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Wie die Karnickel: So absurd wirbt Polen für mehr Kinder


Das ganze Land diskutiert über den neuen Spot des polnischen Gesundheitsministeriums – mal lachend, mal empört.

Worum geht's hier?

Um Kinder. Oder besser: um keine Kinder. Die Polen kriegen nämlich nicht genug davon, meint die nationalkonservative Regierung. Aktuell liegt die Geburtenrate bei 1,32 Kinder pro Frau. (Zum Vergleich: Im ebenfalls recht kinderarmen Deutschland liegt sie bei 1,5) Die UN sagen für Polen voraus, dass die Bevölkerung von aktuell 38,2 Millionen auf voraussichtlich 36,6 Millionen bis 2030 und bis 2100 sogar auf 21,2 Millionen sinken könnte.

Oha – und nun?

Nun versucht die Regierung ihre Bürger zum Kinderkriegen zu bewegen – und greift auch zu recht ungewöhnlichen Mitteln. Für 637.000 Euro ließ das Gesundheitsministerium einen Spot produzieren, in dem die Hauptrolle ein Kaninchen spielt.

Ein Kaninchen?

Ja, genauer gesagt ein Rammler. Er sagt in dem Spot Sätze wie: "Niemand weiß besser als wir, wie man sich um viele Nachkommen kümmert." Die "Geheimnisse" seien: "viel Bewegung", "gesunde Ernährung", "wenig Stress" und "keine Besäufnisse". Er wisse genau, wovon er rede – sein Vater habe 63 Nachkommen.

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Youtube integriert.
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Also sollen es die Polen machen wie die Karnickel?

So ist die augenzwinkernde Botschaft.

Wie kommt der Spot an?

Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich. Die einen finden ihn lustig – viele aber auch geschmacklos. Kritiker werfen der Regierung auch vor, mitverantwortlich zu sein für den Kindermangel.

Was kann die Politik denn für die Kinderlosigkeit?

Die Nationalkonservativen, die seit 2015 an der Macht sind, hatten alle staatlichen Förderungsmittel für die künstliche Befruchtung gestrichen. Hier hatte wohl auch die mächtige katholische Kirche ihre Finger im Spiel. Für Paare, die ungewollt kinderlos sind, hat der flauschige Spot daher eine sehr bittere Note.

Was sagt die Regierung zur Kritik?

Sie könne verstehen, wenn Menschen das Video nicht mögen, aber es sei trotzdem gut, dass eine Debatte über die geringe Geburtenrate angestoßen werde.


 

miro

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