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Einzelkinder Fünf Sprüche, die Eltern nicht mehr hören können

Einzelkind: Mutter und Vater mit Kind auf dem Rücken
© Liderina / Shutterstock
Mehr als jedes vierte Kind – genau 26 Prozent – wächst laut Auskunft vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden ohne Geschwister auf. Ihr seid ebenfalls überglücklich mit eurem Schatz und habt eure Familienplanung nach "nur" einem Kind abgeschlossen? Dann kommen euch diese Sprüche von anderen sicher bekannt vor, oder?

1. Wie, nur ein Kind? Wann kommt denn endlich Nr. 2?

Es scheint, als gebe es eine goldene Regel in Deutschland, die besagt, dass eine Familie nur dann komplett ist, wenn sie (mindestens) vierköpfig ist. Eltern? Sollten, nein müssen, immer, wirklich immer, mindestens zwei Kinder bekommen. Dabei gibt es viele, die aus unterschiedlichen Gründen "nur“ ein Kind bekommen können (Krankheit, Finanzen, Job ...) – oder wollen. Aber ganz egal, worin der Grund für die Entscheidung auch liegen mag, jeder andere sollte die Entscheidung akzeptieren und sich solche Bemerkungen verkneifen.  

2. Könnt ihr nicht – oder wollt ihr nicht?

Kein Scherz, diese Frage wurde einer unserer Einzelkindmütter tatsächlich schon gestellt. Mehrfach. Und von Wildfremden auf offener Straße. Geht das? Nein, geht natürlich nicht. Diese Frage ist unverschämt und kann absolut verletzend sein, wenn die entsprechenden Eltern beispielsweise gerne wollen, aber aus unterschiedlichen Gründen nicht können. Oder gerade ein Baby verloren haben. Oder es aus anderen Gründen nicht klappt. Gründe gibt’s mehr als genug. Deshalb solltet Ihr dem Fragenden auch deutlich machen, dass Eure Familienplanung Privatsache ist – und Ihr niemandem Rechenschaft schuldig seid.  

3. Euer Einzelkind wird doch total verzogen und ein kleiner Egomane

Der amerikanische Psychologe Granville Stanley Hall schrieb einst in den 1920er Jahren "Ein Einzelkind zu sein, ist für sich genommen eine Krankheit.“ Seitdem kursiert in den Köpfen vieler die eingängige Meinung, dass Kinder, die ohne Geschwister aufwachsen, nie lernen zu teilen und ihnen wichtige soziale Eigenschaften fehlen. Völliger Blödsinn, laut einer Studie der LMU München sind Einzelkinder oftmals sogar sozialer als Geschwisterkinder und erfreuen sich in Gruppen großer Beliebtheit. Warum das so ist? Einzelkinder investieren mehr in Freundschaften und Kollegen als andere. Schließlich sind diese nicht immer und selbstverständlich da.  

4. Mit nur einem Kind kennt ihr ja gar keinen richtigen Stress!

Es gibt Eltern, für die ist das Kinderbekommen eine sportliche Disziplin: Je mehr, desto besser. Und wenn der Nachwuchs dann da ist, klopfen sich eben jene Großmeister im Kinderbekommen dann inbrünstig auf die Schulter, um sich für den goldenen Kindersegen, kurze Nächte und dunkle Augenringe gegenseitig mit einer Ehrenurkunde zu beglückwünschen. Einzelkindeltern sind hingegen nur eine Siegerurkunde wert. Allerdings: Laut diverser Studie sind genau die Kinder die entspanntesten und glücklichsten, deren Eltern ebenfalls entspannt und glücklich sind – und nicht gestresst von der Haarspitze bis zum großen Zeh.  

5. Ihr seid ganz schön egoistisch, dass ihr nur ein Kind habt. Mit wem soll das denn spielen?

Die einfache Antwort auf Vorwürfe, äh, Fragen wie diese: Mit uns zum Beispiel. Oder mit den Großeltern. Oder mit den Freunden aus der Kita. Spielmöglichkeiten gibt’s auch als Einzelkind mehr als genug. Davon ganz abgesehen ist manchmal weniger bewiesenermaßen mehr. Psychologischen Studien zufolge fördert Langeweile sogar die Kreativität. Wer sich langweilt, muss selber kreativ werden und sich Spiele ausdenken oder eine alternative Beschäftigung suchen. Ein wichtiger Faktor für die kindliche Entwicklung. Schließlich wusste auch Goethe schon: "Langeweile ist ein böses Kraut, aber auch eine Würze, die viel verdaut.“

Dieser Artikel ist ursprünglich auf Eltern.de erschienen.


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