Die Ärzte gaben Chloe 11 Mal auf - doch sie kämpfte sich ins Leben

Nicht einmal 900 Gramm wog Chloe, als sie auf die Welt kam. Die Ärzte sagten Mama Leanne elf Mal, sie müsse sich verabschieden - doch die Kleine überlebte!

Dass Chloe Sawyer heute als fröhliches und gesundes kleines Mädchen die Welt entdecken kann, gleicht einem Wunder: Schon in der 25. Schwangerschaftswoche brachte ihre Mutter Leanne sie zur Welt - sie wog damals weniger als 900 Gramm und war nicht mehr als eine Handvoll Leben.

Das Drama begann am 18. Mai 2011 im britischen Manchester, als bei der damals 29-jährigen Leanne die Fruchtblase platzte und sie hohes Fieber bekam. Durch eine Infektion hatte sich Wasser in ihrer Lunge gesammelt und ihre Nieren versagten. "Um ein Haar wäre ich gestorben", erzählt die dreifache Mutter gegenüber der Sun.

Die Ärzte sagten ihr noch vor der Geburt, dass die Überlebenschancen ihrer Tochter gering seien - und das nicht nur, weil sie 15 Wochen zu früh zur Welt kommen würde. Leannes Infektion müsse sich unweigerlich über das Blut auf Chloe übertragen haben, hieß es. "Sie ließen mich allein, damit ich mich von ihr verabschieden kann", erinnert sich Leanne. "Ich hatte keine Zeit, nachzudenken. Ich musste mich auf die Geburt vorbereiten und später damit klarkommen."

Das sind die Auswirkungen einer Sympathieschwangerschaft

Chloe im Alter von vier Wochen

Nach der Entbindung brachten die Ärzte Chloe sofort weg, weil sie annahmen, dass die Kleine tot geboren wurde. Doch sie hatten sich getäuscht: Nur eine Minute später begann Chloe, zu atmen.

Während Mama Leanne auf der Intensivstation mit Antibiotika aufgepäppelt wurde, kam Chloe in den Brutkasten. Beide schienen auf einem guten Weg zu sein, aber dann kam der nächste Schicksalsschlag: Nach drei Wochen platzte Chloes Darm. Für die lebensrettende OP musste sie in ein anderes Krankenhaus gebracht werden.

Wieder warnten die Ärzte Leanne, dass das winzige Mädchen die 90-minütige Fahrt nach Liverpool nicht überleben werde. Wieder musste die Mutter sich von ihrer Tochter verabschieden - auch, weil im Krankenwagen kein Platz für sie war. Leanne fuhr dem Krankenwagen hinterher, auf dem Schoß eine Tüte mit Chloes Armband und ihrem Namenschild. Die Krankenschwestern hatten es Leanne mitgegeben. In Liverpool entfernten die Ärzte den entzündeten Teil von Chloes Darm, doch weil das Mädchen so instabil und ihre Haut so geschwollen war, konnten sie die Wunde nicht sofort schließen. Chloe kam "in Stücken" auf die Intensivstation, wie Leanne es beschreibt.

Chloe im Alter von acht Wochen

Vor jedem Eingriff musste sie Einverständniserklärungen unterzeichnen, auf denen stets von "Sterberisiko", "Blutungsrisiko" oder "Infektionsrisiko" die Rede war. "Deswegen verabschiedete ich mich vor jeder Operation aufs Neue von ihr", sagt Leanne. Insgesamt elf Mal.

"Es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. So würden es wohl alle Eltern von Frühchen beschreiben. Du bringst ja kein Baby auf die Welt und erwartest, dass es gleich wieder aufgeschnitten wird. Chloe war so winzig - wie ein Punkt. Ihre Haut war so zart wie Seidenpapier und ihre Adern schienen durch."

Mit acht Monaten konnte Chloe endlich zu ihrer Familie nach Hause. Ihren unglaublichen Weg ins Leben wollte Leanne in einem Buch dokumentieren. "Ich hatte schon Babybücher für meine Jungs gemacht, also sollte auch Chloe eins bekommen", erzählt Leanne. Doch all die gängigen Etappen und Altersangaben passten nicht zu Chloes Geschichte.

Deswegen gestaltete Leanne ein Buch für Frühchen: "Tiny Steps - My First Year". Neben klassischen Elementen wie dem Familienstammbaum und den Geburtsdetails gibt es Raum für Besonderheiten und kleinen Erfolge, an die sich Eltern von Frühchen erinnern wollen - wie zum Beispiel den Tag, an dem ihr Kind zum ersten Mal eigenständig geatmet hat.

Die Reaktionen auf ihr Buch haben Leanne Sawyer überwältigt. "Ich habe so viel Lob bekommen, ich kann es kaum fassen!" Das Geld, das sie mit dem Verkauf des Buches einnimmt, will Leanne britischen Organisationen spenden, die sich um das Wohl kranker Kinder und ihrer Angehörigen kümmern.

Dass Chloe einen so schweren Start ins Leben hatte, sieht man ihr heute nicht mehr an. Die Vierjährige ist gesund und fröhlich - und seit September nun auch in der Vorschule.

nw
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