibt das Blog lortemor.com

Was genau hat die Debatte ums öffentliche Stillen ausgelöst?

Vor zwei Jahren wurde eine Frau aus einem Kopenhagener Café geschickt, weil sie dort ihr Kind gestillt hatte. 'Stillen ist hier nicht üblich', sagte ein Kellner zu ihr. Die Frau beschwerte sich beim dänischen Ausschuss für Gleichstellung, und dieser entschied jetzt im Mai, dass es keine Diskriminierung war, sie aus dem Café zu schicken. Der Ausschuss kam auch zu dem Schluss, dass es generell nicht gegen das Recht verstoße, Frauen das Stillen in Cafés oder Restaurants zu verbieten. Begründet wurde das damit, dass das Stillen immer auch eine Form von unsittlicher Entblößung sei und dass die persönlichen Grenzen der anderen Kunden berücksichtigt werden müssten. Kurz gesagt: Es ist nun allen Cafés und Restaurants erlaubt, Frauen das Stillen zu verbieten.

Und das hat Sie geärgert.

Ja. Ich entschied, einen Still-Protest zu organisieren, der zeigt, dass man sein Baby auch sehr diskret stillen kann und dass sehr viele Frauen von dieser Maßgabe betroffen sind. Ich wollte so viele Frauen wie möglich zusammenbringen, die zeigen, wie unglücklich wir mit der Entscheidung des Ausschusses, aber auch mit der generellen Richtung unserer Gesellschaft sind: Dass Stillen als etwas Anstößiges betrachtet wird, was hinter geschlossene Türen gehört, am besten ganz nach Hause.

Wie kann denn der Konflikt zwischen Müttern und Still-Gegnern gelöst werden?

Durch Gesetze jedenfalls nicht. Ich denke, die Einstellung der Menschen muss sich ändern, und das hofften wir, mit dieser Aktion zu erreichen. Ich habe viele E-Mails von jungen Müttern und schwangeren Frauen bekommen, die Zweifel bekamen, ob sie ihr Kind überhaupt stillen sollten. Das war für mich das Schlimmste an dieser Debatte. Das Stillen darf doch nicht dazu führen, dass sich Mütter Sorgen machen, andere Menschen damit zu belästigen. Es darf doch nicht sein, dass Mütter gezwungen sind, mit dem Baby zu Hause zu bleiben, nur weil sie sich nicht in ein Café trauen. Wir Mütter können keine Sonderbehandlung vom Rest der Gesellschaft erwarten - aber wir wollen uns natürlich willkommen fühlen und nicht ausgeschlossen!

Haben Sie selbst in der Öffentlichkeit gestillt?

Ja, meinen Sohn Alfred habe ich drei Monate gestillt (danach wurde sein Appetit zu groß für mich) und ich habe es immer mit Stolz gemacht. Probleme habe ich deshalb nie bekommen. Aber ich habe viele Situationen beobachtet, in der sich andere Leute von stillenden Frauen offensichtlich gestört fühlten. Und das ist doch eine Schande! Wer eine Frau nicht beim Stillen zugucken will, der soll doch einfach wegschauen.

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